Wer durch Cohen in Schwierigkeiten geraten könnte

    1. März 2019, 06:06
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    Die Angaben des ehemaligen Anwalts von Donald Trump könnten dutzende Ermittlungen und Befragungen nach sich ziehen

    Stundenlang waren am Mittwoch die Blicke von Millionen von Amerikanern im ganzen Land auf ihre TV-Schirme gerichtet. Michael Cohen, langjähriger Anwalt von US-Präsident Donald Trump, sagte vor einem Ausschuss des US-Kongresses aus. Alle großen TV-Sender übertrugen die Anhörung live, die Zuseher wurden mit einer schonungslosen Abrechnung Cohens mit seinem ehemaligen Chef belohnt – und schon kommende Woche soll es weitergehen, allerdings diesmal hinter verschlossenen Türen. Der Chef des Geheimdienstausschusses in der Kammer, der Demokrat Adam Schiff, kündigte am Freitag an, Cohen werden seinem Gremium am 6. März für Fragen zur Verfügung stehen.

    pbs newshour
    "Ein Rassist, ein Betrüger, ein Schwindler" – Michael Cohens Aussage vor dem US-Kongress am Mittwoch.

    Diese Woche sagte Cohen, Trump sei "ein Rassist, ein Betrüger, ein Schwindler", der wegen zahlreicher Verbrechen im Mai seine Haft antreten muss. Seine Vorwürfe untermauerte der 52-Jährige Cohen dann mit einer Vielzahl brisanter Details, darunter zur Russland-Affäre und dem Schweigegeld für den Pornostar Stephanie Clifford.

    Doch neben oftmals bereits bekannten Vorwürfen gegen den Präsidenten fielen am Rande auch zahlreiche andere Namen aus Trumps Orbit. Sollten sich die Vorwürfe von Cohen erhärten, dürften einige Personen Post von der Staatsanwalt und Kongressausschüssen bekommen.

    Wer durch die Aussagen von Trumps Ex-Anwalt in Schwierigkeiten geraten könnte:


    Donald Trump Jr.

    foto: afp photo / nicholas kamm

    Die größte Gefahr durch Cohens Aussage droht Trumps älterem Sohn Donald Trump Junior. Sein Name fiel mehrfach während Cohens Aussage vor dem US-Kongress am Mittwoch. Cohen bezichtigte Don Jr. darin, dass er in die Schweigegeldzahlungen an Pornodarstellerin Stephanie Clifford (Künstlername: Stormy Daniels) involviert gewesen sei. Als Beleg dafür legte er einen Scheck in der Höhe von 35.000 US-Dollar vor, den Don Jr. unterschrieben und den Cohen als Rückerstattung erhalten hat.

    Wegen dieser Schweigegeldzahlungen wurde Cohen wegen Verstößen gegen das Wahlkampffinanzierungsgesetz und Bankbetrugs zu einer Haftstrafe verurteilt.

    Darüber hinaus soll Donald Trump Jr. laut Cohen voll über das sogenannte Trump-Tower-Projekt in der russischen Hauptstadt Moskau informiert gewesen sein. Don Jr. sagte dem Senat allerdings im September 2017, dass er nur "am Rande" über das Projekt Bescheid gewusst habe. Cohen widersprach dem am Mittwoch und sagte, Don Jr. erhielt zahlreiche Briefings zu dem Immobilienprojekt in Russland. Sollte sich die Version Cohens als wahr herausstellen, droht Donald Trump Jr. ein Verfahren wegen Falschaussage.


    Eric Trump

    foto: ap photo/richard drew, file

    Laut Cohen soll auch Trumps Sohn Eric in die Schweigegeldzahlungen rund um Pornostar Stephanie Clifford, die eine Affäre mit dem späteren US-Präsidenten gehabt haben soll, involviert gewesen sein. In seiner Zeugenaussage am Mittwoch behauptete Cohen, Eric Trump hätte einen der zahlreichen Schecks, die Cohen für die Schweigegeldzahlungen erhalten hat, unterschrieben.

    Allerdings legte er keine Kopie und kein Dokument vor, das seine Behauptung untermauert. Darüber hinaus konnte Cohen nicht mit Sicherheit sagen, ob Eric Trump wusste, dass die Schweigegeldzahlungen gegen das Gesetz verstoßen haben – ein wichtiger Puzzlestein in jeder Justizermittlung.


    Ivanka Trump

    foto: mandel ngan / afp

    Die Tochter des Präsidenten soll laut Cohen zahlreiche Briefings zu dem umstrittenen Trump-Tower-Projekt erhalten haben. Das wäre an sich kein Problem für die Präsidententochter – außer sie hat gegenüber Ermittlern darüber gelogen. Wenn sie den Behörden das Gleiche gesagt hat wie der Öffentlichkeit, könnte sie das Gesetz gebrochen haben. Denn in einem Interview Anfang Februar meinte Ivanka Trump, sie wüsste "fast gar nichts" über das Projekt in Russland. "Es war wirklich nur eine Idee in unseren Köpfen", sagte sie dem Sender ABC.


    Allen Weisselberg

    Weisselberg dürfte auf der Zeugenwunschliste des Kongresses ganz oben stehen, denn Cohen hat den langjährigen Finanzvorstand der Trump Organisation in seiner Aussage mehr als einmal erwähnt. Demnach soll Weisselberg in Gespräche über die Schweigegeldzahlungen an Clifford involviert gewesen sein; außerdem habe Weisselberg einen Scheck unterzeichnet, mit dem Cohen die Zahlungen rückerstattet wurden.

    Dass Weisselberg ein interessanter Zeuge sein könnte, sehen auch die Justizbehörden so. Sie haben eine Kooperationsvereinbarung mit Weisselberg abgeschlossen, die ihm beschränkte Immunität gibt.


    Rhona Graff

    Ungewollt zum Handkuss könnte durch Cohens Aussage auch Trumps langjährige Assistentin Rhona Graff kommen. Laut Cohen-Stellungnahme vom Mittwoch könnte Graff mehr Details über Trumps Wissensstand zu den gestohlenen E-Mails der Demokraten haben, denn "ihr Büro war gleich neben seinem, und sie ist in viele Dingen, die vorgingen, involviert gewesen", so Cohen am Mittwoch. Graff kann sich auf eine Zeugenvorladung durch den Kongress gefasst machen.


    Roger Stone

    foto: brendan smialowski / afp

    Als hätte Roger Stone nicht schon genug rechtliche Probleme, brachte ihm Cohens Aussage vor dem Kongress in noch mehr Schwierigkeiten. Stone wurde bereits wegen Justizbehinderung, versuchter Zeugenbeeinflussung und wegen Falschaussage gegenüber dem US-Kongress angeklagt.

    Cohen behauptete nun, dass er ein Telefonat zwischen Trump und Stone mitgehört habe. Dabei habe Stone seinen langjährigen Vertrauten Trump über seinen Kontakt mit Wikileaks-Gründer Julian Assange informiert, so Cohen. Wikileaks würde "große Mengen von E-Mails aus Hillary Clintons Wahlkampfteam abladen" soll Stone laut Cohens Aussagen gesagt haben. Stone hat bisher abgestritten, direkten Kontakt mit Julian Assange gehabt zu haben.

    Darüber hinaus hat er sich gegenüber dem Polit-Portal "Politico" zu Cohens Aussage geäußert und gesagt, diese sei "nicht wahr". Allerdings darf sich Stone laut richterlicher Anordnung nicht zu den Russland-Ermittlungen äußern.


    Jay Sekulow

    foto: ap photo/steve helber, file

    Auch andere Anwälte Trumps könnte Cohen in die Bredouille gebracht haben. Laut Cohens Aussage überprüften und veränderten Trumps Anwälte seine Aussage vor dem Kongress 2017. Wegen dieses Auftrittes, der zahlreiche Lügen beinhaltete, wurde Cohen wegen Falschaussage verurteilt. Jay Sekulow, Trumps persönlicher Anwalt, hätte folglich geholfen, eine Falschaussage vorzubereiten beziehungsweise diese zu ändern.

    Sekulow weist die Vorwürfe zurück und sagte in einer Stellungnahme, dass er die schriftlich vorbereitete Aussage Cohens nicht verändert habe. (Stefan Binder, 1.3.2019)

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