Starke These: Rindfleisch und Milch fördern Krebs

    27. Februar 2019, 09:05
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    Der deutsche Nobelpreisträger Harald zur Hausen stellt eine kühne These auf: Die in Produkten von europäischem Rind enthaltenen Faktoren können Krebs auslösen

    Ein Wissenschafter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sieht mögliche Gefahren durch eine bestimmte Klasse von Erregern in Rindfleisch und Kuhmilch: Sogenannte Bovine Meat and Milk Factors (BMMF) könnten chronische Entzündungen verursachen. Es handelt sich zwar noch um eine Hypothese, doch der, der sie aufstellt, ist der Krebsspezialist und Nobelpreisträger Harald zur Hausen.

    Ein höheres Risiko insbesondere für Dickdarm-, möglicherweise auch für Brust- und Prostatakrebs könnte durch BMMF, was immer das ist, hervorgerufen werden, wie Harald zur Hausen in Heidelberg erklärte. Das weltweit zu beobachtende Verteilungsmuster der Neuerkrankungsraten von Darm- und Brustkrebs deute auf einen engen Zusammenhang mit dem Konsum von Milch- und Fleischprodukten vom europäischen Rind (Bos taurus) hin, hieß es vonseiten des DKFZ. Der mittlerweile betagte Wissenschafter zur Hausen hatte 2008 für seine Forschungen, welche die ursächliche Verbindung zwischen Papillomaviren und Gebärmutterhalskrebs belegten, den Medizin-Nobelpreis bekommen.

    Besser meiden

    Das Wissen um die BMMF – bestimmte DNA-Bestandteile – eröffne zugleich Präventionsmöglichkeiten, sagte zur Hausen, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des DKFZ. Muttermilch biete wegen des natürlichen Gehalts an bestimmten Zuckern einen Schutz vor der Aufnahme der Partikel. "Ich rate Müttern, ihre Kinder möglichst lange zu stillen, am besten über zwölf Monate." Säuglinge sollten keinesfalls früh mit Kuhmilchprodukten gefüttert werden, hieß es vonseiten des DKFZ.

    Bei Erwachsenen sei denkbar, ihnen zum Schutz solche Zucker zu verabreichen – sofern die dauerhafte Einnahme keine Nebenwirkungen habe, so zur Hausen weiter. Ein Verzicht auf Rindfleisch und Kuhmilch im Erwachsenenalter bringe nichts, weil man dann schon infiziert sei. Als weitere mögliche Maßnahmen nannte er Impfungen für Rinder und das Herausfiltern der BMMF aus der Milch.

    Plasmiden im Fokus

    Seit einigen Jahren befasst sich zur Hausen mit der Hypothese, dass bei Menschen durch die Ernährung mit Rindfleisch und Kuhmilch Krebs ausgelöst werden könnte. Dabei stießen die Forscher auf ringförmige Erbgutelemente, ähnlich den sogenannten Plasmiden von Bakterien – die BMMF. Eindeutig geklärt sei die Natur der Erreger, deren Charakteristika zwischen Viren und Bakterien lägen, bisher noch nicht. Der Annahme nach können die BMMF im Menschen chronisch-entzündliche Reaktionen auslösen, die im umgebenden Gewebe die Krebsentstehung fördern können. (APA, 27.2.2019)

    • Harald zur Hausen ist ein deutscher Mediziner, der 2008 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Hausens Forschungsgebiet: Krebsentstehung durch Virusinfektionen. Derzeit beschäftigt er sich mit Bovine Meat and Milk Factors: "Das war der Ausgangspunkt der Idee, dass bei Tieren auch solche Virusinfektionen vorliegen könnten, die bei ihnen selbst nicht kanzerogen sind, die aber, wenn sie auf den Menschen übertragen werden, unter Umständen Krebs auslösen können."
      foto: istockphoto

      Harald zur Hausen ist ein deutscher Mediziner, der 2008 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Hausens Forschungsgebiet: Krebsentstehung durch Virusinfektionen. Derzeit beschäftigt er sich mit Bovine Meat and Milk Factors: "Das war der Ausgangspunkt der Idee, dass bei Tieren auch solche Virusinfektionen vorliegen könnten, die bei ihnen selbst nicht kanzerogen sind, die aber, wenn sie auf den Menschen übertragen werden, unter Umständen Krebs auslösen können."

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