Cohen will Trump als Rassisten und Betrüger bezeichnen

    27. Februar 2019, 10:12
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    Öffentliche Abrechnung: Der US-Präsident hat sich angeblich vor dem Vietnam-Krieg gedrückt

    Washington – Der Ex-Anwalt von Donald Trump, Michael Cohen, will den US-Präsidenten bei seiner Aussage vor dem Kongress als Betrüger bezeichnen und Belege für seine Vorwürfe liefern. Das geht aus Cohens vorbereiteter Eingangserklärung hervor, die vom US-Portal Politico.com in der Nacht auf Mittwoch veröffentlicht wurde.

    Demnach will Cohen über Trump sagen: "Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger." In Cohens Statement heißt es zudem, Trump habe im Voraus von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks im Wahlkampf 2016 gewusst, was dieser immer abgestritten hat. So habe der Trump-Berater Roger Stone dem jetzigen Präsidenten von einem Telefonat mit Wikileaks-Gründer Julian Assange berichtet. Dieser habe eine Veröffentlichung von Emails zum Schaden von Clinton angekündigt.

    "Ironie" Vietnambesuch

    Trump bezichtigte seinen früheren Anwalt am Mittwoch, die Unwahrheit zu sagen. "Er lügt, um seine Gefängniszeit zu verringern", schrieb der Präsident auf Twitter. "Michael Cohen war einer von vielen Anwälten, die mich vertreten haben (leider)." Trump hält sich derzeit für ein Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machtaber Kim Jong-un in Hanoi auf.

    Cohen nennt es in dem Statement "ironisch", dass Trump während seiner Aussage vor dem Kongress ausgerechnet in Vietnam sei. Cohen vermittelt in seinem Statement den Eindruck, dass Trump sich während des Vietnam-Krieges vor dem Militärdienst gedrückt haben könnte.

    Fersensporn

    Die USA unterstützten Südvietnam während des Vietnamkrieges militärisch. Ab März 1965 entsandte die US-Regierung immer mehr Bodentruppen. 1973 schlossen die USA einen Waffenstillstand mit Nordvietnam.

    Trump soll während des Vietnam-Kriegs wegen eines Fersensporns ausgemustert worden sein, also wegen eines schmerzhaften Auswuchses am Fußknochen. In Cohens Statement heißt es nun, Trump habe ihn im Wahlkampf 2016 damit beauftragt, sich um die schlechte Berichterstattung in den Medien wegen seiner Ausmusterung zu kümmern. Trump habe ihm auf seine Bitten hin aber keine Belege für einen Fersensporn vorgelegt. Er habe ihm stattdessen gesagt: "Denkst Du, ich bin blöd, ich wäre doch nicht nach Vietnam gegangen."

    Zentrale Figur

    In einer mit Spannung erwarteten öffentlichen Anhörung will sich der Ex-Anwalt von Trump am Mittwoch Fragen von Abgeordneten im Kongress stellen. Der 52-Jährige, der mehr als ein Jahrzehnt für Trump gearbeitet hat, ist eine zentrale Figur in mehreren Affären um den Präsidenten. Cohen sagt in dieser Woche mehrfach vor dem US-Kongress aus. Am Dienstag hatte er sich hinter verschlossenen Türen vor dem Geheimdienstausschuss des Senats geäußert.

    In Cohens vorbereiteter Aussage für Mittwoch heißt es, er habe keine direkten Beweise dafür, dass Trump oder sein Wahlkampfteam 2016 Geheimabsprachen mit Russland getroffen hätten. Er habe aber den Verdacht, dass Trump von einem Treffen von Vertretern des Wahlkampfteams mit Russen im Juni 2016 gewusst habe. FBI-Sonderermittler Robert Mueller untersucht, ob es solche Geheimabsprachen gegeben hat. Cohen kooperiert mit Mueller.

    Schwarze "zu dumm"

    Zum Rassismus-Vorwurf heißt es in Cohens Aussage, Trump habe ihm gesagt, dass Schwarze ihn nie wählen würden, weil sie "zu dumm" seien. Trump habe ihn außerdem gefragt, ob er ein Land kenne, das von einem Schwarzen regiert werde und das kein "Drecksloch" sei. Zu dem Zeitpunkt sei Barack Obama US-Präsident gewesen.

    Cohen sagt dem Statement zufolge, dass Trump übertriebene Angaben zu seinem Vermögen gemacht habe, wenn es seinen Zielen zugutegekommen sei – zum Beispiel bei der Platzierung auf der "Forbes"-Reichenliste. Dann habe Trump sein Vermögen wieder kleingerechnet, um Steuern zu sparen. Zu den Belegen, die Cohen dem Kongress vorlegen will, gehören nach seiner Aussage Kopien von Vermögensbilanzen aus den Jahren 2011 bis 2013, die Trump der Deutschen Bank vorgelegt haben soll.

    Schweigegeld

    Cohen sagt in der Erklärung, zu seinen Aufgaben habe früher gehört, auf Anweisung Trumps Geschäftsleute anzurufen, um ihnen zu sagen, dass Trump sie für ihre Leistungen nicht oder nicht wie vereinbart bezahlen werde. Cohen will dem Kongress zudem Kopien von Briefen übergeben, in denen er auf Anweisung Trumps Schulen mit Klagen gedroht habe, wenn sie dessen Noten veröffentlichten.

    Zu den Schweigegeldzahlungen an den Pornostar Stormy Daniels heißt es in Cohens Statement über Trump: "Er bat mich, einen Pornostar zu bezahlen, mit der er eine Affäre hatte, und seine Frau darüber zu belügen, was ich getan habe."

    Cohen hat bereits in der Vergangenheit angegeben, im Auftrag Trumps Schweigegeldzahlungen an Daniels (bürgerlicher Name: Stephanie Gregory Clifford) und an das frühere Playmate Karen McDougal veranlasst zu haben. Beide Frauen geben an, Affären mit Trump gehabt zu haben. Trump bestreitet das.

    Scheck

    In Cohens Aussage heißt es, er wolle dem Kongress eine Kopie eines Schecks von Trumps persönlichem Konto vorlegen, den Trump selber unterzeichnet habe. Dieser Scheck vom 1. August 2017 sei eine der Raten gewesen, mit der Trump ihm die Schweigegeldzahlung an Daniels zurückerstattet habe.

    Cohen hatte 2006 bei der Trump-Organisation angefangen, zuletzt war er dort Vizepräsident. Der 52-Jährige wurde oft als Trumps "Ausputzer" beschrieben. Aber er hat sich von seinem früheren Boss abgewendet und ihn mehr als einmal in Bedrängnis gebracht.

    Trump-Tower

    Im August bekannte er sich vor Gericht wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung und anderer Anklagepunkte schuldig. Im November bekannte sich Cohen zudem schuldig, den Kongress belogen zu haben. Dabei ging es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam. Zu dem Trump-Tower-Projekt hatte Cohen zunächst erklärt, die Pläne seien im Jänner 2016 aufgegeben worden – also noch vor der ersten Abstimmung im Vorwahlkampf der Republikaner.

    Später räumte er unter anderem ein, noch bis ungefähr Juni 2016 versucht zu haben, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Projekt zu erhalten. Seine Bemühungen liefen also in der kritischen Phase von Trumps Wahlkampf weiter. In dem Statement von Mittwoch erklärt Cohen, Trumps Anwälte hätten seine Falschaussage vor dem Kongress im Voraus gesehen und redigiert.

    Cohen war im Dezember zu drei Jahren Haft verurteilt worden und soll seine Strafe im Mai antreten. Trump und das Weiße Haus sind seit Monaten bemüht, Cohen als Lügner zu diskreditieren. Er steht bei der Anhörung vor dem Kongress unter Eid. (APA, 27.2.2019)

    • Michael Cohen, Anwalt.
      foto: reuters/lamarque

      Michael Cohen, Anwalt.

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