China kündigt harte Strafen für Änderungen am Erbgut von Babys an

    27. Februar 2019, 17:23
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    Berufsverbot und empfindliche Geldstrafen sollen abschrecken – Studiendesign He Jiankuis müsste Behörden aber bekannt gewesen sein

    Peking/Wien – Der Fall He Jiankui zeigt Folgen: Die chinesische Regierung hat harte Strafen für Wissenschafter angekündigt, die Änderungen am Erbgut von menschlichen Babys vornehmen. Ein neues Regelwerk stuft Genmanipulationen bei Menschen als "hohes Risiko" ein und sieht Geldstrafen von umgerechnet bis zu 13.000 Euro vor. Forscher, die "illegale Einkommen" für ihre Studien erhalten, werden zudem mit Strafen vom bis zu Zwanzigfachen der Höhe ihrer Bezüge rechnen müssen. Last but not least droht ein lebenslanges Berufsverbot.

    Der Anlass

    Die Regierung in Peking reagierte damit auf die Geburt der weltweit ersten Designerbabys in China im November. Der chinesische Wissenschaftlicher He Jiankui hatte deren Ergbut zuvor verändert und damit international scharfe Kritik ausgelöst. Bisher waren derartige Eingriffe in China zwar verboten, allerdings standen auf Verstöße keine Strafen.

    Der im Jänner von seiner Uni entlassene Wissenschafter hatte bei seinen Experimenten die DNA der Babys nach eigenen Angaben so verändert, dass die Kinder vor einer HIV-Infektion geschützt sein sollen. Insgesamt acht Paare hätten sich an den Studien beteiligt, wobei die Väter HIV-positiv und die Mütter HIV-negativ gewesen seien.

    Im Internet einsehbar

    Eine pikante Note: Die chinesischen Behörden müssten – nach allen unmittelbar nach dem Auffliegen der Affäre bekannten Details – von den Arbeiten von He Jiankui und seinem Team eigentlich gewusst haben. Das Design der Studie an der Southern University of Science and Technology (Shenzhen) war offenbar seit 2017 im Internet im chinesischen Register für klinische Studien einsehbar. Über das Chinese Clinical Trial Registry kam man weiter auf ein chinesisches Formular, welche das vom zuständigen Ethikkomitee genehmigte Protokoll als Plan für die Arbeiten enthalten dürfte – mit Stempel versehen.

    Wer jetzt auf der Homepage des Chinese Clinical Trial Registry nachsieht, findet folgenden Vermerk: "Zurückgezogen, weil die Antragsteller die Daten der individuellen Teilnehmer nicht für eine Sicherheitsüberprüfung (...) bereitstellen können." Das Zurückziehen der Studie sei "retrospektiv", also im Nachhinein, erfolgt.

    Eingriff mit möglichen Nebenwirkungen

    Abgesehen vom prinzipiellen Tabubruch der Forschungen He Jiankuis hat der Fall auch im Konkreten heikle Aspekte. Fragwürdig sei der Sinn einer gentechnischen Aids-Prophylaxe alleine schon dadurch, dass durch eine wirksame antiretrovirale medikamentöse Prophylaxe die Möglichkeit einer HIV-Infektion beim Ungeborenen auf einen extrem niedrigen Prozentsatz sinkt, erklärte etwa Nobelpreisträger David Baltimore.

    Dass He das Gen CCR5 – einen Co-Rezeptor für HIV auf Zellen, ohne den keine Infektion erfolgt – in den Embryos entfernte, könnte laut einer US-Studie zudem Folgen für die kognitiven Leistungen der Designerbabys haben. Durch den Eingriff könne sich die Gedächtnisleistung bei Menschen deutlich verbessern, sagte der Neurobiologe Alcino Silva, der eine Studie an der University of California in Los Angeles leitete. Die vergangene Woche in der Zeitschrift "Cell" veröffentlichte Studie aus Kalifornien legt außerdem nahe, dass sich Menschen, bei denen das CCR5-Gen auf natürliche Weise fehlt, schneller von einem Schlaganfall erholen. (APA, red, 27. 2. 2019)

    • Hat eine Menge Staub aufgewirbelt: He Jiankui.
      foto: ap photo/kin cheung

      Hat eine Menge Staub aufgewirbelt: He Jiankui.

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