Klopp: "Wir spielen hier nicht Playstation"

    4. März 2019, 12:57
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    Sieben Punkte Vorsprung und die Tabellenführung sind dahin: Jürgen Klopp versucht die Schwächephase des FC Liverpool mit Gelassenheit zu überspielen. Es gelingt ihm nicht

    Liverpool/München – Jürgen Klopp hatte erkennbar Mühe, nicht die Fassung zu verlieren. Es war schon genug passiert an diesem Tag. Ein 0:0 beim Stadtrivalen FC Everton, Verlust der Tabellenführung, die Provokation durch einen Balljungen – und dann fragte ein Reporter auch noch, ob der FC Liverpool nicht vielleicht zu wenig Risiko eingegangen sei. "Ich bin sehr enttäuscht über Ihre Frage", entgegnete Klopp hörbar gereizt und knurrte: "Wir spielen hier nicht Playstation."

    Nein, es läuft derzeit einfach nicht für Klopp. Nach dem 20. Spieltag in der Premier League hatte Liverpool sieben Punkte Vorsprung vor Manchester City, ein netter Polster im Kampf um den ersten Meistertitel seit 29 Jahren. Doch mit dem 1:2 beim Titelverteidiger am 21. Spieltag fiel bei den so hochtourig laufenden Reds die Drehzahl ab. Jetzt, nach dem 29. Spieltag, haben sie einen Punkt Rückstand auf ManCity. Aber, beteuerte Klopp: "Wir verlieren nicht die Nerven." Nein?

    Provokation eines Balljungen

    Wenn der Teammanager ein Spiegelbild seiner Mannschaft ist, dann ist die Stimmung an der Anfield Road allerdings nicht die beste. Klopp jedenfalls schien am Sonntag gleich ein paar Mal kurz davor, an die Decke zu gehen. Zunächst konnte er nur mit Mühe seinen Ärger über die Provokation eines Balljungen des FC Everton unterdrücken. Kurz darauf schien es, als spränge er am liebsten jenem Reporter an die Gurgel, der ihn mit der Frage nach der Risikobereitschaft genervt hatte.

    Gleich mehrfach ließ Klopp den Reporter wissen, wie sehr ihn dessen Frage enttäusche, verbittert wirkend versuchte er dann zwei Minuten lang wortreich zu erklären, warum die Diskussion im Grunde genommen absurd sei.

    Er könne nicht wie bei einem Videospiel einfach so noch mal einen Stürmer aufstellen, "so funktioniert Fußball nicht", sagte Klopp schulmeisterlich, "man kann nicht mehr als 100 Prozent Risiko gehen, man kann nicht verrückt spielen".

    Salah mit Ladehemmung

    Tatsache jedoch ist: Liverpool schwächelt. Mohamed Salah hat in seinen vergangenen sieben Spielen nur einmal getroffen, in vier der letzten sechs Ligaspiele erreichten die Reds nur ein Unentschieden, wie auch im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Bayern München (0:0/Rückspiel am 13. März). Auf das Ergebnis am Sonntag reagierte Klopp mit einer Mischung aus Trotz und gespielter Gleichgültigkeit: "Wir haben einen Punkt mehr als zuvor: alles gut."

    Alles gut? Ja, beteuerte Klopp. "Es ist Anfang März", wen interessiere es da schon, dass "die anderen einen oder zwei Punkte mehr haben als wir." Ihn angeblich nicht, jedenfalls versuchte er dies zuvor auch beim Streaming-Dienst DAZN zu vermitteln: "Es ist ja völlig wurscht, wer Anfang März an der Tabellenspitze steht." Und übrigens: das Spiel gegen Everton "war nicht perfekt, aber immer noch gut genug, um mit einem halben Lächeln nach Hause zu gehen".

    Doch auch dieses halbe Lächeln wirkte bei Klopp vor allem schief. (sid, 4.3.2019)

    • Jürgen Klopp: "Ich bin sehr enttäuscht über Ihre Frage."
      foto: apa/afp/oli scarff

      Jürgen Klopp: "Ich bin sehr enttäuscht über Ihre Frage."

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