Vereinbarkeit ist das Problem Nummer eins

    1. März 2019, 11:30
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    Chancengleichheit besteht laut einer Umfrage in nur in jedem fünften Unternehmen, Kinder sind Frauensache, und der Gleichstellung fehlen klare, messbare Ziele

    Gemischte Teams, mehr Frauen in Führung sind ein Wettbewerbsvorteil – so weit das moderne Mantra. Und der immergleiche Nachsatz: Leider, leider ist das ja so schwer zu machen, wir finden keine Frauen, und die Frauen wollen nicht.

    Das Beratungsunternehmen Deloitte hat österreichweit 442 Personen in leitender Funktion zum Thema Frauen und Führung befragt. Das Ergebnis: Theoretisch versprechen sich zwar 93 Prozent der Befragten grundsätzlich einen Wettbewerbsvorteil durch Frauen in Führungspositionen. Praktisch setzen aber viel zu wenige entsprechende Maßnahmen zur Erhöhung der Chancengleichheit im eigenen Unternehmen.

    Aber wo genau hakt es? Ein Haupthindernis stellt demnach das Fehlen von konkreten Zielsetzungen dar. Nur 28 Prozent der Führungskräfte haben messbare Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils formuliert. Und das, obwohl 84 Prozent von der Notwendigkeit einer Erhöhung überzeugt sind.

    Trotz angekündigter Vorhaben und guter Vorsätze ist Chancengleichheit in den meisten Betrieben aktuell nicht gegeben. Die Frage, ob Frauen im Unternehmen prinzipiell die gleichen Karrierechancen wie ihre männlichen Kollegen haben, offenbart einen ernüchternden Status quo. Nur 21 Prozent gehen von einer generellen Chancengleichheit im eigenen Unternehmen aus, bei fast einem Drittel ist sie laut der Umfrage nicht existent.

    Teilzeitfalle

    "Mehr als die Hälfte der Befragten knüpft Chancengleichheit an das Beschäftigungsausmaß. Eine Vollzeitbeschäftigung ist die Grundvoraussetzung für gleiche Karrieremöglichkeiten", sagt Elisa Aichinger, Senior Managerin bei Deloitte Österreich. "Frauen befinden sich oft in der Teilzeitfalle. Das liegt vor allem an ihrer Rolle innerhalb der Familie."

    Auch diese Umfrage bestätigt: Kinderbetreuung ist in Österreich nach wie vor Frauensache. Die erschwerte Vereinbarkeit von Familie und Beruf (68 Prozent), konservative Rollenbilder und Vorurteile (61 Prozent) sowie schlechte Rahmenbedingungen im Bereich Kinderbetreuung und Ganztagsschulangebote (60 Prozent) werden am häufigsten als Karrierehemmnisse angeführt. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt auch fehlende Ambitionen und Selbstvertrauen seitens der Frauen als Hindernis.

    "Insgesamt werden Karrierehürden für Frauen eher auf gesellschaftlicher und individueller Ebene gesehen. Das greift aber zu kurz. Gerade Unternehmen müssen ihre Verantwortung beim Thema Gleichstellung von Mann und Frau wahrnehmen. Die Einflussmöglichkeiten der Wirtschaft sind beträchtlich", betont Deloitte-Partnerin Gundi Wentner.

    Auf der Agenda

    Zumindest hat die Mehrheit der Unternehmen laut der Studie den Nachholbedarf erkannt. So steht die Erhöhung des Frauenanteils auf den obersten Führungsebenen von 60 Prozent der heimischen Unternehmen auf der Agenda. Gerade große Unternehmen streben einen höheren Frauenanteil an. (kbau, 1.3.2019)

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