Salzburg: Eine Skitour auf das Liebeseck in Flachauwinkel

    8. März 2019, 11:00
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    Wir begeben uns bei dieser Skitour aus dem Kühlschrank in warme Höhen.

    Was für ein einprägsamer Name für einen Berg: Liebeseck! Wir sagen es hier aber gleich: Wie der Name entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit nachvollziehen. Ein Hör- oder ein Übertragungsfehler eines frühen Kartografen scheint naheliegend.

    Für die Salzburger Skitourencommunity gehört der 2.303 Meter hohe Gipfel in den Radstädter Tauern jedenfalls zum Standardrepertoire. Und das liegt bei Weitem nicht nur an der leichten Erreichbarkeit des Startpunktes in Autobahnnähe.

    Die Tour über 1.200 Höhenmeter gilt quasi als idealtypische Skitour. Der Ausgangspunkt auf rund 1.100 Meter Seehöhe im schattigen Talboden von Flachauwinkel garantiert bis weit ins Frühjahr hinein morgens Gefrierschranktemperaturen und damit Schnee. Dann geht es entlang einer Forststraße ins Marbachtal an den gleichnamigen Quellen vorbei zu schönen Almböden.

    Apropos: Große Quellen sind typisch für die wasserreichen Niederen Tauern. Die Marbachquellen versorgen die Bezirkshauptstadt St. Johann im Pongau mit Wasser. Und in unmittelbarer Nachbarschaft, ein Kar weiter nördlich, entspringt übrigens die Enns; namensgebend für diesen Teil des Pongaus und später im Unterlauf Grenzfluss zwischen Ober- und Niederösterreich.

    Zwiebelprinzip

    Zurück zum Liebeseck: Nach der Kühlschrankphase folgt der Anstieg über feines Skigelände in wechselnder Steilheit in eine Scharte. Es wird sonnig und das Sprichwort fällt uns ein: "Jeder Stock – ein Rock." Soll heißen, je höher man steigt, umso wärmer wird es und man kann einen Rock ablegen. Heute in der Funktionswäschezeit nennt man das Schichten- oder Zwiebelprinzip.

    Und weil es eben eine idealtypische Tour ist, darf auch ein Skidepot nicht fehlen. Man legt es am besten in einer Scharte an, aus der es über einen technisch nicht allzu fordernden Grat schließlich auf den Gipfel geht.

    Die Qualität der Abfahrt hängt stark von der Jahreszeit ab. Im Hochwinter sind die Hänge meist pulverbedeckt, im Frühjahr sollte man freilich recht zeitig dran sein, um die oberen, stark besonnnten Hänge wirklich im Firn genießen zu können. (Thomas Neuhold, 8.3.2019)

    Weitere Outdoor-Tipps

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    Service

    karte: der standard

    Anreise: Von der Tauernautobahn bei Flachauwinkl abfahren und auf der Talstraße nach Süden rund vier Kilometer bis zu einem Parkplatz bei der Abzweigung der Straße zu den Marbachalmen (Wegweiser, Kartenpunkt 1.106 m).

    Route: Vom Parkplatz geht es flach nach Süden ins Marbachtal, an den Marbachquellen vorbei bis zur Vorderen Marbachalm (1.127 m, Abzweigung Tour Benzeck-Schilcheck). Richtung Liebeseck folgt man dem Almweg taleinwärts an der Hinteren Marbachalm vorbei und gemütlich der Straße folgend hinauf zur Ursprungalm (1.531 m). Ein etwas rascherer, aber steilerer Anstieg zweigt knapp nach der Hinteren Marbachalm in den Lärchenwald ab (Sommerweg) und führt direkter hinauf zur Ursprungalm. Ein Stück noch entlang der Straße nach Norden ehe man etwas steiler (zirka 1.650 m) nach Westen ins Kar hinaufsteigt.

    Das Kar wird auf der Nordseite der Ennskarhütte (2.002 m) durchschritten, bis man in eine Einsattelung kommt. Je nach Schneelage zu Fuß oder (selten) mit Ski entlang des Grates nach Norden auf den Gipfel. Abfahrt wie Anstieg; oft wird das Anstiegskar auch auf der rechten, südlichen Seite abgefahren. Der Vorteil: hier hält sich entlang der Felsen der Pulver länger, knapp oberhalb der Ursprungalm wird es aber bei einem kurzen Durchschlupf etwas steiler.

    Variante: Eine kürzere Alternative zum Liebeseck sind die vorgelagerten Gipfel Schilcheck (2.040 m) und/oder Benzeck (2.076 m): Im Marbachtal geht es bis kurz vor die Vordere Marbachalm, dann im spitzen Winkel eine Forststraße hinauf nach Norden. Die Straße dreht westwärts und führt steil hinauf zur Ranstlalm (1.502 m). Nun durch lichten Lärchenwald nach Nordwesten in die Einsattelung zwischen Benzeck und Schilcheck. Nach Südwesten auf das Schilcheck, nordwärts etwas steiler und luftiger auf das Benzeck. Jeweils 950 Höhenmeter Anstieg, 2,5 Stunden. Abfahrten wie Anstiege.

    Unterkunft/Einkehr: Der Schauphof auf der Straße von Flachauwinkel nach Süden bietet Köstliches aus der bäuerlichen Produktion. www.schauphof.at

    Ausrüstung: Skitourenausrüstung, Harscheisen.

    Literatur: Clemens M. Hutter/Thomas Neuhold, "Skitourenatlas Salzburg-Berchtesgaden", 2. Auflage, Verlag Pustet, Salzburg 2014.

    Karte: Kompass Nr.50, "Kartenset Nationalpark Hohe Tauern", 1:50.000.

    Lawinenwarndienst: www.lawine.salzburg.at

    • Schon am Weg zum Liebeseck sieht man: Das wird eine feine Abfahrt in feinstem Skigelände.
      foto: thomas neuhold

      Schon am Weg zum Liebeseck sieht man: Das wird eine feine Abfahrt in feinstem Skigelände.

    • Der Anstieg über den Grat zum höchsten Punkt am Liebeseck ist technisch nicht allzu fordernd.
      foto: thomas neuhold

      Der Anstieg über den Grat zum höchsten Punkt am Liebeseck ist technisch nicht allzu fordernd.

    • Im Vergleich zum Mosermandl (links hinten) und zum mächtigen Faulkogel (rechts) ist das Liebeseck (Bildmitte) eher schmächtig.
Standort des Fotografen: Kraxenkogel Blickrichtung Süden in das Gasthofkar.
      foto: thomas neuhold

      Im Vergleich zum Mosermandl (links hinten) und zum mächtigen Faulkogel (rechts) ist das Liebeseck (Bildmitte) eher schmächtig.

      Standort des Fotografen: Kraxenkogel Blickrichtung Süden in das Gasthofkar.

    • Und hier das Liebeseck mit seinem charakteristischen Grat noch einmal vom Kraxenkogel aus gesehen.
      foto: thomas neuhold

      Und hier das Liebeseck mit seinem charakteristischen Grat noch einmal vom Kraxenkogel aus gesehen.

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