Nie wieder Grippe: Intensive Forschung an universellem Impfstoff

    12. März 2019, 07:52
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    In etwa zehn Jahren könnte der erste universelle Grippeimpfstoff verfügbar sein, sagt der US-Mikobiologe Peter Palese

    Genf – So viele Wissenschafter wie nie zuvor arbeiten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an einem universellen Grippe-Impfstoff. Bisher müssen Impfstoffe jährlich auf die jeweils kursierenden Virenstämme abgestimmt werden. Das macht die Produktion aufwendig. Zudem kursieren durch die mutationsfreudigen Viren mitunter andere Varianten als von den Experten erwartet. – In solchen Fällen ist der für die kommende Saison vorbereitete Impfstoff weniger wirkungsvoll als erhofft.

    "Ein universeller Grippe-Impfstoff ist der Heilige Gral", sagt Martin Friede, WHO-Koordinator für Impfstoffe. Wann so ein Stoff verfügbar sein wird, sei schwer vorauszusagen. "Es gab aber in letzter Zeit einen gewaltigen Anstieg an Forschungsmitteln und an internationalen Gruppen, die daran arbeiten", sagte Friede. Relativ weit fortgeschritten ist das Team rund um Peter Palese, Leiter der Abteilung für Mikrobiologie der Icahn School of Medicine at Mount Sinai im US-Bundesstaat New York. Ende März 2019 sollen die ersten Ergebnisse von zwei Phase-II-Studien vorliegen. "Bis die Impfung tatsächlich auf den Markt kommt, dauert maximal zehn Jahre", sagt der Mikrobiologe.

    Forscher des Pharmaunternehmens Janssen, das seit 1961 zum Konzern Johnson & Johnson gehört, arbeiten derzeit mit Wissenschaftern vom Scripps Research Institute im kalifornischen La Jolla ebenfalls an einem Universalimpfstoff gegen Influenza. Wie sie kürzlich im Fachmagazin Nature berichteten, haben sie ein kleines Molekül gefunden, das zumindest Mäuse im Labor vor den meisten Grippevirenstämmen schützt. Das Molekül JNJ4796 verhindert, dass das Virus in Körperzellen eindringt und sich dort vermehrt. Die Wissenschafter untersuchten fast 500.000 Verbindungen und prüften, ob sie gegen Grippeviren wirken.

    Die nächste Grippe-Pandemie kommt bestimmt

    Die WHO warnt indes, dass die Welt nicht genügend auf die nächste Grippe-Pandemie vorbereitet sei. "Die Frage ist nicht ob, sondern wann eine neue Grippe-Pandemie kommt", sagt WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Eine solche Pandemie würde die Wirtschaft und Gesellschaft jedes Landes berühren", ergänzt die Expertin für Grippebereitschaft, Ann Moen.

    Die WHO veröffentlichte nun deshalb eine neue Grippe-Strategie. Ziel ist es, in allen Ländern der Welt eine bessere Überwachung sich anbahnender Ausbrüche zu schaffen und den Länder zu helfen, im Falle eines Falles schneller reagieren zu können. Schon die saisonalen Grippeausbrüche führen jedes Jahr zu bis zu 650.000 Todesfällen, sagt Moen. (red, APA, dpa, 12.3.2018)

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