Künftige Klinik Floridsdorf wird als KH Nord eröffnet

    6. März 2019, 17:00
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    Im September geht das Spital in Vollbetrieb. Nur vier Monate später erfolgt die Umbenennung. Dann müssen auch neue Schilder mit altem Namen verschwinden

    Wien – Was haben die Namen "Skylink" und "Krankenhaus Nord" gemeinsam? Sie standen aus ähnlichen Gründen über einen längeren Zeitraum in den Schlagzeilen – die durchwegs negativ waren. Wie die Bezeichnung "Skylink" soll aber auch der Begriff "Krankenhaus Nord" getilgt werden.

    Zur Erinnerung: Skylink war der Projektname für den heutigen Terminal 3 beim Flughafen Wien. Er wurde zum Synonym für Kostenexplosion, Fehlplanung, Baustopp und millionenschweres Missmanagement. Das Krankenhaus Nord in Wien-Floridsdorf wird nach massiven Zeitverzögerungen ebenfalls deutlich teurer als geplant: 2010 wurde noch mit Kosten von rund 825 Millionen Euro gerechnet. Derzeit geht der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) von Kosten in Höhe von 1,34 Milliarden Euro aus.

    Belasteter Name wird eliminiert

    Dass die Stadt Wien sowie der KAV den belasteten Namen auslöschen wollen, ist politisch verständlich: Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gab am Dienstag noch während der laufenden U-Kommission bekannt, dass das KH Nord, mit dem auch eine Affäre um die Beauftragung eines Energierings um 95.000 Euro verbunden ist, ab 1. Jänner 2020 unter dem Namen Klinik Floridsdorf firmieren wird.

    Das Skurrile an der Entscheidung: Das KH Nord wird noch heuer unter dem Namen KH Nord eröffnet, wie der KAV am Mittwoch dem STANDARD bestätigte. Und: Auf einigen Schildern vor und im Gebäude im 21. Bezirk prangt das bereits bekannte grüne Logo mit dem Schriftzug "Krankenhaus Nord". Davon können sich auch Besucher des "Tages der offenen Tür" überzeugen, der noch im April stattfinden soll.

    Das Logo findet sich auch auf der Homepage des Spitals, beim KAV und in offiziellen Aussendungen. Die Ausradierung des Namens nur vier Monate nach der geplanten Vollinbetriebnahme des Spitals im September ist also mit weiteren Kosten verbunden.

    Alle Spitäler und Pflegeheime werden umbenannt

    Diese machen freilich nur einen Teil jener Summe aus, die der KAV für die angekündigte Umbenennung aller Krankenhäuser und Pflegeheime des städtischen Spitalsträgers einplanen muss. Sie heißen ab Anfang 2020 wie berichtet einheitlich Klinik (oder Pflege) -plus Bezirks- oder Grätzelname. Die Stadt rechtfertigt sich, dass damit auch historisch gewachsene Namen vereinfacht werden: Das "Sozialmedizinische Zentrum Süd – Kaiser-Franz-Josef-Spital mit Gottfried v. Preyer'schem Kinderspital" firmiert künftig unter "Klinik Favoriten". Einzig das AKH wird seinen Namen behalten.

    "Können noch keine Zahlen nennen"

    Der KAV selbst wird, obwohl er ab 2020 eigentlich in "Wien Kliniken" umbenannt werden hätte sollen, künftig "Wiener Gesundheitsverbund" (WiGev) heißen. Die Kosten für die Namensfindung für "Wien Kliniken" betrugen laut KAV – noch ohne Logo – 15.000 Euro. Diesmal wird für den neuen Namen auch ein Corporate Design gesucht. Was die gesamten Umtaufungen kosten werden, ist noch nicht bekannt. "Wir können noch keine Zahlen nennen", sagte eine KAV-Sprecherin.

    Neue Rechtsform für Spitalsträger

    Die FPÖ bezeichnete die Umbenennungen als Etikettenschwindel. "Wenn ich einen Hundehaufen "Faschingskrapfen" nenne, schmeckt er deswegen noch lange nicht nach Marmelade", zeigte sich Mandatar Wolfgang Seidl nicht zimperlich in der Wortwahl. Er forderte eine "Neuorganisation unter neuem Management".

    Der KAV wird bis Anfang 2020 in eine Anstalt öffentlichen Rechts umgewandelt. Mit der neuen Rechtsform soll die künftige Führung des Spitalsträgers weitgehende Personal- und Finanzhoheit erlangen. Die Umwandlung hätte ursprünglich bis Anfang 2019 abgeschlossen sein sollen. Hacker entschloss sich aber nach seiner Amtsübernahme, den Termin zu verschieben. Details zur Ausgestaltung des neuen Gesetzes sollen im ersten Halbjahr 2019 verkündet werden. (David Krutzler, 6.3.2019)

    • Das Logo des Spitals – hier rechts oben auf einem neuen Schild vor dem Gebäude – muss bald wieder weg. Die Kosten der Umbenennung aller KAV-Spitäler und -Pflegehäuser sind noch unklar.
      foto: apa / hans klaus techt

      Das Logo des Spitals – hier rechts oben auf einem neuen Schild vor dem Gebäude – muss bald wieder weg. Die Kosten der Umbenennung aller KAV-Spitäler und -Pflegehäuser sind noch unklar.

    • Die neuen Namen der städtischen Spitäler und Pflegeeinrichtungen ab 1. Jänner 2020.
      grafik: apa

      Die neuen Namen der städtischen Spitäler und Pflegeeinrichtungen ab 1. Jänner 2020.

    • Der Vollbetrieb des KH Nord startet im September.
      grafik: apa

      Der Vollbetrieb des KH Nord startet im September.

    • Im Juni werden die ersten Patienten aufgenommen.
      grafik: apa

      Im Juni werden die ersten Patienten aufgenommen.

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