Deutsche-Bank-Chef gibt Widerstand gegen Fusion auf

11. März 2019, 16:39
8 Postings

Christian Sewing öffnet Tür für Gespräche mit Commerzbank, aber wichtige Großaktionäre von Deutschlands größtem Geldinstitut zweifeln am Sinn

Frankfurt – Eigentlich hatte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing erst die Postbank integrieren wollen, um sich danach den großen strategischen Fragen seines Hauses zu stellen. Doch nun muss der 48-jährige Top-Banker, der erst knapp ein Jahr auf dem Chefsessel sitzt, womöglich schneller über eine Fusion mit der Commerzbank entscheiden, als ihm und vielen seiner wichtigen Aktionäre lieb ist. Noch im vergangenen Jahr hatte er sich "12 bis 18 Monate" Zeit erbeten, nun hat Sewing – unter dem Druck der Politik – informelle Gespräche mit dem kleineren Konkurrenten begonnen.

Ob an deren Ende dann auch offizielle Verhandlungen stehen, ist bis jetzt völlig offen. Gesprochen wird Insidern zufolge im extrem kleinen Kreis. Oft waren und sind es Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke alleine, die über Chancen und Risiken eines Zusammenschlusses brüten. Sewing sei nicht dagegen, hätte sich aber gewünscht, erst beweisen zu können, dass die Integration der Postbank gelingen kann, hieß es am Montag aus der Deutschen Bank. Im Kern geht es darum, wie eine Brücke aussehen könnte, über die beide Institute gehen können, ohne öffentlich Schaden zu nehmen. Denn klar ist, dass bei einer Fusion offensichtlich würde, was in den Bilanzen der beiden Banken auch zehn Jahre nach der Finanzkrise noch schlummert – und damit auch, wie groß der Kapitalbedarf für ein neues Geldhaus nach einer Fusion wäre.

Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank gefragt

Bei den mächtigen Großaktionären der Deutschen Bank lösen die Nachrichten über informelle Gespräche keine Begeisterung aus. Zwar legten die Aktien der Deutschen Bank am Montag um gut fünf Prozent zu, die der Commerzbank sogar um fast sieben Prozent. Wichtige Anteilseigner von Deutschlands größtem Geldhaus meldeten aber zugleich Zweifel an, ob ein Zusammenschluss wirklich die beste Lösung ist. Dagegen macht die Politik Insidern zufolge aus Sorge vor einer erneuten Krise bei der Deutschen Bank in einem Konjunkturabschwung Druck. Sewing hat sich für die Gespräche mit Zielke schon vor einigen Wochen das Plazet seiner Kollegen im Vorstand geholt. Ein offizielles Mandat des Aufsichtsrats gibt es bisher nicht. Klar ist aber auch, dass in dem Kontrollgremium schon oft über Optionen für die Bank und damit auch über eine Fusion mit dem kleineren Frankfurter Konkurrenten diskutiert wurde.

Befürworter und Skeptiker

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, ein in Linz geborener Auslandsösterreicher, gilt als Befürworter einer nationalen Lösung. Von den Großaktionären hat bisher aber nur der US-Finanzinvestor Cerberus, der an beiden Instituten beteiligt ist und Sewing berät, seine Zustimmung zu einem Deal signalisiert. Andere Investoren sehen das nicht so: "Wir sind weiterhin gegen eine solche Fusion und halten das im Grundsatz für keine gute Idee", sagte am Montag eine Person aus dem Umfeld von einem der größten Anteilseigner der Deutschen Bank. Ein Zusammenschluss koste in erster Linie Zeit und Geld und sei keine Garantie für steigende Erträge. Sollten die Sondierungsgespräche zu konkreten Ergebnissen führen, die einen validen Zukunftsplan zeigten, werde man diesen aber genau prüfen.

Hauptversammlungen in zweiter Maihälfte

Ähnlich hatte sich bereits am Wochenende ein anderer Großaktionär geäußert und aufs Tempo gedrückt. Die jetzt begonnenen Gespräche dürften nicht allzu lange dauern, sondern sollten in "drei bis fünf Wochen" abgeschlossen sein, hieß es. Spätestens bis Ende April müsse dann Klarheit herrschen. Der Aufsichtsrat der Commerzbank trifft sich Insidern zufolge am 21. März zu einer regulären Sitzung, die schon vor einiger Zeit anberaumt wurde. Der Zeitplan ist relativ eng. Am 25. April will Deutsche-Bank-Chef Sewing die Zwischenbilanz für das erste Quartal vorlegen – das traditionell wichtigste Vierteljahr in der Bankenbranche. Zuletzt wuchs aber wieder die Sorge, dass die Geschäfte bei der Deutschen Bank – wieder einmal – nicht gut gelaufen sind. Am 8. Mai lässt sich dann die Commerzbank in die Bücher schauen. In der zweiten Maihälfte, am 22. und 23. Mai, würde es womöglich zum Showdown kommen: Erst lädt die Commerzbank ihre Aktionäre zur Hauptversammlung ein, einen Tag später treffen sich dann die Anteilseigner der Deutschen Bank. (Reuters, 11.03.2019)

  • Ob am Ende von Sondierungsgesprächen tatsächlich eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank steht, soll sich bis Anfang Sommer entscheiden.
    foto: reuters

    Ob am Ende von Sondierungsgesprächen tatsächlich eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank steht, soll sich bis Anfang Sommer entscheiden.

Share if you care.