Online-Pranger: Polizei musste Hundequäler vor Rache schützen

    3. März 2019, 13:17
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    20-Jähriger soll Welpen einer Bekannten misshandelt haben – Nach Verbreitung von Videos im Internet drohte Mob mit Vergeltung

    Ein 20-Jähriger soll einen kleinen Hund, der ihm zum Aufpassen überlassen worden war, misshandelt haben. Nachdem Videoaufnahmen von der Tat im Internet verbreitet wurden, muss sich der Beschuldigte nicht nur wegen Tierquälerei verantworten, sondern vor Rache fürchten: Online wurden massive Drohungen gegen ihn laut. Die Wiener Polizei sah sich genötigt, vor seinem Wohnhaus in Stellung zu gehen.

    Für den Hund geht die Sache nun aber offenbar überaus glücklich aus: Schon am Montag soll er ein neues Zuhause bekommen.

    Eine 18-Jährige hatte ihren zehn Monate alten Welpen "Buddy" dem Mann zum Hüten gegeben. Der "Hunde-Sitter" schickte der jungen Frau drei Videos. Die entsetzte Tierbesitzerin musste darauf mitansehen, wie der 20-Jährige ihren Liebling misshandelte. "Der Hund wurde gewürgt, gegen eine Wand geschleudert und in ein Klo gedrückt", schilderte Polizeisprecher Daniel Fürst auf APA-Anfrage. Die entsetzte Frau erstattete Anzeige. Eine Funkwagenbesatzung des Stadtpolizeikommandos Liesing fuhr daraufhin zur Adresse des Mannes und brachte den Schoßhund in Sicherheit. Der Maltesermischlingsrüde wurde ins Tierquartier gebracht und durfte dort auf seine Besitzerin warten.

    Die junge Frau, die sich um den Hund gekümmert hatte, ihn aber nicht dauerhaft behalten konnte, hat sich mittlerweile an die Hunde-Such-Hilfe gewandt. "Wir haben schon einen idealen Platz gefunden. Am Montag wird 'Buddy' von seiner jetzigen Besitzerin und mir abgeholt und in sein neues Zuhause gebracht", sagte Vereinsobfrau Regina Drlik auf APA-Anfrage. Mit seinem neuen Frauerl werde der Welpe in einem "Haus mit Garten und Schwimmbiotop" am Stadtrand leben.

    Vorher wolle sie das Tier, das Abschürfungen, Prellungen und Hämatome davongetragen habe, zur Sicherheit nochmals einem Veterinär vorführen, sagte Drlik. Augenscheinlich habe "Buddy" aber nichts gebrochen. Die Obfrau hat offenbar auch in Erfahrung gebracht, was zu dem Vorfall geführt haben könnte: Der Beschuldigte habe den Hund "acht Stunden allein gelassen und sich dann geärgert, dass er reingemacht hat", schilderte Drlik. Die Misshandlung sei wohl eine Bestrafung gewesen.

    Als Folge der davon im Internet kursierenden Aufnahmen "kam es zu gefährlichen Drohungen gegen den Tatverdächtigen", berichtete der Polizeisprecher. Empörte User kündigten an, zu dem Beschuldigten nach Hause zu fahren und Vergeltung zu üben. "Um einer möglichen Konfliktsituation vorzubeugen, war die Wiener Polizei mit Bezirkskräften sowie mit Beamten der Bereitschaftseinheit im Bereich des Wohnhauses des 20-Jährigen vor Ort", sagte Fürst. Stundenlang wachten Polizisten an der Adresse des in einem betreuten Wohnheim lebenden Mannes, an Ort und Stelle wurden mehrere Identitätsfeststellungen durchgeführt, Vorfälle gab es dank der Anwesenheit der Beamten keine.

    "Die Wiener Polizei weist ausdrücklich daraufhin, dass auch das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Aufforderungen zu Gewaltdelikten oder auch gefährliche Drohungen gegen eine Person in den sozialen Medien können ebenfalls strafrechtliche Tatbestände erfüllen", warnte die Landespolizeidirektion. Klarerweise wurde der mutmaßliche Tierquäler angezeigt. Aber auch die geposteten Drohungen werden von der Polizei "aufgearbeitet", Anzeigen stehen im Raum. (APA, 3.3.2019)

    • Artikelbild
      foto: apa/hans punz
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