Sowjetische Venussonde könnte noch heuer die Erde treffen

    2. März 2019, 08:00
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    Großteil der gescheiterten Mission blieb seit Jahrzehnten im Erdorbit. Nun könnte die Venuslandestufe früher heimkehren als vermutet

    Im Erdorbit kreist eine ganze Menge Müll, der Großteil davon besteht weitgehend aus kleinen Trümmern. Allerdings existiert dort auch das eine oder andere größere Wrackteil. Eines davon könnte demnächst unerwartet die Umlaufbahn verlassen und zur Erde zurückkehren: Das veritable Stück Weltraumschrott gehörte ursprünglich zur Sonde Kosmos 482, einem sowjetischen Forschungssatelliten, der am 31. März 1972 losgeschickt worden war.

    Ziel der Sonde war die Venus, doch die Mission schlug gleich zu Beginn fehl; sie schaffte es nicht einmal über die Erdumlaufbahn hinaus. Ein Teil des auseinander gebrochenen Raumschiffs regnete in Form von kleinen Trümmern auf die Erde herab, ein größeres Fragment dagegen blieb in der Erdumlaufbahn, darunter die 495 Kilogramm schwere Landestufe.

    Unerwartet frühe Rückkehr

    Bisher war man davon ausgegangen, dass dieser Teil der Kosmos-482-Sonde irgendwann zwischen 2023 und 2025 zur Erde fällt, doch mittlerweile scheint klar, dass man sich diesbezüglich verrechnet haben dürfte. Aktuellen Untersuchungen zufolge könnte die Venuslandestufe tatsächlich noch heuer in die Erdatmosphäre eintreten.

    Das Fragment befindet sich derzeit in einem extrem elliptischen Orbit, mit einer maximalen Erdferne von 2.409 Kilometern und einem erdnächsten Punkt von 210 Kilometern. Damit liegt die durchschnittliche Höhe der Umlaufbahn bei 1.309 Kilometer. Im vergangenen Jahr lag sie noch bei 1.367 Kilometer.

    Sinkende Umlaufbahn

    Obwohl die Umlaufgeschwindigkeit bisher noch für einen stabilen Orbit gesorgt hatte, lassen die jüngsten Beobachtungen darauf schließen, dass sich dies binnen kürzester Zeit vermutlich ändern wird. Normalerweise könnte man davon ausgehen, dass derartiger Weltraummüll in der Erdatmosphäre verglüht, ehe er den Boden erreicht.

    Bei Kosmos 482 allerdings liegt die Sache etwas anders. Die Sonde war letztlich dafür gebaut worden, auf der Venusoberfläche zu landen, einer Umgebung von enorm hohen Temperaturen und mit extrem dichter Atmosphäre. Die sowjetische Venuslandestufe wird daher mit hoher Wahrscheinlichkeit den Abstieg durch die Erdatmosphäre zum Großteil überstehen, vermuten Experten.

    Gebaut für extreme Bedingungen

    Immerhin hat es ihre Schwesternsonde Venera 8, die vier Tage vor Kosmos 482 losgeschickt worden war, nicht nur bis zur Venus geschafft, sondern landete sogar erfolgreich auf ihrer Oberfläche, wo sie bei einer Umgebungstemperatur von 462 Grad Celsius mehr als 50 Minuten überlebte und Daten zur Erde geschickt hat. Dass Kosmos 482 in einem Feuerball gänzlich vernichtet wird, dürfte daher wohl eher nicht passieren.

    Von einer echten Gefahr gehen die Wissenschafter dennoch nicht aus. Die meisten größeren Weltraummüllteile stürzen über dem Ozean zur Erde. Vermutlich dürfte dies auch auf Kosmos 482 zutreffen. Abgesehen davon: Selbst wenn die sowjetische Venussonde über Land niedergehen sollte, halten es die Experten für extrem unwahrscheinlich, dass Menschen von dem Trümmern unmittelbar bedroht werden könnten. Immerhin hat es bisher noch nie einen bekannten Todesfall durch herabregnenden Weltraummüll gegeben. (tberg, 2.3.2019)

    • Venera 8, die Schwesternsonde der gescheiterten Sonde Kosmos 482, erreichte am 22. Juli 1972 als erste Sonde erfolgreich die Oberfläche der Venus.
      foto: nasa

      Venera 8, die Schwesternsonde der gescheiterten Sonde Kosmos 482, erreichte am 22. Juli 1972 als erste Sonde erfolgreich die Oberfläche der Venus.

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