Konrad, 7: "In 20 Jahren bin ich schon sechs Jahre U-Bahn-Fahrer"

    8. März 2019, 07:00
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    Konrad möchte unbedingt U-Bahn-Fahrer werden. Wie er sich das so vorstellt und was ihn daran fasziniert, hat er Markus Böhm erzählt

    Das RONDO fragt anlässlich seines 20. Geburtstags fünf Kinder von Redaktionsmitgliedern nach ihrem Berufswunsch und wie sie sich ihr Leben mit 20 vorstellen. Die Liste reicht von Lego-Designer über Psychologin bis hin zum Präsidenten der EU-Kommission.


    Wenn Konrad über sein Lieblingsthema, die Wiener Öffis, spricht, dann ist er voll Begeisterung bei der Sache. Das sei, so versichern seine Tante ebenso wie seine Mama, schon immer so gewesen – also soweit sich das bei einem Siebenjährigen eben sagen lässt. Er selbst erzählt gerne die Anekdote, wie er seinen Opa, mütterlicherseits, durch die Großstadt lotste.

    "Der kommt nämlich vom Land, aus Vorarlberg, und kennt sich in Wien nicht so aus", erklärt Konrad mit der nur Kindern eigenen, vollkommen unironischen Ernsthaftigkeit. Dann habe er dem Opa eben kurzerhand erklärt, wie er von A nach B komme und welche U-Bahn, Bus oder Bim er nehmen müsse und wo er in welche Linie umzusteigen habe, um sein Ziel zu erreichen.

    foto: paul kranzler
    Der meint es ernst: Konrad zu Besuch bei seinem zukünftigen Wunscharbeitgeber, den Wiener Linien.

    Wir machen die Probe aufs Exempel: Wie kommst du von deiner Wohnung zu deiner Tante Helga in den dritten Bezirk? Konrad lehnt sich im Sessel zurück, überlegt kurz und nennt die Anreisemöglichkeiten. Okay, und wie kommst du zu deiner Oma nach Vösendorf? "Das ist leicht, da gibt's eigentlich nur die Badner Bahn ... obwohl den Badner-Bahn-Bus, den gibt's auch." Stimmt. Konrad lächelt zufrieden.

    Erbliche Vorbelastung

    So sorgte der Bub mit seinem Faible früh für einiges Aufsehen in der Familie. Allerdings wunderte es fürderhin auch niemanden, dass er sich in ein paar Jahren als Mitarbeiter der Wiener Linien sieht. Am wenigsten erstaunte das wohl seinen anderen Opa, also den väterlicherseits. Denn der war selbst einst Busfahrer in Wien und lenkte den 13A durch die Stadt. Es scheint also eine gewisse erbliche Vorbelastung zu bestehen.

    Doch einen Bus zu lenken, sagt Konrad, das interessiere ihn gar nicht so sehr: "Ich möchte U-Bahn-Fahrer werden!" Am Tag der offenen Tür der Wiener Linien hat er die Gelegenheit beim Schopf gepackt, um sich seinen zukünftigen Traumarbeitsplatz genauer anzusehen: Er durfte in den Führerstand und eine U-Bahn lenken – zwar nur im Simulator, aber dieses Erlebnis bestärkte ihn in seiner Entscheidung.

    Ebenso sein Besuch anlässlich des Fototermins in der "Kommandozentrale" des städtischen Öffi-Anbieters. "Die waren alle urnett zu mir und haben mir gleich alles erklärt, also zum Beispiel, was die ganzen Punkte und Linien auf den Anzeigetafeln bedeuten", erzählt er, um dann zu gestehen: "Aber ich hab mir nicht alles gemerkt."

    foto: paul kranzler

    Gut ausgerechnet

    Dafür hat sich Konrad, Lieblingsfach Mathe, schon alles genau ausgerechnet: Mit 16 Jahren könnte er bei den Wiener Linien anfangen und im Alter von 21 Jahren bereits eine U-Bahn fahren. "Am liebsten die neue U5. Die sollte dann auch schon fertiggebaut sein", erklärt der aufgeweckte Volksschüler. Busse dürfte man zwar schon mit 18 Jahren lenken, aber er würde gerne die drei Jahre länger warten. "Das macht mir nix aus."

    Den Hinweis, dass es in Zukunft wohl vermehrt autonom fahrende U-Bahn-Züge geben wird, kontert er mit zwingender Logik: "Das hab ich auch schon gehört", schildert er, "und auch gleich nachgefragt beim Fototermin: Bis dahin vergehen mindestens noch zwanzig Jahre, hat man mir gesagt."

    foto: paul kranzler

    So lange werde es bestimmt noch dauern, bis man alle Züge, Stationen etc. auf diese Technologie umgerüstet hätte. Wieder rechnet der Bub vor: "In zwanzig Jahren bin ich 27 Jahre alt, mit 21 Jahren darf ich U-Bahn fahren, das heißt, ich bin dann schon sechs Jahre mit einer U-Bahn gefahren!"

    Und wenn's mit der U5 nix wird? Welche andere Linie würdest du dir aussuchen? Auch da muss Konrad nicht lange überlegen: "Die U1." Warum? "Weil die ist gleich bei uns ums Eck, am Hauptbahnhof, da kann ich zu Fuß hingehen", kommt es zur Antwort. Das ist natürlich doppelt praktisch, wenn man mit seinem Arbeitsplatz quasi auch gleich vor die eigene Haustür fahren kann. (Markus Böhm, RONDO, 8.3.2019)

    Konrad ist der Neffe von RONDO-Redaktionsassistentin Helga Gartner.

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    foto: der standard/montage: magdalena rawicka
    Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Jubiläumsausgabe 20 Jahre RONDO.
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