Viele Wiener Betriebe nicht auf Stromausfall vorbereitet

    6. März 2019, 14:04
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    Zwei Drittel der Unternehmen sind für einen Blackout nicht gerüstet, zeigt eine Umfrage. Die wirtschaftlichen Folgen wären enorm

    Wien – Vor zwei Wochen hat ein Stromausfall den Berliner Stadtteil Köpenick 30 Stunden lang lahmgelegt. Sollte Ähnliches in Wien passieren, würden wohl viele Betriebe vor großen Problemen stehen. Denn zwei Drittel der Unternehmen sind auf einen möglichen "Blackout" nicht vorbereitet, ergab eine Umfrage der Wirtschaftskammer Wien (WKW). Damit sich das ändert, wird nun eine Aufklärungskampagne gestartet.

    "Wir wollen Sensibilisierung und keine Panikmache", versicherte Stefan Ehrlich-Adam, Industrie-Spartenobmann in der WKW, am Mittwoch vor Journalisten. Österreich zähle in Sachen Versorgungssicherheit zur Weltspitze. Durchschnittlich sind Stromkunden rund 25 Minuten pro Jahr von einem Ausfall betroffen. "Nichtsdestotrotz darf man die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnte Ehrlich-Adam.

    Milliardenschaden

    Denn die wirtschaftlichen Folgen eines längeren Blackouts wären enorm. Würde es an einem Wochentag ab 9.00 Uhr im ganzen Land für 24 Stunden "finster" werden, läge der volkswirtschaftliche Schaden bei 1,2 Milliarden Euro. Die Bundeshauptstadt wäre mit 250 Millionen Euro übermäßig betroffen. Und für den einzelnen Betrieb könne ein längerer Stromausfall existenzbedrohend sein, ergänzte Peter Weinelt, stellvertretender Generaldirektor bei den Wiener Stadtwerken. Nicht nur ein Stillstand der Produktion, auch Datenverluste durch zu geringe IT-Sicherheit oder ein Ausfall der Kommunikationssysteme könnten erhebliche Auswirkungen haben.

    Das Problembewusstsein bei den Wiener Unternehmen dürfte allerdings nicht sehr hoch sein. Denn obwohl bereits 77 Prozent der befragten Betriebe schon einmal von einem Blackout betroffen waren, gaben gleichzeitig zwei Drittel an, keinerlei Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen zu haben.

    Krisenplan

    Die Kammer startet deshalb eine Kampagne. Ein Erklärvideo ist ab sofort online abrufbar, zusätzlich wurde eine Infobroschüre inklusive Checkliste aufgelegt. Wichtig sei es für Unternehmen, einen Krisenplan zu entwickeln, hieß es.

    "Das Beispiel Berlin zeigt: Man ist nirgends sicher", sagte Weinelt. Deutschland zähle nämlich ebenfalls zu den Spitzenreitern bei der Versorgungssicherheit. Und da Österreich in das europäische Energienetz eingebettet sei, könne ein Ausfall anderswo auch hierzulande Folgen haben, ergänzte Ehrlich-Adam.

    Neben technischen Fehlern bzw. Schäden an der Infrastruktur sind auch Cyberangriffe oder der Klimawandel Gefahrenquellen für die Versorgung. So führten etwa lange Trockenperioden zu niedrigen Wasserständen und entsprechenden Auswirkungen für Wasserkraftwerke. Dadurch entstünden Netzschwankungen, die mit thermischen Kraftwerken ausgeglichen werden müssen. Weinelt plädierte hier für mehr Investitionen, um die Stromstabilität auch künftig gewährleisten zu können. Denn immerhin seien die ältesten Kraftwerke inzwischen 50 Jahre alt und damit eigentlich am Ende ihrer Lebensdauer. (6.3.2019, APA)

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