Fasten und scheitern: Zwei Tage nur Reis und Suppe

Blog10. März 2019, 14:00
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Aschermittwoch war es soweit – ich habe vor 15 Jahren die erste und letzte Fastenkur gemacht. Nun wollte ich ausprobieren, ob ich es auch jetzt noch schaffe

Je länger ich über Gesundheit nachdenke, umso darwinistischer werde ich. Dann stelle ich mir meistens vor, ich müsste als Selbstversorger leben. Müsste mein Essen im Herbst einlagern und dann bis zum nächsten Frühjahr damit auskommen.

Würde ich also im Kreislauf der Natur leben, dann beginnt jetzt die saure Gurkenzeit. Die Vorräte werden weniger, noch wächst nichts Frisches nach. Wahrscheinlich mussten die Menschen früher um diese Zeit im Jahr sogar wirklich hungern. Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade jetzt die Fastenzeit ist. Die Kirche hat es einfach nur religiös überhöht.

Ich mache also das, was viele derzeit machen: Ich nutze die Gunst der Stunde und nehme mir vor, extrem wenig zu essen. Eine Freundin von mir verzichtet auf Süßes: Sie hat drei Tage Kopfweh, aber dann geht es ihr wirklich gut. "Vor allem die Haut wird schön", sagt sie und freut sich schon drauf. Eine andere Freundin, sehr katholisch, isst bis Ostern kein Fleisch. Und viele meiner Bekannten verzichten auf Alkohol. Aber auch nur bis Ostern.

Auf Reis und Suppe

Ich will aber richtig fasten. Also entscheide ich mich für Gemüsesuppe und Reis. Damit habe ich am Aschermittwoch begonnen. Kein Kaffee in der Früh, sondern lange gekochter Reisschleim, Congee heißt das in der Fachsprache. Reis ohne alles. Mit Soja-Sauce. Zu Mittag Suppe, am Abend auch. Dazwischen Wasser und Kamillentee. Kamillentee mag ich, das würde mich retten, so dachte ich.

Die traurige Wahrheit: Ich habe leider nur zwei Tage durchgehalten. Dann konnte ich nicht mehr. Und das hat vier Gründe: Nichts essen, macht mich total schwach. Ich hatte mir keinen Urlaub genommen und spätestens um drei Uhr nachmittag braucht mein Organismus Zucker – je stressiger, umso dringender. Zweitens: Auch das selbst auferlegte Essensverbot machte mich wahnsinnig. Denn dann wollte ich erst recht irgendetwas in mich hineinstopfen. Egal was.

Und drittens: Fasten ist asozial. Am Donnerstagabend mit Freunden im Gasthaus: Die anderen haben getrunken und gegessen – ich nippte an einem Kamillentee und war hungrig. Mir knurrte der Magen. Da war es soweit, ich bin umgefallen und hab mir einen Hering bestellt.

Fazit: Ich bin nicht der Typ fürs Fasten. Darwinistisch betrachtet wäre ich in früheren Zeiten wahrscheinlich zugrunde gegangen. Das tut mir leid für mich. Ich bin heilfroh, dass die Zeiten der Selbstversorgung Vergangenheit sind sind. (Karin Pollack, 10.3.2019)

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