Ehemaliger Jugendgerichtshof: Klinker statt Kerker

    8. März 2019, 10:07
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    Seit 2003 stand der ehemalige Jugendgerichtshof im dritten Wiener Bezirk leer, 2014 wurde er abgerissen. Die Aliqua Immobilien Gmbh setzte einen Neubau mit 126 freifinanzierten Mietwohnungen um.

    Bis 2003 wurden in der Rüdengasse 7-9 im dritten Wiener Bezirk jugendliche Straftäter verurteilt. Dann wurde der Jugendgerichtshof unter Schwarz-Blau I geschlossen. Bis auf punktuelle Nutzungen für Filmaufnahmen (Soko Donau, Tatort) stand das 1928 errichtete Gebäude dann jahrelang leer.

    2006 wurde es von der Bundesimmobiliengesellschaft um 5,7 Millionen Euro an den Immobilienentwickler Ceba veräußert. Acht Jahre später, 2014, landete der prominente Leerstand um mehr als das Doppelte, nämlich 11,2 Millionen Euro, bei der Aliqua Immobilien Gmbh. Wenige Monate später wurde diese von Christian Kaufmann übernommen, einem der Erben der 1998 verstorbenen Papierindustriellen Harriet Hartmann (Frantschach AG). Und der ließ die nicht denkmalgeschützte Immobilie im November 2014 abreißen.

    Das etwas andere Regionalzentrum

    Zuvor hatte sich die Bezirksvorstehung für eine Revitalisierung der Immobilie mit 6700 Quadratmetern Nutzfläche und 476 Quadratmeter großem Innenhof starkgemacht. Die Ceba hatte eine solche auch zugesagt; von einem "Regionalzentrum" war damals die Rede, mit Wohnungen und einem Nahversorger. Dass das alte Gebäude zumindest teilweise abgerissen wird, war da aber schon klar.

    Geworden ist es nun also ein kompletter Neubau mit fast ausschließlicher Wohnnutzung, sieht man von zwei Geschäftslokalen im Erdgeschoß (die beide denselben Mieter haben) ab. Konkret errichtete die Aliqua 126 freifinanzierte Mietwohnungen und eine Tiefgarage mit 83 Stellplätzen. Die ersten Mieter sind schon eingezogen, mehr als die Hälfte der Einheiten sind aber noch verfügbar.

    Stattliche Preise

    Die Wohnungen sind 30 bis 114 Quadratmeter groß und werden von der Örag (die auch als Generalplaner fungierte) vergeben. Die kleinste Einheit kommt auf 635 Euro, die teuerste auf fast 2000 Euro, jeweils mit Betriebskosten und Umsatzsteuer. Die Preise sind stattlich, entsprechen aber dem derzeitigen Niveau für freifinanzierte Wiener Mietwohnungen im Erstbezug und sind auch der zweifellos hochwertigen Ausstattung geschuldet: Eichenparkett, Fußbodenheizung (Fernwärme, Solarthermie für das Brauchwasser), Bulthaup-Einbauküche, Balkon oder Terrasse bei jeder Einheit.

    Optisch kann sich der Neubau mit seiner ansprechend gegliederten Klinkerfassade wirklich sehen lassen. Dahinter steckt mit Steinwolle gedämmter Stahlbeton. Auf möglichst schadstofffreie Bauweise wurde Wert gelegt, sämtliche verwendeten Materialien sind umweltzertifiziert. (mapu, 8.3.2019)

    • Wo einst der Jugendgerichtshof samt Gefängnis stand, kann jetzt gewohnt werden. Eine Kleinwohnung gibt es ab 635 Euro.
      foto: wolfgang thaler

      Wo einst der Jugendgerichtshof samt Gefängnis stand, kann jetzt gewohnt werden. Eine Kleinwohnung gibt es ab 635 Euro.

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