Karfreitagsregelung: Religionsminister Blümel demütigt Evangelische

    Kommentar der anderen28. Februar 2019, 15:44
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    Einer Minderheitskirche die Religionsausübung zu beschneiden und ihren wichtigsten Feiertag zu kappen zeugt von beispielloser Unverfrorenheit

    "Wer schafft denn Arbeit?!", schrie Sozialministerin Hartinger-Klein ins Plenum des Nationalrates. Und sie gab sich gleich selbst die Antwort: "Die Wirtschaft!" Die Antwort hätte auch lauten können: "Selbstverständlich die Arbeitskraft der Menschen." Wahrscheinlich stimmt beides. Sicher hingegen ist, auf welche Seite sich diese Regierung wieder einmal geschlagen hat. Auf die Seite der Unternehmer und Konzerne. Das hat sich zuletzt gezeigt am blamablen Einknicken des FPÖ-Verkehrsministers Norbert Hofer vor der Frächterlobby. Das zeigt sich aktuell und besonders brisant an der leidigen Causa Karfreitag.

    Hartinger-Klein, Hofer und Faßmann sollen sich schämen

    Da sorgt das "Drüberfahren über die Evangelischen" für berechtigte Empörung. Auch außerhalb der evangelischen Kirche. Denn wieder einmal wird ohne ausreichende Begutachtung ein rechtlich zweifelhaftes Gesetz durchs Parlament gepeitscht. Nicht einmal im Zusammenhang mit den Rechten und Traditionen einer Religionsgemeinschaft sieht diese Regierung entsprechende Sensibilität für angebracht. Einer christlichen Minderheitskirche die Religionsausübung zu beschneiden und ihren wichtigsten Feiertag zu kappen zeugt zudem von beispielloser Unverfrorenheit. Vor allem jene Regierungsmitglieder, die der evangelischen Kirche angehören, nämlich Hartinger-Klein, Norbert Hofer und Heinz Faßmann, mögen sich schämen.

    Es ist dies nicht zuletzt auch eine demokratiepolitisch und menschenrechtlich höchst bedenkliche Vorgangsweise. Dabei wäre die nach dem EuGH-Urteil logischste Konsequenz gewesen, den Karfreitag für alle zum Feiertag zu machen. Eine Forderung, die der evangelische Bischof Michael Bünker immer wieder in die Diskussion eingebracht hatte. In bewährter Manier versucht die türkis-blaue Regierungstruppe nun den Spieß umzudrehen. In bisher kaum registrierter Perfidie hat der für Religionen zuständige Kurz-Vertraute Gernot Blümel den Ball an Bünker weitergespielt.

    Bünker als Sündenbock

    Allen Ernstes hat Blümel in der "ZiB 2" die nunmehrige unbefriedigende Karfreitagslösung mit einer angeblichen Zustimmung Bünkers gerechtfertigt. Der Bischof hatte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings von seiner ersten Reaktion, es handle sich um eine positive Lösung mit Wermutstropfen, bereits deutlich distanziert. Dennoch steht Bünker, anerkannt und gelobt für seine Verdienste auch über Kirchengrenzen hinaus, nun als Sündenbock da. Nicht nur seitens Blümels, sondern auch kirchenintern.

    Statt den Regierungskoordinatoren Blümel und Hofer schwappt nun Bünker eine Welle von Kritik entgegen. Ja, sogar von Verrat an der eigenen Glaubensgemeinschaft ist mancherorts die Rede. Ein engagierter Kirchenmann wie Bünker verdient das aber beileibe nicht, er hat das Erscheinungsbild der evangelischen Kirche in seiner zwölfjährigen Amtszeit äußerst positiv geprägt. Was bleibt, ist auch grundsätzlich ein schaler Nachgeschmack.

    Einmalige Demütigung

    Eine Glaubensgemeinschaft, die in ihrer Geschichte bis weit ins vergangene Jahrhundert nicht wenig Leid erfahren hat, von Regierungsseite her derart zu demütigen und zu desavouieren, ist wohl einmalig in der Zweiten Republik. Oder sind wir bereits in der dritten angelangt? Manche Entwicklungen in diesem Land, wie die Infragestellung von Grundrechten sowie Revanchegelüste gegenüber einer Minderheitskirche, die sich immer wieder auch regierungskritisch zu menschenrechtlich bedenklichen Erscheinungen geäußert hat, lassen diesen Schluss zu. (Udo Bachmair, 28.2.2019)

    • Warum nicht ein Feiertag für alle?
      foto: apa/techt

      Warum nicht ein Feiertag für alle?

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