Konstante Kluft: Sechs Fakten zur Schieflage zwischen Mann und Frau

    8. März 2019, 06:00
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    Immer noch gibt es massive Differenzen zwischen den Geschlechtern, etwa was Lohn, Pensionen und Kindererziehung betrifft. Ein Überblick

    1. Frauen verdienen weniger

    Vergleicht man die Bruttostundenlöhne unselbstständig Erwerbstätiger in Österreich, bekommt eine Frau laut Eurostat für jeden Euro, den ein Mann verdient, nur rund 80 Cent. Im Jahr 2018 hatten Männer also bereits am 20. Oktober das Einkommen erreicht, für dass Frauen noch bis Jahresende arbeiten mussten. Berücksichtigt man die Bruttojahreseinkommen des Jahres 2017, verdienen Frauen fast 40 Prozent weniger als Männer, weil sie deutlich häufiger Teilzeit beschäftigt sind: 47,7 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit, bei den Männern sind es nur 11,9 Prozent.

    Selbst wenn Merkmale wie Branche, Bildungsniveau, Alter, Arbeitszeit, Art des Arbeitsvertrags, Region oder Unternehmensgröße berücksichtigt werden, bleibt immer noch ein Lohnunterschied von 13,6 Prozent.



    2. Frauen arbeiten oft umsonst

    Laut einer OECD-Studie verbringen Österreicher 135 Minuten, Österreicherinnen 269 Minuten täglich mit unbezahlter Arbeit. Darunter fallen etwa Hausarbeit, Einkauf sowie die Betreuung von Kindern oder von pflegebedürftigen Erwachsenen.



    3. Vor allem Frauen kümmern sich um die Kinder

    Fast 94 Prozent der Alleinerziehenden in Österreich sind Frauen. Der Männeranteil bei den Karenzen lag im Dezember 2017 bei nur 3,8 Prozent: 119.476 Frauen standen 4.773 Männern gegenüber, die Kinderbetreuungsgeld bezogen. Das hat auch langfristig finanzielle Folgen: Einer aktuellen Studie zufolge liegt das Erwerbseinkommen von Frauen in Österreich selbst zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes im Schnitt um 51 Prozent unter dem Wert ein Jahr vor der Geburt des Kindes. Männer erleiden keine Einbußen.



    4. Frauen sind ärmer als Männer

    Die Alterspensionen der Frauen waren 2017 um 50,1 Prozent niedriger als die der Männer. Berücksichtigt man nur die 2017 neu zuerkannten Alterspensionen, beträgt der durchschnittliche Rückstand von Frauen (Gender-Pension-Gap) immer noch 43 Prozent zu den Männerpensionen. Nur zwei Prozent der Frauen schaffen 45 Pensionsbeitragsjahre, bei den Männern sind es rund 52 Prozent (das durchschnittliche Antrittsalter lag 2017 bei Frauen bei 59 Jahren, bei Männern bei 60,9 Jahren). Die armutsgefährdeten Personen über 65 waren laut Statistik Austria im Jahr 2017 zu fast 70 Prozent weiblich.



    5. Frauen sind häufiger von sexueller Belästigung und Gewalt betroffen

    Drei Viertel der Frauen in Österreich haben bereits sexuelle Belästigung erlebt, fast ein Drittel sexuelle Gewalt. Das ergab eine Prävalenzstudie aus dem Jahr 2011. Laut der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie waren 2017 österreichweit 83 Prozent der gemeldeten Opfer häuslicher Gewalt weiblich – während die Gewalt in 88 Prozent der Fälle von Männern ausging. Ziehen Opfer vor Gericht, droht ihnen eine Retraumatisierung – die dann oft auch noch umsonst war: Im Jahr 2017 endeten etwa nur zehn Prozent der Fälle, die bei der Staatsanwaltschaft zu sexueller Belästigung eingingen, mit einer Verurteilung.



    6. In der Politik sind Frauen unterrepräsentiert

    Unter den 183 Nationalratsabgeordneten sind derzeit 68 Frauen, das sind 37,2 Prozent. Nur acht Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind weiblich. Bei den vergangenen sechs Nationalratswahlen betrug der Anteil an Spitzenkandidatinnen nur 11,7 Prozent. Unter den neun Landeshauptleuten befindet sich derzeit nur eine Frau. (Text: Noura Maan, Grafiken: Daniela Yeoh, Fatih Aydogdu, 8.3.2019)

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