China sieht Handelsstreit mit USA im Endspurt

    4. März 2019, 08:59
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    Aber Peking warnt USA vor konfrontativer Politik im Handelsstreit. Autokonzerne werden nervös

    Peking/Berlin/München – Der Sprecher der am Dienstag beginnenden Jahrestagung des Volkskongresses, Zhang Yesui, warnt die USA vor einer konfrontativen Politik im anhaltenden Handelskonflikt: "Wir können aus der Geschichte lernen, dass beide Seiten von Kooperation profitieren und bei Konfrontation verlieren." Er betonte in einer Pressekonferenz zugleich, dass China seine Souveränität und Entwicklungsinteressen entschieden verteidigen werde.

    Nach Darstellung beider Seiten befinden sich die Verhandlungen in der Schlussphase. Es ist sogar von einem möglichen Besuch von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping Ende März in Mar-a-Lago in Florida die Rede, wo eine weitreichende Handelsvereinbarung unterzeichnet werden könnte. US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche eine Fristverlängerung im Handelsstreit angekündigt.

    Gipfel Ende März?

    Am Freitag wäre offiziell ein 90-tägiger "Waffenstillstand" zu Ende gegangen, den beide Seiten am Rande des Gipfels der großen Wirtschaftsnationen Anfang Dezember in Argentinien vereinbart hatten. Die USA hatten mit neuen Strafzöllen gedroht, wenn es bis 1. März keine Einigung gibt. Die Sonderzölle auf Importe aus China im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar (175,70 Milliarden Euro) hätten dann von derzeit 10 auf 25 Prozent erhöht werden können.

    US-Präsident Trump und der chinesische Staatschef Xi könnten auf einem Gipfel um den 27. März herum ein Abkommen zur Lösung des Handelsstreits schließen. China werde womöglich die Zölle auf US-Importe wie etwa landwirtschaftliche Produkte, Chemikalien und Autos senken, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider beider Seiten. Im Gegenzug könnten die USA ihre Strafzölle auf Einfuhren aus China abbauen. Teil der Einigung könne auch ein 18 Milliarden Dollar schwerer Deal zur Lieferung von US-Flüssiggas nach China sein.

    Warnung vor Autozöllen

    Unter deutschen Autokonzernen steigt angesichts der Fortschritte in den amerikanisch-chinesischen Verhandlungen die Nervosität. Volkswagen-Chef Herbert Diess warnt vor den Folgen der von Trump angedrohten Sonderzölle auf EU-Autoimporte. "Das wäre schwer zu verdauen. Es könnte uns zwei bis drei Milliarden Euro kosten – im schlimmsten Fall, bei 25 Prozent Zoll", sagte Diess in einem Interview des "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND). "Das hätte auch Folgen für die Beschäftigung – eine echte Bedrohung, die wir versuchen, mit allen Kräften zu vermeiden." Er sei aber zuversichtlich, dass es nicht so weit komme. "Wir haben Fortschritte erzielt, der Besuch mit den Kollegen anderer Hersteller bei Präsident Trump war gut", verwies Diess auf das Treffen in Washington im Dezember.

    Auch wolle sich VW weiter in den USA engagieren, sagte Diess. "Wir investieren gerade weitere 800 Millionen Dollar ins Werk Chattanooga und kooperieren eng mit den US-Konzernen Ford und Microsoft – nicht aus politischen Gründen, sondern weil wir unsere Marktposition auf diesem wichtigen Markt deutlich ausbauen wollen."

    Der Handelskrieg ist aber nicht das einzige, das die Autobauer unrund laufen lässt. Dieselkrise, strengere Klimaschutzvorgaben und den Wandel zum Elektro-Auto sehen die Automanager als größte Herausforderungen für ihre Unternehmen. 75 Prozent der von der Unternehmensberatung PwC befragten Manager sagten, die Dieselkrise werde im laufenden Jahr große Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben, 70 Prozent nannten Regulierungen wegen des Klimawandels. Brexit, der chinesisch-amerikanische Handelsstreit und die abkühlende Konjunktur folgten dicht dahinter.

    Warnung vor Umweltschutz

    Rund 13 Millionen Arbeitsplätze in Gefahr sieht PSA-Chef Carlos Tavares durch die EU-Pläne zur Reduzierung der CO2-Emissionen in der europäischen Autobranche. Das könnte einige der europäischen Gesellschaften destabilisieren, sagte Tavares, der auch Chef des europäischen Branchenverbandes ACEA ist, der Zeitung "Le Figaro". Er begrüßte die französisch-deutschen Pläne, eine europäische Batterieproduktion anzukurbeln und die Abhängigkeit der europäischen Autobauer von Lieferanten aus Asien zu reduzieren.

    Tavares verwies jedoch auf die hohen Kosten. "Wenn die europäischen Autohersteller bis 2020, 2025 und 2030 nicht genügend Elektroautos verkaufen, werden sie mit Strafen ruiniert", sagte Tavares. Dies zwinge die Hersteller, größere Bestände an Batterien bei asiatischen Lieferanten zu bestellen, "die uns mit einem großen Lächeln erwarten". Das EU-Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten haben sich im Dezember auf einen Plan geeinigt, nach dem die Emissionen bei Autos bis 2030 um 37,5 Prozent verglichen mit 2021 reduziert werden sollen.

    Internationale Krisen

    PwC Strategy& hatte im Februar 203 Führungskräfte von Autoherstellern und großen Zulieferern sowie Händler befragt. PwC-Partner Felix Kuhnert sagte: "Internationale Krisen und schwächelnde Kernmärkte machen der Branche gerade in einer Phase zu schaffen, in der große Investitionen in Zukunftsthemen wie das autonome Fahren oder auch vernetzte Mobilitätsdienstleistungen gefragt wären."

    Vor allem der schwächelnde chinesische Automarkt macht der Branche Sorgen, die Nachfrage dort sank im vergangenen Jahr deutlich. 40 Prozent der befragten deutschen Automanager sagten, der Rückgang bedeute für ihr Unternehmen Umsatzeinbußen von mehr als zehn Prozent. China ist mit rund 23 Millionen verkauften Autos der größte Einzelmarkt vor den USA.

    Auch die Elektrifizierung sorgt für Unsicherheit. 77 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, bei der Entwicklung von Batterietechnologie unter enormem Innovationsdruck zu stehen. Weniger als die Hälfte der deutschen Unternehmen aus der Branche (48 Prozent) fühlt sich in diesem Zukunftsfeld gut vorbereitet. (dpa, Reuters, 4.3.2019)

    • Vor dem Volkskongress steht nicht nur die politische Führung "Habt Acht". Besondere Anstrengungen unternimmt man auch bei den Bemühungen, den Handelsstreit mit den USA beizulegen.
      foto: reuters / jason lee

      Vor dem Volkskongress steht nicht nur die politische Führung "Habt Acht". Besondere Anstrengungen unternimmt man auch bei den Bemühungen, den Handelsstreit mit den USA beizulegen.

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