Neue Musik vom Gershwin Piano Quartet, Nguyên Lê und Martin Ptak

    12. März 2019, 15:00
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    Es wird Gershwin wird für Klaviere umarrangiert und Jazzrock mit Weltmusik gemischt

    Gershwin Piano Quartet – Transatlantiques

    Gershwins I Loves You, Porgy von vier Klavieren gespielt? Geht gut. Und wenn sich das Gershwin Piano Quartet an die West Side Story heranwagt, ist noch mehr Leben drin. Der orchestrale Touch dieser Tastenflut verbindet sich mit pointierter Phrasierungskunst. Interessant. Auf Transatlantiques ist neben Bernstein, Rachmaninow, Prokofjew und Tschaikowski auch Michael Jackson dabei. Bei Bad gibt sich die Combo zwar perkussiv, hier stößt ihr Konzept jedoch an Grenzen. Es groovt betulich. Die CD ist also gut, um Chancen und die Grenzen des Konzepts "Umarrangieren" zu studieren.

    gershwinpianoquartet

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    Nguyên Lê Quartet – Streams

    Der französische Gitarrist Nguyên Lê, der Virtuose mit dem mitunter süßlichen Ton und den vietnamesischen Wurzeln, verfügt über hohe Erkennbarkeit: Er ist zwar eindeutig ein Kind des Jazzrock. Er bindet die deftige Stilistik allerdings mit Farben aus dem Bereich der Weltmusik. Dynamisch aufgeladen wird das Ganze auf Streams (ACT) durch hymnisch angelegte Soli, die ihre Energie dann auch aus Soundspielen schöpfen. Technisch ist Meister Lê Weltklasse. Etwas mehr von jener wilden Kantigkeit, die er beim Schlussstück Coromandel einbringt, hätte natürlich auch dem Ganzen gutgetan.

    nguyen le

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    Martin Ptak – River Tales

    River Tales (Collegno) erinnert zu Beginn an Wagners Vorspiel zu Rheingold: Kontemplativ wabern die Akkordflächen dahin, friedfertig vermittelt die Musik vor allem Atmosphäre. Der Wellengang der Ideen wird bei Posaunist, Pianist und Komponist Martin Ptak auch später nie stürmisch. Als "Minimal Musician" legt er es darauf an, Klanggeschöpfe zu erzeugen, die durch Wiederholung und Schichtungen von Instrumentalflächen aufgeladen werden. Hin und wieder wird ein meditatives Stück gewürzt durch entschleunigte Improvisationen. Mehr davon hätte jedoch nichts zerstört.

    martin ptak

    (tos, 12.3.2019)

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