Unbemannte Fliegerei: Heimische Betriebe wollen abheben

    3. März 2019, 10:37
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    Mit der bemannten Luftfahrt haben Betriebe Erfahrung. Das nächste große Ding sollen unbemannte Fluggeräte werden

    Mit Zweifeln schlagen sich Start-ups oft gar nicht erst lange herum. "Wir ändern die Welt", sagt etwa Felix Lee selbstbewusst. Lee ist nach Österreich gereist, um gemeinsam mit Austro-Partner FACC in Wien zu erklären, wie städtische Mobilität der Zukunft aussehen wird. Und dass man dabei eine wichtige Rolle zu spielen gedenke. Der Manager von EHang, dem chinesischen Start-up, mit dem sich der Innviertler Luftfahrtzulieferer FACC zusammentat, will bei der Revolution, die sich im Luftraum abspielen soll, ganz vorne dabei sein. Mit autonom fliegenden Lufttaxis.

    foto: facc/ehang
    Wenig Verkehr in der Luft. Das könnte sich mit Lufttaxis und Drohnen ändern. Dieses Fluggerät von EHang und FACC kann zwei Menschen befördern – und etwas Gepäck. Ein großer Koffer passt in dieser Konfiguration nicht hinein. Leise sind die Gerätschaften vor allem beim Starten nicht.

    "Wir hoffen, dass wir in diesem Bereich Game-Changer sind", sagt auch FACC-Chef Robert Machtlinger und schwärmt vom Wachstumspotenzial, das den unbemannten Fluggerätschaften von Experten zugetraut wird. 3000 Passagierdrohnen könnten demnach 2025 durch die Lüfte schweben, 2050 geht man von einer dreimal so großen Zahl aus. Ein Marktpotenzial, das Machtlinger mit 30 Milliarden US-Dollar im Jahr taxiert. An dem wollen die Österreicher mitnaschen.

    Konkurrenzkampf

    Aber auch der Fahrdienstvermittler Uber oder die Flugzeugbauer Airbus und Boeing arbeiten an eigenen kleinen Maschinen für Lufttaxi-Dienste. Die Passagierdrohne – designt in China, made in Austria -, wie Felix Lee erklärt, soll im kommenden Jahr zur Serienreife gebracht werden. Wobei EHang sich für Fragen rund um das autonome Fliegen, wie Connectivity, Softwarelösungen, Ladestationen oder Systemsteuerung zuständig erklärt. FACC verantwortet den Zusammenbau der Komponenten. 300 Fluggeräte sollen in den kommenden zwei Jahren in Ried im Innkreis vom Band laufen, 2025 wollen die Österreicher die Fertigungslinien verdoppeln.

    foto: ho
    An Lufttaxis arbeiten auch andere. Hier ist der Prototyp vom US-Flugzeugbauer Boeing.

    Zur Hälfte werde die Wertschöpfung in Österreich generiert, so Machtlinger. 50 Leute sind im Innviertel derzeit für den EHang abgestellt, siebenmal so viele sollen es 2023 sein. Mit dem Betrieb werde man nicht in Ländern wie Österreich oder Deutschland starten, räumt Machtlinger ein. Noch fehle es an entsprechenden Regularien. "In China sind wir schneller", sagt Felix Lee. Hierzulande ist Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) emsig auf der Suche nach Testgebieten für die unbemannten Luftfahrzeuge. Die Einreichfrist endet im März. Neben dem Truppenübungsplatz Allensteig ist in der Steiermark die FH Joanneum unter den Bewerbern.

    Von der unbemannten Luftfahrt profitieren

    Dass die Österreicher mit der unbemannten Luftfahrt auf das richtige Pferd setzen, davon ist Holger Friehmelt überzeugt. Der Leiter des Studienganges Luftfahrt an der FH Joanneum in Graz glaubt fest, dass die Zeit für die unbemannte Fliegerei reif ist. "Die Technologie ist fast so weit", sagt er.

    foto: apa/afp/akmen
    So sieht das Modell EVTOL aus, dass sich die Designer von Rolls-Royce ausgedacht haben.

    Betreiber könnten künftig Fluglinien, Verkehrsverbünde oder auch Start-Ups sein, die sie zur gemeinsamen Nutzung anbieten sollen. Der deutsche Autobauer Daimler ist etwa an Volocopter beteiligt, einem deutschen Start-up, das ebenfalls ein Luftgefährt entwickelt hat. Daimler und BMW denken für ihre gemeinsame Mobilitätsfirma Lufttaxis jedenfalls schon mit.

    Dass das Konzept sich als Flop erweist, glaubt Friehmelt nicht. Anwendungsgebiete sieht er jedenfalls und nennt den Geschäftsmann, der gerne ein bisschen mehr bezahlt, um rasch mit dem Lufttaxi vom Meeting in der City zum Flughafen zu surren.

    foto: reuters
    Schiebel baut in Wiener Neustadt unbemannte Hubschrauber. Im Herbst vergangenen Jahres gab man bekannt, die Werksfläche zu erweitern.

    Auch für heimische Zulieferer sei dies ein Feld, das sich zu beackern lohnt, sagt der Luftfahrtingenieur. Einige hundert Betriebe mit 8000 Beschäftigten tummeln sich in Österreich als Lieferanten für die bemannte Luftfahrt, wie Friehmelt sagt. Sie alle wollen vom Wachstum in der Branche profitieren – Rückschläge wie die Einstellung der Airbus A380-Produktion, die FACC eine Gewinnwarnung einbrockte, inbegriffen.

    Nicht wenige der Zulieferer beliefern auch die Autoindustrie wie etwa Miba oder Rübig, letzterer versteht sich auf die Wärmebehandlung von Bauteilen, in Oberösterreich. Auch andere, wie der ebenfalls in Oberösterreich beheimatete Kunst- und Schaumstoffspezialist Greiner oder der oststeirische Lederspezialist Wollsdorf haben schon lange die Luftfahrt neben anderen Geschäften entdeckt.

    foto: apa/afp/robyn beck
    Auch der US-Fahrdienstvermittler Uber hat seine eigenen Ideen in Sachen Flugtaxi.

    Das Kernland der heimischen Luftfahrtindustrie ist Oberösterreich, wo die meisten Umsätze erwirtschaftet werden, aber auch die Steiermark legt sich mächtig ins Zeug.

    In NÖ expandiert die Wiener Neustädter Firma Schiebel, um die Nachfrage nach Aufklärungsdrohnen befriedigen zu können.

    Neben den großen Leitbetrieben wie Voestalpine Böhler Aerospace oder Pankl Aerospace sind es laut Friehmelt viele kleinere Spezialisten, die sich mit viel Know-how bei Präzisionsteilen, Inneneinrichtung, Sensoren, Antriebs- oder Wärmetechnik hervortun. Friehmelt hält große Stücke auf sie: "Da wird viel Hirnschmalz hineingesteckt. Mit großem Erfolg." (Regina Bruckner, 2.3.2019)

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