Chinas Konjunkturpolitik: Kontern, nicht nachmachen

Kommentar6. März 2019, 17:56
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Ein globaler Schlagabtausch zwischen staatsnahen Megakonzernen verheißt nichts Gutes

Chinas Wirtschaft soll so langsam wachsen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr: Zerknirscht verkündete Premier Li Keqiang die gebremsten Erwartungen. Die geringere Dynamik ist aber nicht das, was der Staatsführung die größten Sorgen bereitet. Wie so oft ist es das, was Li nicht explizit erwähnte: wie die Welt auf die Strategie Made in China 2025 reagiert.

Vorbei sind die Zeiten, als die USA, Japan und Europa im Aufstieg Chinas vor allem eine Chance für eigene Unternehmen sahen, eine verlängerte Werkbank aufzustellen. Peking setzt aber verstärkt auf die Entwicklung nationaler Hightech-Industrien gegen die etablierte Konkurrenz.

Diese wehrt sich mit den falschen Mitteln: Donald Trump zettelte einen kostspieligen Handelsstreit an. In Europa versucht man gar, China nachzumachen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief zu bevorzugter staatlicher Behandlung europäischer Konzerne auf; zuvor hat er Deutschland von einer Fusion von Siemens und Alstom zu einem europäischen Champion überzeugt – erst Brüssel stoppte das Vorhaben.

Ein globaler Schlagabtausch zwischen staatsnahen Megakonzernen verheißt nichts Gutes. Schon heute hat China viele hochverschuldete Zombiekonzerne, ohne Innovationskraft. Auf dieses Spiel sollte sich Europa nicht einlassen. Ein besserer Konter wäre ein koordiniertes Vorgehen mit den USA gegen Pekings Subventionswut. (Leopold Stefan, 6.3.2019)

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