Herzrhythmus könnte Sepsis vorhersagen

    6. März 2019, 10:12
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    Der Rhythmus des Herzens könnte ein Prognosemarker für eine Sepsis sein. Grazer Experten untersuchen die molekulare Grundlagen

    Die Sepsis ist eine schwere Komplikation von Infektionserkrankungen und kann zum totalen Organversagen führen. Ausgelöst wird sie von Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten. Besonders in der Intensivmedizin besteht die Gefahr, dass Patienten durch invasive, lebenserhaltende Maßnahmen mit multiresistenten Keimen in Berührung kommen. Auch bei maximaler Therapie verstirbt im Durchschnitt ein Drittel der Betroffenen.

    Der frühestmögliche Therapiebeginn ist daher entscheidend für den Therapieerfolg. Einen Ansatz dafür liefert Susanne Scherübel. Sie forscht an der Med-Uni Graz dazu, welche molekularen Mechanismen dazu beitragen, dass es unter septischen Bedingungen zu einer Reduktion der Variabilität der Herzrate kommt.

    In den vergangenen Jahren wurde das Monitoring der Herzratenvariabilität (HRV) – also die zeitliche Variabilität zwischen Herzschlägen – als prognostischer Marker vorgeschlagen, um septische Vorgänge rasch zu detektieren und therapieren zu können. "Denn im septischen Zustand ist die Herzratenvariabilität stark eingeschränkt", so Scherübel. Ziel ihrer Forschungsarbeit ist, die Etablierung der HRV als Prognosemarker bei Sepsis voranzutreiben.

    Mechanismen unbekannt

    "Bisher sind die molekularen Mechanismen, welche die Reduktion der HRV bedingen, weitgehend unbekannt", beschreibt Scherübel den aktuellen Stand der Forschung. Daher wird intensiv an der Entschlüsselung dieses Phänomens geforscht.

    Der Herzschlag des Menschen wird durch einen Impuls des Sinusknoten, dem primären Schrittmacherzentrum des Herzens generiert, durch das autonome Nervensystem moduliert und dadurch den momentanen Erfordernissen des Organismus angepasst. "Ein gewisser Anteil der HRV wird durch zelluläre Vorgänge im Sinusknoten selbst bedingt und ist somit intrinsischer Natur", so die Wissenschafterin. "Dies legt die Vermutung nahe", so Scherübel, "dass die HRV-Reduktion während einer Sepsis zu einem gewissen Grad durch Veränderungen im Schrittmacherprozess bedingt sein könnte, oder von einer veränderten Empfindlichkeit der Sinusknotenzellen gegenüber Impulsen des autonomen Nervensystems ausgelöst wird."

    Gemeinsam mit Kollegen will Scherübel untersuchen, inwieweit der Schrittmacherprozess im Herzen durch septische Vorgänge beeinflusst wird und somit zur Senkung der HRV beiträgt. "Im Mausmodell isolieren wir für unsere Untersuchung Schrittmachergewebe und -zellen, die unter septischen Bedingungen untersucht werden. Dabei kommen experimentelle wie elektrophysiologische, molekularbiologische und Imaging Methoden zum Einsatz, aber auch mathematische Methoden zur Auswertung der Variabilität", so Scherübel. (red, 6.3.2019)

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