Ermittlungen gegen Langlauftrainer

    11. März 2019, 14:39
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    Zweite betroffene Ex-Sportlerin berichtet von Übergriffen, sie war damals 15 Jahre alt

    Linz – Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen ehemaligen oberösterreichischen Langlauftrainer hat das Landeskriminalamt Ermittlungen aufgenommen. Das teilte die Polizei am Montag auf APA-Anfrage mit. Zwei Frauen beschuldigen den Mann, sie in den 1990er-Jahren missbraucht zu haben. Sie waren damals erst im Teenageralter. Das Land Oberösterreich hat eine Hotline eingerichtet.

    Nachdem am Wochenende eine ehemalige oberösterreichische Nachwuchslangläuferin in den "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) Missbrauchsvorwürfe gegen einen ihrer damaligen Trainer erhoben hatte, folgte am Montag das nächste Outing einer Betroffenen. In beiden Fällen berichteten die jungen Frauen, sie hätten sich bei Sportveranstaltungen – angeblich mangels eines anderen freien Zimmers – mit einem rund doppelt so alten Trainer ein Doppelbett teilen müssen. Dort sei es dann zu Übergriffen gekommen.

    Betroffene einvernommen

    Eine Frau schilderte den OÖN, sie habe sich bereits Ende 2017 an die vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) betraute Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic und eine Anlaufstelle der Sportunion Oberösterreich gewandt. Ihre E-Mails seien aber zunächst unbeantwortet geblieben. Später kam die Entschuldigung, die Mail sei im "zugespamten" Posteingang gelandet, erzählte die Betroffene. Die Frau, die zum Zeitpunkt des Geschehens 18 Jahre alt war, wurde von der Polizei mittlerweile einvernommen.

    Zweites Opfer war erst 15

    Am Montag folgte dann – ebenfalls via OÖN – das nächste Outing: Eine weitere ehemalige Nachwuchs-Langläuferin, die damals erst 15 Jahre alt war, berichtete, sie habe sich bei einem Trainingskurs ebenfalls ein Zimmer mit dem Trainer teilen müssen. In der Folge sei es zu Übergriffen und schließlich zu einem vier Jahre dauernden Abhängigkeitsverhältnis gekommen.

    "Er war mein Trainer, ich habe ihm blind vertraut. Ohne ihn wäre meine Karriere als Langläuferin Geschichte gewesen", wird die Betroffene zitiert. Sie habe jahrelang geschwiegen. Im Vorjahr habe sie ihr ehemaliger Trainer aber angerufen. "Er sagte mir, dass eine Frau ihn wegen sexueller Übergriffe beschuldigt hat. Wenn mich jemand konfrontiert, soll ich für ihn lügen", berichtete die ehemalige Langläuferin.

    Das Outing

    Im Oktober des Vorjahrs wandte sich die erste, lange Zeit ungehörte Betroffene abermals an die Sportunion. Von dieser habe Fritz Niederndorfer, Präsident des oberösterreichischen Skiverbands, am 6. November 2018 eine E-Mail bekommen, sagte er dem STANDARD. Der beschuldigte Trainer war zu diesem Zeitpunkt auf Trainingslager in Finnland. Niederndorfer rief ihn an und veranlasste, dass er das Training "mit sofortiger Wirkung" beende und das Hotel wechsle – eine sofortige Heimreise sei organisatorisch nicht möglich gewesen.

    Trainer entlassen

    Nach seiner Rückkehr drei Tage später habe Niederndorfer mit dem Trainer vereinbart, dass er "alle Tätigkeiten für den Landesskiverband einstellt und alle Funktionen zurücklegt". Niederndorfer sagt, er habe den Trainer mit den Vorwürfen konfrontiert. "Er hat mir gesagt, dass das nicht so stimmt." Niederndorfer sei damals nicht ins Detail gegangen: "Ich bin nicht dazu da, dass ich Polizei und Richter spiele."

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    Landesskiverbands-Präsident Fritz Niederndorfer im ORF-Interview.

    Anfang Jänner traf sich Niederndorfer mit der Frau, die die Sportunion informiert hatte. Danach verschickte der Landesskiverband eine Mail zum Thema Gewaltprävention an die Mitglieder. "Wir haben Handlungen gesetzt", sagt er.

    Privat offenbar weiter aktiv

    Privat dürfte der aus dem Landesskiverband geworfene Trainer weiterhin aktiv gewesen sein. "Im Jänner habe ich ihn wieder auf der Loipe mit einer jungen Athletin getroffen", berichtete die als "Ulrike S." anonymisierte Athletin den OÖN. Das sei auch "mit ein Grund, warum ich mich oute".

    Laut Polizeisprecher David Furtner habe man aufgrund der medialen Berichterstattung Ermittlungen aufgenommen. Auch der für Sport zuständige Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) habe eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht. Der Verdächtige sei namentlich bekannt, aber – ebenso wie die zweite Betroffene, die sich am Montag medial geoutet hatte – noch nicht einvernommen worden.

    Er habe den Dienstgeber des Beschuldigten ersucht, die Vorwürfe dienstrechtlich zu prüfen, teilte Achleiter in einer Presseaussendung mit und stellte klar: "Bei Missbrauchsfällen im Sportbereich gibt es keine Toleranz, sondern umfassende Aufklärung und völlige Transparenz, dazu rasche Hilfe für Betroffene."

    Hotline eingerichtet

    Das Land Oberösterreich hat im Olympiazentrum Sportland OÖ zudem eine Hotline (0664 / 600 72 76168) eingerichtet, bei der sich mögliche Betroffene melden können. Im Olympiazentrum stehen Sportlern und Trainern ab sofort zwei fixe Ansprechpartner für das Thema sexueller Gewalt im Sportbereich zur Verfügung. Darüber hinaus wurde eine Kooperation mit dem Verein PIA – Prävention, Beratung und Therapie bei sexueller Gewalt vereinbart, berichtete Achleitner.

    Laut dem OÖN-Artikel gebe es glaubhafte Angaben weiterer Langläuferinnen, wonach sie sich in Toiletten eingesperrt hätten, um vor dem betreffenden Trainer in Sicherheit zu sein. Auch von einem unfreiwilligen gemeinsamen Besuch eines Swingerclubs sei die Rede gewesen. Der mutmaßliche Täter – der bis Ende des Vorjahres im Umfeld des Landesskiverbandes Oberösterreich tätig gewesen sein soll – habe sich immer wieder mit jungen Langläuferinnen in Doppelzimmern untergebracht. Zahlreiche Mitwisser hätten jahrelang geschwiegen, so die Zeitung. Nach APA-Informationen soll der Verdächtige auch andere Sportarten als den Langlauf betreut haben.

    Kritik

    Der Sportsprecher der oberösterreichischen SPÖ, Michael Lindner, verlangte "lückenlose Aufklärung". Es sei beschämend, dass diese furchtbaren Vorfälle so viele Jahre lang vertuscht worden sind", kritisiert er. "Niemand ist diesen Vorwürfen nachgegangen. Auch nicht der oberösterreichische Skiverband. Das ist unglaublich", so Lindner in einer Aussendung. (APA, schau, 11.3.2019)

    Telefon-Hotline für Betroffene: 0664 / 600 72 76168. Als Ansprechpartner stehen der Sportpsychologe Stefan Aigner unter office@mental-stark.at sowie die Sportkoordinatorin Valerie Teufl unter valerie.teufl@talentezentrum-ooe.at zur Verfügung

    • Symbolbild.
      foto: apa/barbara gindl

      Symbolbild.

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