Lebenserwartung steigt im Westen nur noch langsam

    1. März 2019, 16:33
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    Eine OECD-Studie zeigt auf, dassvor allem Herz-Kreislauf-Probleme und Grippeinfektionen zu mehr Todesfällen im Jahr führen

    Seit dem 19. Jahrhundert werden die Menschen in Ländern mit hohem Einkommen kontinuierlich älter. Bis ins Jahr 2016 stieg sie im Schnitt von 36 Jahre auf 81 Jahre. Grund dafür war unter anderem der Kampf gegen die hohe Säuglingssterblichkeit, die in Deutschland und Österreich im 19. Jahrhundert bei 200 toten Neugeborenen auf 1000 lebend geborene Babys lag.

    Ärzte sind mittlerweile in der Lage, Krankheiten schneller zu erkennen und zu behandeln, Cholera und Tuberkulose wurden zurückgedrängt. In den vergangenen Jahren führte ein besserer Lebensstil der Bevölkerung in den Wohlstandsländern dazu, dass die Lebenserwartung weiter stieg: Weniger Menschen rauchen, trinken exzessiv Alkohol oder haben einen hohen Cholesterinspiegel.

    Grippeausbruch 2014/2015

    Doch mit der Erfolgsgeschichte dürfte vorerst Schluss sein. Eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung verlangsamt. Die Daten betreffen die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und Norwegen sowie andere Staaten mit hohem Einkommen wie die USA, Kanada oder Australien. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist die Lebenserwartung sogar gesunken. Betroffen ist der Zeitraum von 2011 bis 2016 im Vergleich zu 2006 bis 2011.

    Die Studienautoren kommen zu dem Ergebnis, das vor allem ältere Menschen vermehrt an Herz-Kreislauf-Problemen und Atemwegserkrankungen sterben, wie Grippe und Lungenentzündungen. In dem Zusammenhang erwähnen die Autoren den Grippeausbruch in der Saison 2014 bis 2015, der viele Todesopfer zur Folge hatte. Allein in Österreich starben laut Zahlen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) rund 3000 Menschen in dem Zeitraum – fast dreimal so viel wie in einer durchschnittlichen Saison. Der Trend hält an: Ende 2017 bis Anfang 2018 herrschte etwa in den USA über 16 Wochen eine Epidemie.

    Doch nicht nur die Influenza lässt mehr Menschen in den reichen Industrieländern sterben, auch die Todesfälle durch Demenz oder Alzheimer steigen an. Dabei verweisen die Studienautoren aber darauf, dass oft eine Grippe als Sekundärfaktor auf den Totenscheinen verzeichnet wurde.

    Übergewichtige Jugend

    Starkes Übergewicht und Diabetes sind weitere Faktoren dafür, dass die Lebenserwartung nur noch langsam steigt. Allein in der Europäischen Union waren im Zeitraum von 2013 bis 2014 exakt 18 Prozent aller 15-Jährigen übergewichtig. In den Jahren 2001 bis 2002 waren es noch elf Prozent.

    In allen EU-Staaten stieg zudem der mittlere Body-Mass-Index (BMI) der Männer und in fast allen Ländern auch der Frauen. Der BMI ist eine Kennzahl, die das Körpergewicht eines Menschen in Relation mit seiner Körpergröße stellt. Der Index ist umstritten, da er nicht auf die Zusammensetzung des Körpers in Bezug auf Fett- und Muskelgewebe Rücksicht nimmt.

    Die Autoren der OECD-Studie registrieren auch einen Anstieg der Todesraten unter Menschen im erwerbsfähigen Alter. Sie erwähnen dabei vor allem die Opioid-Krise in den USA, die zu einem starken Anstieg an Toten durch Drogen- und Medikamentenmissbrauch geführt hat.

    Um dem aufgezeigten Trend entgegenzuwirken, appellieren die Studienautoren an die Regierungen, die Gründe für den verlangsamten Anstieg der Lebenserwartung zu untersuchen. (Bianca Blei, 2.3.2019)

    • Übergewicht und Diabetes sind in den untersuchten Ländern auf dem Vormarsch.
      foto: martin bernetti / afp

      Übergewicht und Diabetes sind in den untersuchten Ländern auf dem Vormarsch.

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