Zentraler Wiener Fernbusterminal entsteht in der Leopoldstadt

    6. März 2019, 15:20
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    Der Standort steht fest: Die Leopoldstadt muss für das 70 Millionen Euro teure Großprojekt die Sport-&-Fun-Halle aufgeben. Einen neuen Platz für die Freizeithalle gibt es noch nicht

    Fünf Millionen Fahrgäste sind im Jahr 2018 per Fernbus an verschiedenen Haltestellen in Wien angekommen oder abgefahren. Künftig sollen die 200.000 jährlichen An- und Abfahrten der Busse an einem zentralen Terminal in der Leopoldstadt gebündelt werden. Der neue Busbahnhof soll in nächster Nähe zum Ferry-Dusika-Stadion und dem Einkaufszentrum Stadion-Center errichtet werden. Für das Großprojekt muss die bestehende Sport-&-Fun-Halle weichen. Ein neuer Standort dafür werde rechtzeitig gefunden, beteuerte Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Genauere Pläne dahingehend, wo die Sportler künftig trainieren sollen, gebe es aber noch keine.

    Eine Metropole wie Wien brauche auch einen Busterminal, von dem aus die Reisenden über möglichst kurze Distanzen in die Stadt weiterfahren können, erklärte Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) am Mittwoch. Der Busbahnhof soll die derzeitige Situation, in der die Fernbuslinien "teils am Gehsteig" halten, für alle – Touristen und Anwohner – deutlich verbessern. Der Standort im zweiten Bezirk liegt nur wenige Gehminuten von der U-Bahn-Station Stadion entfernt. Innerhalb von sieben Minuten ist man von dort aus mit der U2 am Schottenring. Zudem sind Bike- und Carsharing-Stationen in der Nähe der Busstation geplant.

    Minimale Verkehrsbelastung

    Die Zufahrt zum Terminal wird laut Vassilakou von der Südosttangente (A23) über den Handelskai führen. So soll die Verkehrsbelastung für die Anwohner gering gehalten werden, versicherte die Verkehrsstadträtin und meinte: "Mein Part ist erledigt." Vassilakou, die im Juli den Posten an ihre Nachfolgerin Birgit Hebein übergeben wird, habe den Busterminal noch auf der Liste an Projekten gehabt, die sie bis zum Ende ihrer Amtszeit auf den Weg bringen wollte. Die Standortentscheidung sieht Vassilakou als "Weichenstellung". Hebein versicherte am Mittwoch, dass auch sie "zu 100 Prozent" hinter dem Projekt stehe.

    Die nächsten Schritte stehen bis jetzt erst in den Grundzügen fest. Eine entsprechende Projektgesellschaft – die WH Fernbus-Terminal-Projektentwicklung GmbH – befindet sich bereits in Gründung. Als Tochter der Wien Holding soll sie das Projekt vorbereiten und dafür sorgen, dass es rasch realisiert wird. Anschließend wird das Planungs- und Widmungsverfahren durchgeführt, und der Bau kann beginnen. Wann genau der Spatenstich stattfindet, ist noch nicht klar. Der erste Bus soll in etwa fünf Jahren den neuen Terminal anfahren.

    Ab dann herrscht ein ständiges An- und Abfahren. Hanke rechnet mit rund 200 Fahrzeugen, die pro Tag am Terminal verkehren werden. Für diese sollen 36 Halteplätze entstehen. Das Gebäude selbst soll zweistöckig werden. Eine bauliche Anbindung an das Stadion-Center steht noch im Raum. Für den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) soll der neue Ankunftsort auch eine "Visitenkarte" für die Stadt sein. Wie viel diese die Stadt kosten wird, ist noch unklar. International vergleichbare Projekte hätten laut Hanke mit rund 70 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

    Bezirk an Bord

    Der Standort für einen zentralen Busbahnhof wird bereits seit Jahren diskutiert. Eine Studie benannte ursprünglich den Verteilerkreis in Favoriten als optimale Lösung. Dagegen legte sich jedoch der Bezirk quer.

    Im Zweiten freut man sich hingegen über den Busbahnhof. In den vergangenen Wochen habe es "intensive Gespräche" zum Standort am Handelskai gegeben, reagierte die Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt Uschi Lichtenegger (Grüne) in einer Aussendung.

    Mehr Grün

    Derzeit werden die Fernbusse an unterschiedlichen Standorten abgewickelt. Neben den 50 Prozent, die den Terminal VIB in Erdberg anfahren, und den 20 Prozent, die am Hauptbahnhof abgefertigt werden, verkehren schon jetzt 20 Prozent in der Nähe des Stadion-Centers. Darauf, dass die Zu- und die Abfahrt zum neuen Busterminal ausschließlich über Tangente und Handelskai erfolgt und nicht in das Wohngebiet führt, will der Bezirk "sehr genau achten".

    Umliegende Grün- und Freiflächen will Lichtenegger erhalten und aufwerten. "Nicht nur Reisende sollen diesen hohen Qualitätsstandard haben, sondern auch die Bewohner der Leopoldstadt."

    Dass der Busbahnhof ein Abtausch innerhalb der rot-grünen Stadtregierung mit der geplanten Umgestaltung der Praterstraße sei, verneinte Hebein. (Oona Kroisleitner, 6.3.2019)

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      grafik: apa
    • Busse wie dieser sollen künftig in der Leopodstadt landen.
      foto: christian fischer

      Busse wie dieser sollen künftig in der Leopodstadt landen.

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