Österreich eröffnet Mahnmal für ermordete Juden in Maly Trostinec

    5. März 2019, 07:00
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    Termin Ende März – Bundeskanzler Sebastian Kurz fährt nach Minsk

    Minsk / Wien – Auf den zehn Stelen, aus denen das Mahnmal für die unter Hitler im weißrussischen Ort Maly Trostinec ermordeten österreichischen Jüdinnen und Juden besteht, sind hunderte Namen zu lesen. Wie ein Band umfassen sie den Beton.

    Es handelt sich um die Vornamen der rund 10.000 Menschen, die zwischen November 1941 und Oktober 1942 von den Nazis aus sogenannten Sammelwohnungen in Wien geholt, quer durch die Stadt getrieben und per Zug Richtung Osten gefahren wurden. Insgesamt gab es zehn solche Transporte.

    Nur 17 Österreicher überlebten

    In dem Ort unweit der weißrussischen Hauptstadt Minsk wurden sie unmittelbar nach ihrer Ankunft im Kiefernwald einer ehemaligen Kolchose zusammengetrieben und erschossen oder in Gaswagen getötet. Nur 17 Österreicher überlebten.

    An keinem anderen Ort wurden im Nationalsozialismus so viele Wiener Juden und Jüdinnen getötet wie dort. Insgesamt kamen in Maly Trostinec 40.000 bis 60.000 Menschen ums Leben: neben vielen Juden sowjetische Kriegsgefangene und Partisanenverdächtige.

    Architekt Sanwald entwarf "Massiv der Namen"

    Nun, 78 Jahre nach den Deportationen aus Wien, wurde am Ort dieser Killing Fields ein Mahnmal errichtet. Das "Massiv der Namen" wurde von dem in Wien lebenden Architekten Daniel Sanwald entworfen.

    Das Geld kommt aus Österreich, die Arbeiten fanden in Weißrussland statt. Am 28. März wird Bundeskanzler Sebastian Kurz dem Vernehmen nach zur Eröffnung nach Minsk reisen. Im Büro des Kanzlers wurde dieser Termin aber nicht bestätigt.

    Goldenes Ehrenzeichen für Initiatorin Barton

    Den Anstoß zu dem österreichisch-weißrussischen Gedenkprojekt gab indes nicht die hohe Politik, sondern die private "Initiative Malvine – Maly Trostinec erinnern". Gegründet von der Wienerin Waltraud Barton, organisiert der Verein seit 2009 Fahrten nach Weißrussland – und informiert über das dunkle Kapitel der österreichischen Vergangenheit.

    Barton, die das Mahnmal als "Grabmal" versteht, um den Ermordeten eine letzte Ruhestätte zu geben, die ihnen bisher vorenthalten wurde, erhielt am Montag im Wiener Rathaus das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik verliehen. (Irene Brickner, 5.3.2019)

    • In Beton gegossen sind auf dem Mahnmal in Maly Trostinec die Vornamen aller Wiener Jüdinnen und Juden, die unter Hitler an diesen Ort deportiert und ermordet wurden.
      foto: öb minsk

      In Beton gegossen sind auf dem Mahnmal in Maly Trostinec die Vornamen aller Wiener Jüdinnen und Juden, die unter Hitler an diesen Ort deportiert und ermordet wurden.

    • Am Montag erhielt Waltraud Barton, Gründerin der Initiative "Maly Trostinec erinnern", vom Wiener Stadtrat Jürgen Czernohorsky im Wiener Rathaus das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste an der Republik verliehen. André Heller hielt die Laudatio.
      foto: brickner

      Am Montag erhielt Waltraud Barton, Gründerin der Initiative "Maly Trostinec erinnern", vom Wiener Stadtrat Jürgen Czernohorsky im Wiener Rathaus das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste an der Republik verliehen. André Heller hielt die Laudatio.

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