Tätlicher Neid: Wie sahen Sie den "Tatort: Borowski und das Glück der anderen"

Ansichtssache3. März 2019, 21:00
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Die Rasenmäherfrau im Wohnzimmer: Katrin Wichmann leistet viel, diesen Sonntagskrimi zu retten

Supermarktkassierin Peggy Stresemann (Katrin Wichmann) schreitet zur Tat, als das so glücklich scheinende Paar in der Wohnung gegenüber offenbar auch noch im Lotto gewinnt. Die plagende Neidfrage nach dem Warum (immer die anderen?) beantwortet die etwas impulsive Frau mit einem Rasenmäher in der Wohnung und anderen nicht so gut überlegten Einfällen. Wie sieht die Kritik "Borowski und das Glück der anderen" (Drehbuch: Sascha Arango, Regie Andreas Kleinert? Und wie sehen Sie den "Tatort" aus Kiel?

foto: orf/ard

Man fiebert nicht mit

Christian Buß (Spiegel Online) findet den "Tatort" "ein bisschen abgründig, ein bisschen albern". Denn: "Die Selbstverständlichkeit, mit der das pathologische Aschenputtel Peggy von fremden Tellerchen nascht und auf fremden Bettchen liegt, wirkt einfach nur unverfroren, man fiebert nicht wirklich mit ihr mit."

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Die Schwächen nach dem Mord

"Borowski und das Glück der Anderen" erfülle "einige Kriterien, die in der Fernsehfilmforschung demnächst als Arango-Konstanten etabliert sein dürften", schreibt Holger Gertz in der "Süddeutschen": "Erstens ist in diesem Tatort früh klar, wer gemordet hat. Und zweitens geht es um die Frage, was der Mensch an Bösem in sich trägt. Das dunkel funkelnde Kraftzentrum dieses Films ist der Neid von Peggy Stresemann, weil er sich nicht allein nach innen frisst. Stresemann kann diesen Neid nicht verbergen, er verdirbt ihr Urteilsvermögen und übertreibt ihr Handeln."

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Zu schnell krank

"Das Gift der Todsünde wirkt zügig und gnadenlos – die Erzählung davon offenbart erst dann ihre Schwächen, als mit dem Mord das Äußerste bereits geschehen ist", schreibt Gertz: "Zu schnell wird aus dem einzelhandelsüblichen Neid einer Kassiererin etwas uneinholbar Krankes. Stresemann tötet auch im Affekt, ein Erschrecken über diese Tat wird ihr kaum zugestanden.

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Rettendes Schauspiel

"Katrin Wichmann kann die Schwächen des Drehbuchs mit ihrem nuancierten Spiel teilweise auffangen, aber die Dialoge machen es ihr nicht leicht", fühlt Claudia Reinhard in der "Frankfurter Allgemeinen" mit.

Reinhard: "Überzeugen kann dieser "Tatort" damit, wie er das Stammpersonal in Szene setzt. Die Beziehung zwischen Borowski und Mila Sahin entwickelt sich in ihrem zweiten gemeinsamen Fall in Richtung einer Vater-Tochter-Dynamik, die dem einzelgängerischen Kommissar neue Impulse geben könnte."

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Wie man Peggy sympathisch finden kann

"Katrin Wichmanns schauspielerischer Leistung ist es zu verdanken, dass man Peggy und ihren Hass durchaus verstehen und sie sogar sympathisch finden kann", schreibt auch Astrid Ebenführer im TV-Tagebuch des STANDARD zum neuen Fall.

Und: "Während Peggy also mit allen Mitteln und mit einer Unbekümmertheit, die einen Staunen lässt, an ihrem vermeintlichen Glück bastelt, gewöhnen sich Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seine neue, straighte Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) mehr und mehr aneinander. Das wird noch was mit den beiden." (red, 3.3.2019)

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