Drogistin Taschl: "Regelschmerzen nicht ignorieren"

    Interview28. Februar 2019, 09:05
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    Viele Frauen schlucken Schmerzmittel, um während ihrer Regel mithalten zu können. Das müsste nicht sein, sagt die Soziologin und Drogistin Bianca Taschl

    STANDARD: Wie gehen Frauen mit Regelschmerzen um?

    Taschl: Viele, die besonders starke Schmerzen haben, greifen sofort zum Schmerzmittel, weil sie anders nicht durch den Tag kommen und nur so leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben. Schmerzen erhöhen den Druck und die Anstrengungen des Alltags. Es gibt im Arbeitskontext zu wenig Raum für Gesundheit, bei Regelschmerzen noch weniger. Oft ist es schon schwer, sich einen halben Tag freizunehmen.

    STANDARD: Wieso ist das wichtig?

    Taschl: Die Möglichkeit zu haben, sich während der Menstruation zurückzuziehen, senkt die nervliche Anspannung und verbessert die Gesundheit. Durch die Beschäftigung mit dem eigenen Körper, Bauchmassagen und bestimmte Kräutertees können Menstruationsschmerzen gelindert werden.

    STANDARD: Viele Frauen halten Schmerzen für normal.

    Taschl: Ja, sie nehmen sie als gegeben hin. Das heißt auch, dass eine Erkrankung wie Endometriose lange bestehen kann, bevor sie diagnostiziert wird.

    STANDARD: Thematisieren hilft?

    Taschl: Definitiv. Es braucht mehr Sichtbarmachung. Schon in frühen Jahren wird insbesondere Frauen eine entfremdete Perspektive auf den eigenen Körper anerzogen. Als weiblich wahrgenommene Körperbereiche sind gesellschaftlich kaum besprechbar. Unternehmen sollten Themen wie Menstruation daher ehrlich zur Sprache bringen und Regelungen, wie freie Tage während der Menstruation, nicht nur als Imageprojekt andenken.

    STANDARD: Wie gelingt das?

    Taschl: Wird das Thema tabuisiert, hilft die Option, sich menstruationsfrei nehmen zu können, auch nicht. Sie muss Teil der Organisationskultur sein und von allen unterstützt werden. Es hilft auch, wenn im Umfeld ein Bewusstsein dafür besteht, was Menstruationsschmerzen im Alltag bedeuten.

    STANDARD: Gibt es Nachteile?

    Taschl: Negative Stereotype und Vorurteile könnten bedient werden. Das schafft Raum für Ungleichheit. (Bernadette Redl, 28.2.2019)

    Info

    Die Reihe STANDARD-Zyklus beschäftigt sich mit grundlegenden medizinischen, gesellschaftlichen, ökonomischen sowie ökologischen Fragen rund um das Thema Menstruation.

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