Ein Paar fragen: Was macht ihr heute?

    Ansichtssache11. März 2019, 14:48
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    Seit 2013 bitten wir Paare, kurz und knackig von ihrer Beziehung zu erzählen. Bei vielen von ihnen dauert das Glück noch an. Also fragten wir etwas ausführlicher nach, was in der Zwischenzeit geschehen ist und was die Zukunft für sie bringt

    foto: christian benesch

    Elisabeth und Burak

    Als wir Elisabeth und Burak im Mai 2016 in der Wiener Lugner City vor einer bunten Hüpfburg fotografierten, wollten wir sie aufheitern. Doch die beiden machten auch so Scherze über ihren schweren Motorradunfall, dessen Folgen Elisabeth auf dem Bild anzusehen sind. Fünf Operationen hat sie seither hinter sich gebracht, die letzte und schwierigste vor wenigen Tagen. "Jetzt hat das einmal ein Ende, ich bin guter Dinge, dass ich bald wieder ganz gesund sein werde", sagt sie drei Jahre später.

    Seit fünf Jahren sind die beiden ein Paar, der Unfall hat ihre Beziehung immer wieder auf harte Proben gestellt. Er hat sie aber auch zusammengeschweißt. Burak schätzt bis heute Elisabeths enorme Geduld. Die müsse vor allem sie als Patientin aufbringen und nicht er, wenn er ihr im Alltag und im gemeinsamen Haushalt hilft. "Ich bin so dankbar", sagt Elisabeth, "dass mich Burak tagein, tagaus unterstützt." (saum)

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    foto: christian benesch

    Peter und Erich

    Auf dem Foto auf der Arenawiese im Wiener Prater sind Peter (in der Hocke) und Erich (in Flipflops) noch nicht verpartnert. Denn dieses ist vor dem 23. März 2018 entstanden. Am Standesamt war Hündin Boris zwar nicht dabei, bei der Hochzeitsfeier danach selbstredend schon.

    Hat Fotograf Christian Benesch die drei im Juni 2017 auf frischer Tat ertappt? Ein wenig kompromittierend wirkt es schon, das Foto vor dem Schild mit der Aufschrift "Hundeverbot", wie einige Leser der Kolumne damals anmerkten. "Nein, wir stehen ja vor dem Schild. Ein paar Meter weiter fängt auch gleich die Hundezone an", erklärt Peter.

    Die gemeinsame Wohnung des Paares, in der sie auch heute, nach sechs Jahren Beziehung und einem knappen Jahr Verpartnerung, wohnen, liegt ganz in der Nähe dieses Schilds. Da bietet sich ein schneller Sprung in den Prater bei jedem Wetter an. (niw)

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    foto: christian benesch

    Astrid und Melvin

    Finnick, Astrids und Melvins Sohn, war erst wenige Wochen alt, als dieses Bild auf einem Wiener Weihnachtsmarkt entstand. Die beiden kamen gerade vom Auspacken der Umzugskisten in ihrer ersten gemeinsamen Wohnung. "Wir sind schon wieder umgezogen", sagt Astrid, "Finnick ist jetzt zweieinhalb Jahre alt und braucht ein eigenes Zimmer.

    Der nächste große Schritt ist bereits geplant, die beiden wollen heiraten. Weil Melvin aus Kanada kommt und Astrid aus Österreich, soll die Hochzeit quasi auf halbem Weg in Irland stattfinden. "Auf einem lässigen Campingplatz. Unsere Gäste werden in Vintage-Wohnwägen und mongolischen Jurten übernachten", erzählt Astrid.

    Melvins Aufenthaltsgenehmigung in Österreich wird 2021 auslaufen. "Na und", haben sich die beiden gesagt, "dann gehen wir halt nach Kanada." Dort haben sie sich kennengelernt, dort sehen sie ihre Zukunft für die nächsten paar Jahre. (saum)

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    foto: christian benesch

    Elai und Lunem

    Zwei Jahre ist es her, seit Elai (mit rosa Haaren) und Lunem (mit gelben Haaren) im Wiener Stadtpark Lunems 20. Geburtstag gefeiert haben. An einem Juninachmittag, mit Ballons und Freunden.

    "Nach dem Foto sind wir noch ein bisschen sitzen geblieben und haben Torte gegessen", sagt Elai. Mittlerweile wohnen die beiden zusammen, in Ottakring. Und Elai hatte seitdem mehr als 100 Haarfarben. Aktuell trägt er einen schwarzen Stirnfransen-Look. Das könne man leicht anhand eines Blicks auf seinen Instagram-Account "elaimenai" überprüfen, so der ehemalige Rosaschopf.

    Im Stadtpark treffen sich die beiden immer noch gerne. "Es ist gemütlich und für alle gut erreichbar." Lange wird es also nicht mehr dauern, bis man Elai und Lunem wieder im Grünen antrifft. Außer sie sind auf einer Reise quer durch Europa – so wie letzten Sommer. (niw)

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    foto: christian benesch

    Adolf und Elfriede

    Adolf und Elfriede haben sich schon ein bisschen vor dem ersten RONDO-Andruck kennen- und lieben gelernt. 46 Jahre sind sie verheiratet. Die 47-jährige Tochter lebt in Frankreich, der Sohn mit 50 Jahren in der Seestadt. Einen kleinen Nachzügler gibt es in der Familie: Hund Joopie, der wird im Juli vier. Beim Tierschutz haben sie ihn gefunden.

    Drei- bis viermal am Tag spazieren die drei los. Wie damals, im September 2016, als dieses Bild auf dem Gaswerksteg entstand. Manchmal bereitet Elfriede dem Nachzügler sein Lieblingsfressen zu: hausgemachte Knödel aus faschiertem Huhn und Kalb. Immer gibt es die natürlich nicht, aber wenn, dann freut sich der Joopie. Und Elfriede und Adolf mit ihm. Fressen tut er schon gerne. Aber er liegt auch gerne auf seinem Platzerl auf der Couch. "Ja, schlecht geht es dem Joopie nicht", sagt Elfriede. "Er ist aber auch ein braver Bua und hält uns fit." (niw)

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    foto: christian benesch

    Sebastian und Marlena

    Bei einem "Pro-Europa-Treffen" im April 2017 lernten wir Sebastian und Marlena kennen. "Wir gingen damals hin, weil schlechte Stimmung gegen Europa gemacht wurde. Das hat uns irritiert", sagt Sebastian.

    Zum ersten Mal begegnet sind sie einander vor viereinhalb Jahre auf einer Studentenparty. Sebastian arbeitet gerade an seiner Physik-Dissertation und sucht dafür nach "Unbekannten in astronomischen Daten". Marlena strebt das Lehramt für Deutsch und Geografie an. Vor zwei Jahren sagte sie über Sebastian, er sei sehr rational. Mittlerweile habe er aber an Kreativität dazugewonnen. Er braucht sie gerade bei der Suche nach einer gemeinsamen Wohnung, die zwar größer, aber nicht zu teuer sein soll.

    Wenige Wochen vor den Europawahlen traut sich Sebastian keine Einschätzung über den Ausgang zu. Er hofft allerdings noch immer, dass der Brexit so nie stattfinden wird. (saum)

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    foto: christian benesch

    Stefanie und Franz

    In der gesamten Geschichte von "Ein Paar fragen" gab es nur wenige, die so schwer für einen Plausch zu erreichen waren wie Stefanie und Franz, beide im Ruhestand. Das Gespräch fand 2016 zwischen zwei Reisen statt, die nächsten sind schon geplant: Reichenau, Lignano, Portofino.

    Über ihre 40-jährige Berufstätigkeit sagt Stefanie: "Ich hatte eine Arbeit, aber keinen Stress." Sie habe heute nicht das Gefühl, Verpasstes nachholen zu müssen, sondern meint nur: "Wir genießen weiterhin jede Minute miteinander." Das nimmt man ihr ab. Beide scheinen auch deshalb nicht das Bedürfnis zu haben, anderen von ihrem Glück zu erzählen. Kostet ja wertvolle Minuten.

    Was sich die beiden wünschen, wenn sie bald 20 Jahre ein Paar sind? "Es soll bitte alles so bleiben, wie es ist." Zum Beispiel, dass Franz Stefanie jeden Tag vor dem Einschlafen sagt: "War das ein schöner Tag." (niw)

    (RONDO, 11.3.2019)

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    foto: der standard/montage: magdalena rawicka

    Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Jubiläumsausgabe 20 Jahre RONDO.

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