Viele Tote bei neuer Taliban-Angriffswelle in Afghanistan

    1. März 2019, 15:24
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    Bisher vier von zwölf Angreifern getötet

    Kabul – Während laufender Gespräche zwischen den USA und hochrangigen Taliban zur Lösung des Konflikts in Afghanistan haben Aufständische in drei afghanischen Provinzen Sicherheitskräfte angegriffen. Dabei sind Dutzende Soldaten und Polizisten und mehrere Aufständische ums Leben gekommen.

    In der Nacht zu Freitag überfielen Taliban-Kämpfer das Hauptquartier des 215. Korps der afghanischen Armee in der Provinz Helmand. Dort sind neben afghanischen Truppen auch US-Soldaten und US-Militärberater stationiert.

    Nach einer Mitteilung des afghanischen Verteidigungsministeriums sind bisher vier von zwölf Angreifern getötet worden. Es gebe Verluste auf der Seite der Sicherheitskräfte, allerdings könne man noch keine konkreten Angaben machen. Die Kämpfe dauerten am späten Freitagnachmittag (Ortszeit) noch immer an.

    Schusswechsel

    Laut einem Offizier, der im Camp stationiert ist und namentlich nicht genannt werden wollte, waren die Angreifer erst in die Küche der Militärbasis eingedrungen. Dort hätten sie neun bis zehn Mitarbeiter des Küchenpersonals mit Messern getötet. Daraufhin seien sie zum Friseurladen und hätten dort den Friseur getötet. Dann habe sie das Wachpersonal entdeckt und es sei ein Schusswechsel ausgebrochen. In der Folge sei auch der Kommandant der Garnison ums Leben gekommen. Der Angriff dauere noch immer an, weil die Angreifer vier bis sechs Geiseln genommen und sich verschanzt hätten.

    Von einem Sprecher der US-Truppen in Afghanistan hieß es, weder Soldaten der US-Streitkräfte noch der NATO-Ausbildungsmission "Resolute Support" seien in den Angriff involviert gewesen.

    Nach einer Mitteilung eines Taliban-Twitter-Accounts sind mehrere Angreifer in die Schorab-Luftwaffenbasis eingedrungen, die Teil der Militärbasis ist. Bei dem Angriff sei ein Radar zerstört worden. Die Taliban gaben zudem sehr hohe Verlustzahlen auf der Seite der Sicherheitskräfte an. Allerdings sind die Taliban dafür bekannt, Zahlen teils massiv zu übertreiben.

    In der nördlichen Provinz Sar-e Pul sind am Freitagmorgen (Ortszeit) mindestens elf Soldaten und Polizisten von Taliban getötet worden. Sie waren in einem Konvoi aus dem Bezirk Sandscharak in die Provinzhauptstadt Sar-e Pul unterwegs, als sie in einen Hinterhalt der Aufständischen gerieten, sagte der Provinzrat Nur Agha Nuri. Weitere mindestens sieben Sicherheitskräfte seien verwundet worden.

    Armee und Polizei hatten in den vergangenen Tagen in einer Offensivoperation versucht, die Taliban aus dem Bezirk zu vertreiben. Hunderte Familien mussten vor den Gefechten fliehen.

    14 Soldaten und Polizisten getötet

    In der nördlichen Provinz Fariab sind zudem bei einem Angriff der Taliban auf mehrere Kontrollposten im Bezirk Kaisar in der Nacht zu Freitag mindestens 14 Soldaten und Polizisten getötet worden. Weitere mindestens 12 seien verletzt worden, sagte der Provinzrat Mohammed Nader Saidi.

    Die aufständischen Taliban greifen weiter praktisch täglich Kontrollposten der Regierung an, regelmäßig aber auch Militärbasen. Ein Angriff auf eine so große Basis wie in Helmand ist allerdings ungewöhnlich. Aus Militärkreisen heißt es, dass täglich rund 35 Soldaten und Polizisten bei Anschlägen und Gefechten ums Leben kommen. Präsident Aschraf Ghani sagte kürzlich, seit seinem Amtsantritt Ende 2014 seien 45.000 Sicherheitskräfte in dem Konflikt getötet worden.

    Die Taliban-Angriffe erfolgen während der mittlerweile sechsten Gesprächsrunde zwischen einer US-Delegation und hochrangigen Taliban, um den mehr als 17 Jahre dauernden Konflikt in Afghanistan politisch zu lösen. Im Golfemirat Katar sprachen die beiden Delegationen von Montag bis Mittwoch über einen Abzug der internationalen Truppen und Garantien, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Nach einer zweitägigen Pause für weitere Konsultationen und Vorbereitungen sollen die Gespräche am Samstag fortgeführt werden. Die Gespräche hatten bisher keine Auswirkungen auf die Kampfhandlungen.

    In Doha soll nach US-Vorstellungen auch über einen Waffenstillstand verhandelt werden. Experten von der International Crisis Group halten es aber für unwahrscheinlich, dass es der US-Delegation gelingt, den Taliban in dieser frühen Verhandlungsphase eine Waffenruhe abzuringen, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Analyse.

    Die Taliban waren in den vergangenen Monaten militärisch in der Offensive, sie fügten den afghanischen Regierungskräften hohe Verluste zu. Die Aufständischen würden daher befürchten, ihr Momentum auf dem Schlachtfeld zu verlieren, wenn sie einem Waffenstillstand zustimmten. Ihr militärischer Vorteil sei ein wichtiges Druckmittel in den Verhandlungen. (APA, 1.3.2019)

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