Fernstes Objekt des Sonnensystems im Kuipergürtel erspäht

    Video3. März 2019, 14:00
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    US-Astronomen entdeckten per Zufall einen Himmelskörper, der die Sonne in 140 Astronomischen Einheiten umkreist

    foto: nasa/jpl-caltech
    Im fernen Kuipergürtel verbergen sich offenbar so manche bisher unbekannte Objekte.

    Washington – Es ist kaum zwei Monate her, da haben US-Astronomen die Entdeckung des bis dahin am weitesten entfernten Objekts des Sonnensystems verkündet. Der vermutlich kugelförmige Himmelskörper 2018 VG18, informell als "FarOut" bezeichnet, umrundet die Sonne in einer durchschnittlichen Distanz von 120 Astronomischen Einheiten (AU, eine Astronomische Einheit entspricht der Distanz zwischen Erde und Sonne), also rund 18 Milliarden Kilometer. Zum Vergleich: Der ehemalige Planet Pluto, vor 13 Jahren zum Zwergplaneten herabgestuft, umkreist unser Zentralgestirn in einem Abstand von 34 AU.

    Nun aber wurde ein Objekt erspäht, das offensichtlich noch bedeutend weiter draußen seine Kreise zieht: "FarFarOut", so der vorläufige Name des neuen Rekordhalters, befindet sich etwa 140 AU von der Sonne entfernt und wurde vom selben Team ausgemacht wie FarOut.

    carnegie science
    Video: Die Suche nach Planet Neun. Ab Minute 39 geht es um FarFarOut.

    Zufallsfund

    Die Gruppe um Scott Sheppard von der Carnegie Institution for Science in Washington DC stolperte gleichsam über den Brocken bei ihrer Suche nach einem wesentlich spektakuläreren, wenn auch bisher nur hypothetischen Himmelskörper: Die Wissenschafter vermuten dort draußen im Kuipergürtel einen riesigen Planeten von bis zu zehnfacher Erdmasse, auf den die ungewöhnlichen Umlaufbahnen einiger transneptunischer Objekte hinzuweisen scheinen.

    FarFarOut erwies sich dabei letztlich als unverhoffter Zufallsfund. Nachdem ein Vortrag verschoben werden musste, nutzte Sheppard die geschenkte Zeit zur Analyse von Beobachtungsdaten: "Gestern hat es geschneit und ich hatte nichts zu tun. Ich dacht mir also, dass ich mir ein paar unserer Daten nochmal genauer ansehen könnte", erklärte der Astronom. Dabei fiel ihm gemeinsam mit seinen Kollegen Dave Tholen von der University of Hawaii und Chad Trujilo von der Northern Arizona University die nunmehrige Entdeckung praktisch in den Schoß.

    Mysteriöses Objekt

    Vorerst bleibt das ferne aufgrund von Beobachtungsdaten des Blanco 4-Meter-Teleskop in Chile und des Subaru 8-Meter-Teleskop nachgewiesene Objekt ein Mysterium, so Sheppard: "Es ist außerordentlich lichtschwach und befindet sich am äußersten Rand unserer Wahrnehmungsmöglichkeit", so der Wissenschafter. "Mit anderen Worten: Wir wissen praktisch nichts darüber, außer, dass es sich wirklich weit draußen befindet." Seine Größe und konkrete Umlaufbahn sollten demnach weitere Untersuchungen in den kommende Monaten ergeben.

    Freilich geht es bei diesem Himmelkörper um die durchschnittliche Umlaufbahn, schränken die Fortscher ein. Zahlreiche andere Objekte, die sich auf wesentlich elliptischeren Orbits befinden, entfernen sich bisweilen noch viel weiter von der Sonne. Der 2003 entdeckte Zwergplanet Sedna beispielsweise entfernt sich auf seiner extrem langestreckten Umlaufbahn sogar bis zu 900 AU von unserem Zentralgestirn. Letztlich dürften Objekte in der gigantischen Oortschen Wolke, deren innerer Rand theoretisch bei 5.000 AU angesetzt wird, noch so einige Entfernungs-Rekordhalter bereit halten. (tberg, 3.3.2019)

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