Offenbar Lieferschwierigkeiten bei L-Dopa

    4. März 2019, 18:32
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    Lieferungen von einem Produzenten ausgefallen – Zweiter Konzern kann nicht mehr ganz liefern

    Wien – Wieder einmal gibt es offenbar Lieferschwierigkeiten bei einem wichtigen Medikament. Nach dem Ausfall eines der beiden Produzenten für L-Dopa-Präparate für Morbus Parkinson-Patienten (Merck, Sharp & Dohme – MSD/USA) ist jetzt der zweite Hersteller (Roche) als Folge der großen Nachfrage in Kapazitätsengpässe geraten. Man versuche alles Mögliche, um die Versorgung zu gewährleisten, teilte Roche mit.

    "MSD hat mitgeteilt, dass sein L-Dopa-Medikament nicht verfügbar ist", erklärte Christoph Baumgärtel von der Medizinmarktaufsicht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Montagnachmittag gegenüber der APA. Für das für Parkinson-Patienten – es gibt von ihnen rund 30.000 in Österreich – enorm wichtige Medikament zur Behandlung der Schüttellähmung sind in Österreich zwei Präparate von Originalherstellern auf dem Markt. Eines davon stammte von MSD, das zweite vom ursprünglichen Erstentwickler Roche (Schweiz). Die Probleme bei dem US-Konzern hatten sich offenbar Ende 2018 eingestellt.

    "Die Patienten wurden auf unser Produkt umgestellt", erklärte man bei Roche Austria am Montag. Doch für den Schweizer Konzern stellte sich schließlich durch die stark gestiegene Nachfrage selbst ein Engpass ein. "Die 100-Milligramm-Stärke (Dosis in Tablettenform; Anm.) ist derzeit nicht mehr erhältlich", sagte Baumgärtel. 50-Milligramm- und 200-Milligramm-Stärken (teilbar) seien aber lieferbar und über die Apotheken erhältlich.

    Von dem Engpass, der ursprünglich durch Lieferunfähigkeit des zweiten Herstellers (MSD) hervorgerufen wurde, dürften demnach einige Tausend Erkrankte in unterschiedlicher Form betroffen sein.

    Generika nicht erhältlich

    Generika für L-Dopa, welches den bei Parkinson-Patienten fehlenden Nervenbotenstoff Dopamin im Rahmen der Therapie ersetzt, sind in Österreich derzeit nicht erhältlich. Die Problematik von Lieferengpässen bei Arzneimitteln wird im Gesundheitswesen seit einigen Jahren immer heftiger diskutiert. Die Lieferausfälle betreffen zumeist Medikamente, deren Herstellung sehr aufwendig ist und die einen sehr niedrigen Preis haben. Bei weltweit in der Folge nur noch wenigen Herstellern kann bei einem Produkt auch der technische Ausfall eines Produzenten schon zur extremen Verknappung der vorhandenen Mengen führen. Eine Antwort auf diese Herausforderungen gibt es noch nicht.

    "Für Roche hat die Wiederherstellung der Lieferfähigkeit allerhöchste Priorität, um die bestmögliche Versorgung der Patienten aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus stehen wir mit den Gesundheitsbehörden, den Großhändlern und Apothekern in engem Kontakt um sicher zu stellen, dass in dieser angespannten Liefersituation die Versorgung der österreichischen Patienten gewährleistet ist. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Lösungen zu finden, welche die Auswirkungen des Lieferengpasses für betroffene Patienten in Grenzen halten", teilte Roche am Montag mit.

    Man sei sich "des Ernstes der Lage bewusst" und wisse um die dringende Notwendigkeit des Medikaments. "Wir möchten Betroffenen daher empfehlen, sich umgehend an ihren behandelnden Arzt zu wenden. Roche steht in engem Austausch mit lokalen Gesundheitsbehörden, Fachärzte-Gesellschaften und Patientenorganisationen, um den Bedürfnissen, die aus der aktuellen Liefersituation alternativer Therapien und den daraus resultierenden Marktgesetzen entstanden sind, gerecht zu werden", hieß es bei dem Konzern weiter. (APA, 4.3.2019)

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