Blackbox von in Äthiopien abgestürzter Maschine in Flugzeugtrümmern gefunden

    11. März 2019, 11:59
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    Die Ermittler erhoffen sich durch den Flugschreiber Näheres zur Absturzursache. Auch ein Pfarrer aus Villach ist unter den Opfern

    Addis Abeba / Villach – Nach dem Absturz einer Maschine der Ethiopian Airlines, bei dem am Sonntag 157 Menschen getötet wurden, konnte der Flugschreiber gefunden werden. Ein Vertreter der Fluggesellschaft erklärte, dass die Blackbox der Maschine vom Typ Boeing 737 Max 8 ersten Erkenntnissen zufolge beschädigt sei. Es sei daher noch unklar, wie viele Informationen daraus zu gewinnen seien.

    Blackboxes enthalten unter anderem Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche, was für Ermittler sehr wichtig ist bei der Klärung der Unfallursache. Sie sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

    Länder ziehen Konsequenzen

    Das Flugzeug war wenige Minuten nach dem Start abgestürzt. Experten wiesen sofort auf Parallelen zum Absturz einer Boeing 737 Max 8 hin, die im Oktober in Indonesien ebenfalls nur wenige Minuten nach dem Start ins Meer stürzte. 189 Menschen kamen dabei ums Leben.

    Mehrere Länder ziehen nun Konsequenzen aus den Abstürzen: In China gilt bis zum Abend ein Einsatzverbot für diesen Flugzeugtyp. Gemeinsam mit der US-Luftfahrtbehörde und Hersteller Boeing berate man nun das weitere Vorgehen.

    Auch Äthiopien kündigte an, die gesamte Flotte dieses Typs auf dem Boden zu lassen. Auch die karibische Cayman Airways erklärte, ihre beiden Boeing 737 Max 8 vorerst nicht einzusetzen. Auch Indonesien zog Konsequenzen: Alle Maschinen des Typs heben laut der Nachrichtenagentur AP vorerst nicht mehr ab.

    Wer die österreichischen Opfer sind

    Die drei österreichischen Todesopfer des Absturzes stammten entgegen ersten Meldungen nicht alle aus Oberösterreich, erklärte das Außenministerium am Montag. Einer der drei Ärzte kam demnach aus Niederösterreich, ein weiterer aus Kärnten. Der in Oberösterreich geborener Arzt war demnach 31 Jahre alt, berichtete Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer. Er hatte im Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz gearbeitet.

    Der in Niederösterreich geborene Arzt, ebenfalls 31, hatte in Steyr gearbeitet. Der in Kärnten geborene Mediziner war 30 Jahre alt und hatte offenbar in Wien gelebt. Alle drei wollten laut Ministerium von Addis Abeba mit einer Zwischenlandung in Nairobi nach Sansibar fliegen, "um dort medizinisch zu arbeiten". Die Angehörigen waren bereits am Sonntag verständigt worden, sie wurden psychologisch betreut.

    Pfarrer unterwegs zur UN-Konferenz

    Ein deutscher Pfarrer, der seit dem Jahr 2000 in der evangelischen Gemeinde in St. Ruprecht bei Villach tätig war, kam ebenfalls ums Leben. Der 51-Jährige war im Auftrag des Weltkirchenrats zu der UN-Umweltkonferenz in Nairobi unterwegs, teilte der Evangelische Pressedienst am Montag mit. Dort sollte er über die "Wirtschaft des Lebens" und wirtschaftliche Gerechtigkeit sprechen. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker zeigte sich tief betroffen und erschüttert.

    UN-Konferenz begann überschattet von Absturz

    Überschattet vom Absturz hat in Nairobi am Montag die Konferenz des UN-Umweltprogramms (Unep) begonnen. In der Maschine waren 22 UN-Mitarbeiter gesessen, von denen viele auf dem Weg zu dem Treffen waren. Die Konferenz begann am Montag mit einer Schweigeminute.

    Am Unep-Gebäude wehte die UN-Flagge auf halbmast, die Flaggen aller Mitgliedsstaaten wurden abgenommen. Die Direktorin des UN-Programms für menschliche Siedlungen (UN-Habitat), Maimunah Sharif, sagte bei der Eröffnung: "Wir werden weder diese Tragödie vergessen noch die Verstorbenen. Denken wir darüber nach, dass unsere Kollegen bereit waren, zu reisen und weit weg von ihrem Zuhause und ihren Angehörigen zu arbeiten, um die Welt zu einem besseren Ort zum Leben zu machen."

    Grieche verpasste Flieger

    Glück im Unglück hatte ein Grieche, der in letzter Minute den Einstieg in das Flugzeug verpasste. "Ein Freund sagte mir, ich soll es als eine zweite Lebenschance sehen", sagte Antonis Mavropoulos griechischen Medien am Montag. Die Rettung verdanke er der verspäteten Ankunft am Flughafen von Addis Abeba und der Tatsache, dass ein Flugbegleiter, der ihn zum Flugzeug führen sollte, zu spät kam.

    "Ich habe sogar protestiert, weil es eigentlich genug Zeit gab, dass ich den Flug nicht verpasse", sagte Mavropoulos. Als er erfuhr, dass sein ursprünglicher Flug abgestürzt war, habe es ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Auf seinem Facebook-Profil veröffentlichte er ähnliche Aussagen, nachdem er mit einem anderen Flug in Kenia angekommen war. "Ich bin vielleicht nicht zu alt für Rock 'n' Roll, aber sicher zu jung zum Sterben", schrieb er. (APA, red, 11.3.2019)

    • Das Flugzeug stürzte nur 60 Kilometer nach dem Start ab. Trümmerteile sind um die Ortschaft Bishoftu verteilt. Hier konnte auch die Blackbox gefunden werden.
      foto: apa/afp/michael tewelde

      Das Flugzeug stürzte nur 60 Kilometer nach dem Start ab. Trümmerteile sind um die Ortschaft Bishoftu verteilt. Hier konnte auch die Blackbox gefunden werden.

    • Einige Passagiere – auch ein in Villach tätiger Pfarrer – waren auf dem Weg zu einer Konferenz der Vereinten Nationen in Nairobi. Diese wurde am Montag mit einer Gedenkminute eröffnet.
      foto: apa/afp/unep/c. villemain

      Einige Passagiere – auch ein in Villach tätiger Pfarrer – waren auf dem Weg zu einer Konferenz der Vereinten Nationen in Nairobi. Diese wurde am Montag mit einer Gedenkminute eröffnet.

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