Britische Unternehmen im Brexit-Stimmungstief

    28. Februar 2019, 15:15
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    Besonders Dienstleister fürchten den EU-Austritt. Die politische Unsicherheit belastet die Unternehmen

    London – Die Stimmung der britischen Unternehmen ist so schlecht wie seit dem Brexit-Referendum Mitte 2016 nicht mehr. Der entsprechende Index fiel im Februar auf vier Prozent, wie aus dem Lloyds Bank Business Barometer hervorgeht. Bei den Dienstleistern nahm der Pessimismus deutlich zu, während es in der Industrie und der Baubranche optimistischere Einschätzungen gab.

    "Die politische Unsicherheit hat das Vertrauen der Unternehmen eindeutig beeinträchtigt", sagte Lloyds-Ökonom Hann-Ju Ho angesichts der unklaren Konditionen für den geplanten EU-Austritt. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die kurzfristigen Aussichten für das Wirtschaftswachstum weiter abgeschwächt haben." Es bestehe aber Potenzial für eine Erholung, sollten die Unsicherheiten weichen.

    Vom Kurs abgewichen

    Premierministerin Theresa May war am Dienstag überraschend von ihrem Brexit-Kurs abgewichen und hatte erstmals eine Verschiebung des für den 29. März vorgesehenen EU-Austritts in Aussicht gestellt. Der Meinungsumschwung wird auf Widerstand im Kabinett zurückgeführt. Minister drohten damit, das Handtuch zu werfen, falls May ihre Verhandlungsstrategie mit der Drohung eines ungeregelten Brexits nicht ändere.

    Gegen Verschiebung

    Der Chef des britischen Luxusauto-Bauers Aston Martin hat sich deutlich gegen eine mögliche Verschiebung des Brexit-Termins ausgesprochen. "Ich würde das als weiteres Ärgernis einstufen", sagte der Vorstandschef des traditionsreichen Autobauers, Andy Palmer, am Donnerstag zu Reuters. Wenn man die für den Fall eines ungeregelten britischen Austritts aus der EU gebildeten Notfall-Lagerbestände länger vorhalten müsse, bedeute das, dass das Kapital länger gebunden sei, sagte er. Außerdem werde damit nur noch mehr Unsicherheit erzeugt.

    foto: reuters / andrew yates
    Spricht sich gegen eine Verschiebung des Brexits aus: Andy Palmer, Chef von Aston Martin.

    Für 2018 hat Aston Martin, der bevorzugte Autobauer des Film-Spions James Bond, den Absatz um 26 Prozent und die Umsätze um 25 Prozent gesteigert. Der bereinigte Vorsteuergewinn fiel allerdings um sieben Prozent auf 68 Mio. Pfund (79,5 Mio. Euro) – noch ohne Berücksichtigung der Kosten des Börsengangs im Oktober von insgesamt 136 Mio. Pfund. 2019 solle ein weiteres Wachstumsjahr werden, allerdings bleibe der Brexit ein großer Unsicherheitsfaktor für die Branche.

    30 Millionen Pfund als Rücklage

    Um vor Störungen durch den Brexit gewappnet zu sein, hat Aston Martin eine Rückstellung von 30 Mio. Pfund (35 Mio. Euro) gebildet.

    Wie andere Autobauer mit internationalen Lieferketten hat auch Aston Martin Teilelager im Millionenwert in Großbritannien angelegt und sich darauf vorbereitet, bei einem Zusammenbruch der Hafenabfertigung Komponenten einfliegen zu lassen.

    Die britische Autoindustrie wird vor dem Brexit stark in Mitleidenschaft gezogen: Honda will sein Werk im südenglischen Swindon mit 3500 Beschäftigten schließen, und zuvor hatte Nissan Pläne aufgegeben, die neue Version seines Geländewagens X-Trail in Großbritannien zu bauen. Auch der ursprünglich britische Luxushersteller Jaguar Land Rover und der US-Autobauer Ford haben Stellenkürzungen in dem Land angekündigt.

    Wirtschaft in Schockstarre

    Erst im Jänner meldete die britische Handelskammer, dass sich die Wirtschaft derzeit in einer Schockstarre befinde. Die andauernde Unsicherheit über den Brexit und die künftigen Handelsbeziehungen zu Europa schlagen nun auf die Konjunktur durch. Unternehmen scheuten sich vor wichtigen Investitions- und Zukunftsentscheidungen und hielten diese zurück, sagte Adam Marshall, Chef der britischen Handelskammern (BCC). Zugleich ist der Umsatz in dem in Großbritannien dominierenden Dienstleistungssektor laut BCC Ende 2018 so langsam gewachsen wie seit zwei Jahren nicht mehr.

    Dazu passt, dass die Notenbank in London für das vierte Quartal 2018 eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf 0,2 Prozent erwartet. Im Sommer war noch ein Plus von 0,6 Prozent herausgesprungen. (Reuters, red, 28.2.2019)

    • Die Unklarheiten über den Ausstieg aus der EU belasten die britische Konjunktur. Unternehmer halten wichtige Investitionen zurück.
      foto: ap / alastair grant

      Die Unklarheiten über den Ausstieg aus der EU belasten die britische Konjunktur. Unternehmer halten wichtige Investitionen zurück.

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