Schachingers "Daneben gehen": Schweigen ist Gold, Ficken geht auch

    6. März 2019, 15:00
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    Die Datingplattform Ohlala beruht auf dem erfolgreichen Konzept der Umkehrung traditioneller Prostitution

    Die Erkenntnis, dass man für alles im Leben einmal bezahlen muss, sollte einen nicht unbedingt erst am Ende seiner Existenz treffen. Im Restaurant geht das ohnehin schon wesentlich früher. Das Schicksal ist diesbezüglich im Zugzwang. Überhaupt wurden in den letzten Jahrzehnten dank knapper werdender Ressourcen bei gleichzeitig wachsender Gier alle Bereiche des menschlichen Lebens durchökonomisiert. Nun ist also auch die Liebe dran.

    Gemeint ist jetzt nicht die Liebe eines Hunderl zum Herrn oder eines Kindes zur Mutter oder die Liebe zur Monadenlehre von Gottfried Wilhelm Leibniz, zu Schalensitzen, Strickbatiken und doppelten Auspuffrohren oder Lachyoga. Die Rede ist von körperlichem Sex. Alt, aber gut.

    Währungen der Ehe

    Kritische Geister haben zwar diesbezüglich schon immer angemerkt, dass eine Ehe sozusagen als, rein wirtschaftlich gesehen, vernünftigste Form des Zusammenlebens zu betrachten ist. Diese bezahlt man sowohl in den weichen Währungen Schöntuen, Zuhören und Heimpflege als auch – solange es einen juckt – mit harter Münze auf der Matratze.

    Für eine eilige Kundschaft ohne Bindungsbestreben und Sehnsucht nach einer Zigarette danach gibt es nun seit gut zwei Jahren auch die für einvernehmliche Kurzzeitehen angedachte Taschentelefonapplikation Ohlala.

    Wahrer Lohn für wahre Arbeit

    Die von Pia Poppenreiter gegründete Datingplattform beruht auf dem erfolgreichen Konzept der Umkehrung traditioneller Prostitution. Nicht Frauen bieten sich an, sondern Männer mit echten Fotos und Telefonnummern äußern ihre mit einem finanziellen Angebot verknüpften sexuellen Wünsche für ein Treffen am selben Tag. Ja, auch Reden ist möglich. Interessierte Frauen melden sich und nennen ihren Preis. Wahre Arbeit, wahrer Lohn.

    Das ist nicht nur ein total cooles Lifestyletool. Mit dem kann man auch die Ökonomie des Begehrens endlich ohne Scham dem freien Markt und damit den potentesten Kunden zuschanzen – was ungefähr den Richtlinien der derzeitigen Regierung entsprechen dürfte, also voll okay geht. Es fehlt noch ein Bewertungssystem wie bei Uber, sonst wäre Ohlala nachgerade perfekt. Endlich ausgetindert. Nicht nur Schweigen ist Gold. Ficken geht auch. (Christian Schachinger, 6.3.2019)

    • Reden ist auch möglich.
      foto: apa/getty images/istockphoto

      Reden ist auch möglich.

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