Ärzte entfernen Patientin 17,5 Kilo schwere Zystenleber

    1. März 2019, 06:00
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    Die polyzystische Leber ist eine seltene Erkrankung, bei der das ganze Organ mit Hohlräumen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, durchzogen ist

    Eine fast 17,5 Kilogramm schwere Fehlbildung der Leber haben Mediziner am LKH-Uniklinikum Graz einer Patientin entfernt. Die von Zysten durchsetzte Leber hatte große Teile des Bauchraums ausgefüllt und große Mengen Wasser angesammelt. Das Organ musste vollständig transplantiert werden. Bei Frauen ist die Leber im Durchschnitt 1,2 bis 1,4 Kilogramm schwer.

    Die Zystenleber (auch polyzystische Leber, PCLD) ist eine seltene Erkrankung, bei der die Leber mit Hohlräumen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, durchzogen ist. Die Fehlbildung hatte sich erstmals im Jahr 2005 durch einen Zufallsbefund bemerkbar gemacht, berichtet die 34-jährige Patientin. Die Mediziner rieten ihr vorerst zum Abwarten und zu regelmäßigen Kontrollen.

    Ab 2010 bekam die Frau zwei Jahre lang einmal monatlich ein Medikament, durch dassich die Zyste zurückbilden sollte, jedoch ohne Erfolg. "Der Bauch ist mit den Jahren gewachsen. Erst als ich angesprochen wurde, ob ich schwanger bin, ist mir eine Welt zusammengebrochen, vor einer Transplantation hatte ich aber zu viel Angst", blickt die Patientin zurück. Die Größe der Leber machte der Patientin zunehmend Beschwerden beim Anziehen, Stiegensteigen oder Autofahren: "Meine Hände waren fast zu kurz, um das Lenkrad zu fassen", schildert die Steirerin.

    Einzigartig in Europa

    Als die Beschwerden im Frühjahr 2018 immer größer wurden, stimmte sie dem Austausch des gesamten Organs zu. Insgesamt dauerte die Operation vier Stunden. "Die chirurgische Maßnahme war, von der Lebergröße her, sicherlich einzigartig in Europa, vielleicht auch weltweit", erklärt Transplantationschirurg Peter Schemmer, der die entartete Leber entfernt hat. "Der Fall dieser Patientin zeigt, dass man vom Eingriff wirklich profitiert. Das sollte vielen weiteren die Sorge nehmen", so der Chirurg. Schemmer war lange Zeit am Universitätsklinikum Heidelberg tätig und wurde 2016 an die Medizinische Universität Graz berufen. Seither leitet er die Klinische Abteilung für Transplantationschirurgie an der Universitätsklinik.

    "So einfach war die Zeit danach nicht. Seit Jänner kann ich aber wieder alles machen und auch wieder zur Arbeit gehen", erzählt die Steirerin sechs Monate nach der Operation sichtlich erfreut. Die Immunsuppressiva, die sie jetzt nehmen müsse, seien aus ihrer Sicht "ein kleines Übel". Für sie habe sich der Eingriff "wirklich ausgezahlt".

    Im Jahr 2018 wurden an der Klinischen Abteilung für Transplantationschirurgie in Graz 39 Spenderlebern, 99 Nieren und zwei Bauchspeicheldrüsen transplantiert. Kürzlich wurde ein neues Organkonservierungsgerät installiert, das eine Spenderleber bis zu 72 Stunden konservieren kann – bisher waren es maximal zwölf Stunden. (APA, 1.3.2019)

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