Spike Lees Bauchweh mit dem Oscar für "Green Book"

    27. Februar 2019, 19:13
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    Die Antirassismuskomödie Peter Farrellys stößt nicht nur bei Afroamerikanern auf Ablehnung

    Die 91. Oscarverleihung in Los Angeles stieß durchaus nicht bei allen auf Begeisterung. Nach der Bekanntgabe von "Green Book" als "Bestem Film" gestikulierte US-Regisseur Spike Lee wild mit den Armen. Anschließend versuchte er aus dem Saal zu stürmen. Die Dankesrede des Green-Book-Teams verfolgte Lee mit dem Rücken zur Bühne.

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    Lees Film "BlacKkKlansman" war ebenfalls in der Königskategorie der Oscars nominiert. Doch Lee schien nicht allein von Neid geplagt. Peter Farrellys Komödie Green Book verabreicht ihre antirassistische Botschaft mit dem Holzhammer. Ein italienischstämmiger Chauffeur (Viggo Mortensen) kutschiert einen feinnervigen Jazzpianisten (Mahershala Ali) in der Ära Kennedy durch den US-Süden.

    Showtunes mit Klassikeinschlag

    Pianist Dr. Don Shirley ist Afroamerikaner (und eine historische Figur). Im Film hört und sieht man den kultivierten Mann Showtunes mit Klassikeinschlag musizieren. Die brachiale Rassentrennung im Süden beschwört allerlei Horrorsituationen herauf, die der weiße, Hühnerhaxen abnagende Fahrer bereinigen muss. Man könnte sagen: Don Quijote und Sancho Pansa haben miteinander Pferd und Esel getauscht.

    Schon länger vor den Oscars wurden im "Green-Book"-Umfeld Misstöne vernommen. Je ein Bruder und ein Neffe von Don Shirley (1927–2013) bezeichneten den arg schematischen Film als "eine Symphonie von Lügen". Bereits im November löste Darsteller Mortensen Kontroversen aus, als er auf einer Diskussionsveranstaltung in L.A. das "N-Wort" benutzte, während er ausgerechnet den Rassismus in den USA anprangerte. Filmpartner Mahershala Ali soll gekränkt gewesen sein. Ali (44), selbst bester "Nebendarsteller", entschuldigte sich wiederum bei den Shirleys. "Sehr respektvoll", wie die Hinterbliebenen anerkennend feststellten.

    Das Unbehagen an dem Oscar-Gewinnerfilm "Green Book" brachte Spike Lee auf den Punkt. Er sei sich wie auf einem Ehrenplatz am Basketballfeld vorgekommen, und dem Schiedsrichter sei "ein böser Fehler" unterlaufen. (Ronald Pohl, 27.2.2019)

    • Frisch gekürter Drehbuch-Oscar-Gewinner –  und dennoch mit dem Königspreis für "Green Book" höchst unglücklich: Spike Lee, Regisseur von "BlacKkKlansman".
      foto: frederic j. brown/apa

      Frisch gekürter Drehbuch-Oscar-Gewinner – und dennoch mit dem Königspreis für "Green Book" höchst unglücklich: Spike Lee, Regisseur von "BlacKkKlansman".

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