Wem der Bauch gehört? Der (ungewollt) Schwangeren. Punkt

Blog1. März 2019, 06:00
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Die Verwässerungen im Diskurs um Schwangerschaftsabbrüche sind gefährlich

Die Gegner und Gegnerinnen des Rechtes auf die Selbstbestimmung von Frauen sind wieder höchst aktiv. Oder besser gesagt: Es wird gerade sichtbar, wie emsig seit Jahren daran gearbeitet wird, die Fristenregelung anzusägen. Die parlamentarische Bürgerinitiative #fairändern zum Beispiel, die – unter anderem – ein Verbot von Spätabtreibungen von Föten mit schweren Fehlbildungen sowie verpflichtende "Bedenkzeit" für ungewollt Schwangere fordert. Die mit der Initiative verbandelten "Märsche fürs Leben" werden immer größer, und aktive Abtreibungsgegnerinnen wie Gudrun Kugler sitzen im Nationalrat.

Über das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch wird man wahrscheinlich immer streiten. Er ist mit religiösen und philosophischen Fragen verknüpft, für die es keine faktischen Antworten gibt. Gerade deshalb ist es wichtig, bei diesem Thema Farbe zu bekennen.

Wichtige Errungenschaft

Aus feministischer Perspektive ist klar: Der Bauch gehört der (ungewollt) schwangeren Frau. Das ist eigentlich seit den 1970er-Jahren geklärt. Es ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Frauenbewegung, über Schwangerschaften allein entscheiden zu können – zumindest in den ersten drei Monaten. Ohne Institutionen, ohne den Partner, ohne Einmischung von Staat und Religion. Denn eine Schwangerschaft betrifft die Frau allein, ihren Körper und später – leider noch immer – vor allem ihr Leben. Eine Schwangerschaft kann eine enorme Belastung sein, es ist kaum vorzustellen, wie es sein muss, wenn man sie nicht aus freien Stücken fortführt. Die Gebärfähigkeit der Frauen zwang sie Jahrtausende unter die Kontrolle von Obrigkeiten, die Kontrolle über den Körper von Frauen war und ist innerhalb patriarchaler Gesellschaften eines der wichtigsten Instrumente zur Unterdrückung von Frauen – um jetzt mal grundsätzlich zu werden.

Perfide Andeutungen

Die "Kontrolle über den Körper der Frau" wird freilich heute nirgends mehr gefordert, derartig holzhammermäßig darf es immerhin nicht mehr sein. Trotzdem kommt man sehr schnell in diese Spur, auch wenn sich die Versuche, am bestehenden Status quo etwas zu ändern, noch so moderat geben. Es sind recht perfide Andeutungen und Unterstellungen, die in die Debatte um Abtreibung einfließen. So behauptet etwa die Aktion Leben einerseits von sich, "ergebnisoffen" zu beraten, um wenig später in einer Broschüre anzumerken, dazu beitragen zu wollen, dass es zu "möglichst wenigen Schwangerschaftsabbrüchen kommt", wie DER STANDARD berichtete.

Nun, die einzelne Frau, die dort zur Beratung landet, die keine Ahnung hat, was sie tun soll, hat ein Recht darauf, nicht Teil dieser Agenda zu werden. Ergebnisoffen und "Abtreibungen reduzieren" zu wollen, das geht im konkreten Beratungsgespräch nicht zusammen. Nicht einmal sehr subtil schwingt in dieser Aussage auch die immer wieder aufgebrachte Unterstellung mit, Frauen würden leichtfertig abtreiben.

Eine heikle Zeit

Klarere Konturen bekommen diese Phantasien von lustig abtreibenden Frauen (die ganz nebenbei vergessen machen, dass ein Abbruch 700 Euro aufwärts kostet und Frauen für einen solchen oft weit fahren müssen) zum Beispiel durch Aussagen wie die von Martina Kronthaler, Generalsekretärin von Aktion Leben: Der Verein sei gegen die Verharmlosung von Abtreibungen. Man möchte fragen: Wer verharmlost Abtreibungen? Jene Beraterinnen, die Frauen keine lebenslangen Folgen prophezeien? Die Frauen bestärken, dass sie allein darüber entscheiden, ob sie ein Leben mit (noch) einem Kind schultern wollen? Dass es völlig okay ist, wenn die Antwort Nein lautet – auch wenn es nach außen hin so scheint, dass sich doch bitte ein Kind ausgehen muss.

Es ist eine heikle Zeit, wenn der Kompromiss der Fristenregelung angegriffen wird. So heikel, dass auch auf sämtliche Verwässerungen im Diskurs geachtet werden muss. Die Bilder von verantwortungslosen Frauen, die leichtfertig abtreiben, denen Bedenkzeit verordnet werden muss, weil sie ja sonst nicht "ordentlich" darüber nachdenken. Wir müssen diese diversen, sich selbst als moderat darstellenden Aussagen konsequent weiterlenken. Und diese Perspektive ist alles andere als moderat. (Beate Hausbichler, 1.3.2019)

  • "Roe v. Wade" heißt eine Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, nach der Frauen das Recht haben, über die Fortführung und Beendigung einer Schwangerschaft selbst zu entschieden. Und noch heute muss für den Schutz dieser Entscheidung auf die Straße gegangen werden.
    foto: ap/ted s. warren

    "Roe v. Wade" heißt eine Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, nach der Frauen das Recht haben, über die Fortführung und Beendigung einer Schwangerschaft selbst zu entschieden. Und noch heute muss für den Schutz dieser Entscheidung auf die Straße gegangen werden.

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