Lina, 14: "Ist doch cool, wenn der Mann bei den Kindern ist"

    8. März 2019, 11:19
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    Als Vorbild nennt Lina, 14, Alfred Hitchcock. In 20 Jahren, sagt sie Sascha Aumüller, könnte ihr Mann bei den Kindern sein, während sie als erfolgreiche Regisseurin ihr Ding durchzieht

    Das RONDO fragt anlässlich seines 20. Geburtstags fünf Kinder von Redaktionsmitgliedern nach ihrem Berufswunsch und wie sie sich ihr Leben mit 20 vorstellen. Die Liste reicht von Lego-Designer über Psychologin bis hin zum Präsidenten der EU-Kommission.


    STANDARD: Was beschäftigt dich gerade?

    Lina: Aufnahmeprüfungen. Ich habe mich bei der Grafischen in Wien und an der Ortwein-Schule in Graz beworben, weil ich mich für Film interessiere. Auf der Grafischen beginnt man mit Fotografie, der Entwicklung von Video- und Hörspielen oder Websites. Ich bin mir nicht sicher, was mich da alles erwartet. In Graz, habe ich den Eindruck, steht das Kreative im Vordergrund. Es gibt dort ganze Drehtage.

    STANDARD: Höre ich da einen Berufswunsch heraus?

    Lina: Ich hatte als kleines Kind Phasen: Einmal war es der Wunsch, Kosmetikerin zu werden, einmal, Innenarchitektin. Was sich schon seit der Volksschule durchzieht, ist das Theater. Ich habe mir manchmal die Geschichten der Stücke überlegt und so etwas wie die Regie gemacht. Ich gebe nämlich lieber den Ton an, als zu folgen.

    foto: paul kranzler
    Dinge von Wert soll man angreifen können, meint Lina. Sei es die Kamera, ein Polaroidfoto oder die DVD mit dem Lieblingsfilm.

    STANDARD: Schauspielerin zu sein hat dich nie interessiert?

    Lina: Früher hab ich schon gedacht: Schauspielen, das wär' was! Jetzt weniger. Es ist aber nicht das Blödeste, sich als Regisseur in einen Schauspieler hineinversetzen zu können. Du musst ihm ja sagen können, wie er spielen soll.

    STANDARD: Welcher Regisseur kann das denn besonders gut?

    Lina: Schwer zu sagen, aber der Papa gibt mir gerade viele Filme, und ich schau sie mir an. Ich sage jetzt einfach Hitchcock, das ist mein Lieblingsregisseur.

    foto: paul kranzler

    STANDARD: Warum gerade der?

    Lina: Einer meiner Lieblingsfilme ist Das Fenster zum Hof. Der ist vermutlich vielen in meinem Alter zu langweilig, weil er so langsam ist. Da sitzt dieser Mann am Fenster und beobachtet alles. Dadurch bekommt man kurze Einblicke in das Leben anderer. Ich ziehe für mich den Schluss daraus, dass man die Augen offenhalten soll und den Menschen zusieht, anstatt immer nur aufs Handy zu schauen. Heute muss alles mit speziellen Effekten gespickt sein, damit es gefällt.

    STANDARD: Wenn du in 20 Jahren Regie führst wie Hitchcock, wird das dann noch gefallen?

    Lina: Es kommt darauf an, was einem wichtig ist. Mache ich etwas nur für den Erfolg, oder probiere ich etwas, das für mich Bedeutung hat. Wenn man sein Ding durchzieht, wird das hoffentlich auch in Zukunft erfolgreich sein. Manchen geht es gar nicht darum, möglichst viele Leute zu erreichen.

    STANDARD: Worum geht's dir?

    Lina: Schon um beides. Ich will Regie machen, um eine Geschichte zu erzählen, mit der ich etwas erreichen kann. Man soll sagen: Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich möchte nicht manipulieren, aber etwas verändern.

    STANDARD: Das klingt nach Dokumentarfilmen.

    Lina: Nein, mich reizen eher Geschichten und Spielfilme, über die man ein wenig nachdenken muss, um sie zu verstehen.

    STANDARD: Darüber nachdenken – macht das gute Filme aus?

    Lina: Wenn der Zuseher nach dem Anschauen sagt: Dieser Film ist nicht so wie jeder andere, der hinterlässt etwas, dann passt das. Es kann auch sein, dass man einfach nur sagt: Das hat mich jetzt gut unterhalten, wie ein James-Bond-Film. Aber wirklich besonders ist es, wenn von einem Film oder einer Serie etwas bleibt, das tiefer sitzt.

    STANDARD: Apropos Serie. Nehmen wir an, du hast mit 20 deinen ersten Serienhit geschaffen. Wo wird der zu sehen sein?

    Lina: Wenn ich 20 bin, werde ich gerade studieren. Aber wenn mir einmal etwas Erfolgreiches gelungen ist, bin ich schon zufrieden, wenn das auf Youtube zu sehen ist. Das ist ein erster Schritt. Natürlich wäre es ein Traum, wenn das irgendwann im Kino läuft oder sogar auf Netflix.

    foto: paul kranzler

    STANDARD: Sogar auf Netflix? Bedeutet dir das mehr als Kino?

    Lina: Netflix macht coole Eigenproduktionen, aber Kino hat auch etwas. Früher sind die Leute hingegangen, um die Nachrichten zu sehen. Wenn heute jemand extra dorthin kommt, um sich einen Film anzusehen, hat das einen Wert. Es ist anders, als zu Hause zu sitzen, nur auf einen kleinen Bildschirm und eine Folge nach der anderen zu schauen.

    STANDARD: Wie bewahrst du deinen Lieblingsfilm auf?

    Lina: Ich denke, seinen Lieblingsfilm sollte man auf DVD haben. Daten auf Computern oder auf dem Handy gehen irgendwie unter. Eine DVD kann man angreifen, und ich passe besser drauf auf. Aus diesem Grund mag ich auch Polaroidfotos, weil man einen ganz bestimmten Moment in der Hand hält.

    STANDARD: Im Moment gibt es mehr Regisseure als Regisseurinnen. Warum ist das so?

    Lina: Es ist generell so, dass im Berufsleben keine Gleichberechtigung herrscht. Aber es tut sich etwas. Es gibt mehr Männer, die den Haushalt machen und auf die Kinder schauen, während die Frauen arbeiten. Ich finde es blöd, wenn man wegen des Geschlechts irgendetwas nicht machen darf.

    STANDARD: Wünschst du dir später einen Hausmann oder einen Regisseur als Partner?

    Lina: Wenn jemand in einer Partnerschaft nichts mit deinem Thema anfangen kann, wenn er gar nicht weiß, wovon du redest, ist das schwierig. Man kann ihn nicht dazu zwingen, aber ein bisschen Interesse sollte er zeigen. Ich kann auch nichts mit jemandem anfangen, der eifersüchtig auf eventuelle Erfolge ist. Ist doch cool, wenn der Mann bei den Kindern ist. Vorausgesetzt, das geht sich finanziell aus. (Sascha Aumüller, RONDO, 8.3.2019)

    Lina ist die Tochter von RONDO-Redakteur Michael Hausenblas.

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    foto: der standard/montage: magdalena rawicka
    Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Jubiläumsausgabe "20 Jahre RONDO"
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