Als Tyrannosaurier noch Mauerblümchen waren

    27. Februar 2019, 16:40
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    Die Spitzenprädatoren der späten Kreidezeit standen sehr lange im Schatten größerer Räuber, wie ein neuer Fossilienfund zeigt

    illustration: jorge gonzalez
    Moros intrepidus war ein Tyrannosaurier im Miniaturformat – und trotzdem ein guter Jäger.

    Raleigh – Über zwölf Meter lang und fast sieben Tonnen schwer, war Tyrannosaurus rex in den letzten paar Millionen Jahren der Kreidezeit der unbestrittene Spitzenprädator Nordamerikas, ehe der Asteroid einschlug. So ist er in die Geschichte und in die Populärkultur eingegangen. Doch dieses spektakuläre Abschlusskapitel des Dino-Zeitalters hatte eine sehr lange Vorgeschichte, und die war eher von Bescheidenheit geprägt.

    Die unmittelbare Verwandtschaft von T. rex, die Tyrannosauroidea, ist noch einmal 100 Millionen Jahre älter als ihr berühmtester Vertreter. Über lange Zeit standen die Tiere aber im Schatten anderer Gruppen fleischfressender Theropoden, etwa der Allosaurier. Diese hatten zwar einen grundsätzlich sehr ähnlichen Körperbau, bei näherem Hinsehen fallen jedoch Unterschiede auf: So waren etwa ihre Arme nicht ganz so weit zurückgebildet wie bei den späteren Tyrannosauriern.

    Lange Lücke

    Aus Nordamerika kannte man bislang 150 Millionen Jahre alte Fossilien von frühen und noch eher kleinwüchsigen Tyrannosauroidea – und eben die berühmten Riesen aus der späten Kreidezeit. Dazwischen klaffte eine gewaltige zeitliche Lücke, die Forscher um Lindsay Zanno von der North Carolina State University endlich schließen wollten.

    Und mit einem neuen Fund ist ihnen dies auch geglückt: Sie entdeckten im US-Bundesstaat Utah fossilierte Zähne und Teile des Beinskeletts einer bislang unbekannten Tyrannosaurierart. Diese Spezies, die den Namen Moros intrepidus erhielt, hatte eine Hüfthöhe von nur etwa einem Meter – vergleichbar mit einem nordamerikanischen Maultierhirsch von heute. Die Forscher schätzen, dass das Tier zum Zeitpunkt des Todes etwa sieben Jahre alt und fast ausgewachsen war.

    In derselben Gesteinsformation hatten die Forscher zuvor schon die Überreste eines wesentlich größeren Räubers entdeckt. Siats meekerorum aus der Verwandtschaft der Carcharodontosaurier soll an die zwölf Meter lang und vier Tonnen schwer gewesen sein. Er wäre somit ein Vertreter alteingesessener Raubsaurierdynastien gewesen, vor denen sich der Mini-Tyrannosaurier von Utah – damals eine üppige Flussdeltalandschaft – in Acht nehmen musste.

    Vom Mauerblümchen zum Ballkönig

    96 Millionen Jahre ist nicht sonderlich alt – nur 15 Millionen Jahre später gab es bereits die ersten Riesenversionen von Tyrannosauriern. In diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum schaffte die T. rex-Verwandtschaft also den Sprung "vom Mauerblümchen zum Ballkönig", wie es Zanno ausdrückt.

    Im Schatten der älteren Riesen hatten die flinken kleinen Tyrannosaurier einige Anpassungen – unter anderem verbesserte Sinnesorgane – entwickelt, die ihnen später zugute kamen, so die Paläontologin. Als sich das Klima in der späten Kreidezeit veränderte und einen Anstieg des Meeresspiegels und Umschichtungen in den Ökosystemen mit sich brachte, seien die Tyrannosaurier damit bereit gewesen, die Macht zu ergreifen. Wenn auch im Rückblick betrachtet nicht für allzu lange. (jdo, 27. 2. 2019)

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