Mehr Privatsphäre auf Facebook: Zweifel an Zuckerbergs Versprechen

    7. März 2019, 09:30
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    Angekündigte Änderungen hätten große Implikationen, doch schon in der Vergangenheit blieb so manches unerfüllt

    Die User sollen sich künftig wieder sicher fühlen, wenn sie auf Facebook kommunizieren. Das von Datenschutzskandalen gebeutelte und seit Monaten unter massiver Kritik stehende Netzwerk plant eine radikale Wandlung. Das versprach Gründer und Chef Mark Zuckerberg selbst in einem kürzlich veröffentlichten Blogpost.

    Man möchte die starke Verschlüsselung, die bereits bei Whatsapp seit Jahren im Einsatz ist, auch flächendeckend auf Facebook verwenden. Und weil zunehmend "privatere" Kommunikation gefordert ist, sollen auch Nachrichten der Nutzer nicht mehr ewig im digitalen Äther verweilen, sondern nach einer gewissen Zeit automatisch gelöscht werden – es sei denn, ein User entscheidet sich aus freien Stücken dagegen.

    Doch diese und andere der Versprechungen von Zuckerberg stoßen neben erfreuten Reaktionen auch auf einige Skepsis. Die angekündigten Schritte seien von großer Bedeutung, wenn sie denn wirklich durchgeführt würden. Dass Facebook vollumfänglich Ernst machen wird, wird von diversen Beobachtern bezweifelt.

    Große Konsequenzen

    Sollten Nutzerinhalte künftig tatsächlich nur zeitlich begrenzt auf Facebook existieren, würde dies praktisch einer Ausmusterung des Newsfeeds gleichkommen, argumentiert man bei "The Verge". Und dieser Strom an Postings, Gruppeneinträgen und News ist seit Jahren immerhin das zentrale Element des Netzwerks. Damit muss sich Facebook auch ein neues Geschäftsmodell ausdenken, denn gerade die um bzw. im Newsfeed platzierte Werbung ist besonders lukrativ. In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit "Wired" erklärt Zuckerberg jedenfalls, dass der Newsfeed nicht verschwinden wird.

    Wie das neue Einkommensmodell aussehen wird, lässt sich grob schon erkennen. Instagram wird eine eigenständige Shopping-App bekommen. Facebook wird eine eigene Kryptowährung in Umlauf bringen und will sich als E-Commerce-Plattform für Angebote von Waren und Dienstleistungen etablieren.

    Rückzug aus mehreren Ländern nötig

    Die technische Zusammenlegung von Facebook, Whatsapp und Instagram wird Regulatoren vor Herausforderungen stellen. In der Vergangenheit hatte man stets erklärt, die Dienste stets voneinander getrennt halten zu wollen, die Änderung dieses Kurses sorgte gerade hinsichtlich Datenschutzbedenken für entsprechende Aufregung. Es bleibt nun also den Marktwächtern überlassen ob und unter welchen Bedingungen Facebook die Zusammenführung umsetzen kann. Das Netzwerk dürfte wohl auch damit argumentieren, dass eine solche Vereinheitlichung die Umsetzung von besserem Datenschutz deutlich erleichtert.

    Mit stärkerer Verschlüsselung und dem Versprechen, keine Server in Ländern zu betreiben, die direkten Zugriff auf Userdaten wollen, stellt man sich selbst vor neue Herausforderungen. Neben vorprogrammierten Konflikten mit einigen Sicherheitsbehörden bedeutet das auch potenziell das Ende für Facebook in einigen Ländern. In Russland und Vietnam etwa wird verlangt, dass Nutzerdaten auf Servern im Inland gespeichert werden, damit sie direkt der überwachungsfreundlichen Gesetzgebung unterliegen.

    Dazu erklärt auch Zuckerberg selbst, dass man sich aus manchen Ländern wohl zurückziehen wird müssen oder in anderen gar nicht erst an den Start geht. Dass das Netzwerk jemals offiziell in China Fuß fasst, dürfte damit auszuschließen sein.

    Gebrochene Versprechen

    Dass man über die Technologie verfügt, um Nutzerinhalte schnell und praktisch spurlos verschwinden zu lassen, demonstrierte Facebook selbst vor rund einem Jahr. Damals löschte man unangekündigt alle privaten Nachrichten von Zuckerberg aus den Chats und Datenbeständen der User, was prompt Kritik nach sich zog. Gleichzeitig kündigte man an, eine Funktion zum Zurückholen von eigenen Messages einführen zu wollen, das es nach wie vor aber nicht gibt.

    Und das ist auch nicht das erste Versprechen, das Facebook letztlich nicht erfüllt hat. Auch der im Mai angekündigte Button, der die gesammelten Werbedaten aus dem eigenen Konto entfernen soll, ist noch nirgendwo zu finden. Nicht erfolgt ist auch der Umbau des Newsfeeds auf eine primär auf Videos fokussierte Plattform. 2014 versprach man auch die Einführung einer Funktion für anonymen Logins, der bis heute nicht möglich ist.

    Zudem, so merkt man bei "Wired" an, fehlt bei Zuckerbergs Ankündigungen ein zentrales Thema. Er verrät nichts darüber, wie Facebook künftig Userdaten für Werbung verwenden und den Zugriff auf diese Daten regeln möchte. Dabei stellt sich diese Frage gerade im Hinblick auf die Cambridge-Analytica-Affäre.

    Zweifel an Zuckerbergs Wandel

    Überhaupt wird angezweifelt, wie ernst es dem Facebook-CEO ist mit der Verbesserung der Privatsphäre. Berühmt ist nach wie vor eine Unterhaltung zwischen Zuckerberg und einem Freund kurz nach dem Start von Facebook. Zuckerberg prahlte damit, E-Mail-Adressen, Bilder und Adressen von 4.000 Leuten an der Universität Harvard zu haben, und kommentierte das mit "Sie 'vertrauen' mir. Diese dummen Idioten."

    Auch andere Aussagen zeigen, dass er zumindest in den Anfangsjahren nicht viel für Privatsphärebedürfnisse übrig hatte. Seitdem beteuerte er auch aufgrund öffentlichen Drucks zunehmend, wie bedeutend der Schutz von Nutzerdaten für Facebook sei, wie eine Auflistung von Zitaten von 2003 bis 2018 bei CNBC zeigt.

    Dementsprechend skeptisch nehmen einige Beobachter den angekündigten Sinneswandel auf. "Wie lange glaubt er das schon persönlich?", fragt sich etwa der Tech-Journalist Walt Mossberg. "Seit einer Stunde? Seit einem Tag?" (gpi, 7.3.2019)

    • Einige Beobachter wollen Zuckerbergs Ankündigungen nicht so recht glauben.
      foto: afp

      Einige Beobachter wollen Zuckerbergs Ankündigungen nicht so recht glauben.

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