"For Anyone but not for Everyone": Ausstellung am Puls der Politik

    27. Februar 2019, 07:00
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    Im Innsbrucker Kunstpavillon geht es um gesellschaftspolitischen Dialog

    Wie soll sich Kunst in politisch ungemütlichen Zeiten verhalten? Die Frage wird kontrovers diskutiert: Die einen sehen die Autonomie der Kunst an den Zeitgeist verraten, die anderen fordern von ihr gerade jetzt kritische Analysen, wenn nicht gar Aktivismus ein.

    Der Ausstellungsbetrieb ist da pragmatischer. Jede Menge Überschriften – Freiheit, Demokratie, Globalisierung, Macht der Sprache – stehen zur Disposition. Kunstschaffende, die sich mit diesen Themen beschäftigen, ebenso. Auch im Innsbrucker Kunstpavillon widmet man sich derzeit Gesellschaftspolitischem. Nicht auf Krawall gebürstet, sondern betont dialogorientiert: For Anyone but not for Everyone. Demokratie ∞ verhandeln ist der Untertitel einer von Ingeborg Erhart und Künstlerin Maria Peters kuratierten Gruppenschau, die danach fragt, wie man diesen Dialog (fort)führt, bzw. wer daran überhaupt teilhaben kann – oder darf.

    foto: anna witt
    Filmstill aus Anna Witts ebenso in der Schau zu sehendem "Chorweiler Beat".

    Friedens- und Fan-Gesänge

    Anna Witts Chorweiler Beat ist ein schönes Beispiel künstlerisch subtil in Gang gesetzter Interaktion: Im als Problembezirk verrufenen Kölner Stadtteil lässt sie Jugendliche den Herzschlag anderer Grätzelbewohner tanzend in Bewegung setzen. Halb Schlachtruf, halb Friedensparole ist Johanna Tinzls 2018 entstandene Intervention am Vorplatz des Grazer Fußballstadions. Mit Immer wieder die Waffen nieder zitiert sie sowohl Bertha von Suttner als auch nationalistische Fan-Gesänge. Darunter entblößt Tinzl jene Reibungen, die im öffentlichen Raum überall vorhanden sind: Etwa die nach dem Kriegstreiber Conrad-von-Hötzendorf benannte Zufahrtsstraße oder ein Werbeplakat mit dem Slogan "Heimvorteil".

    Neben Henrike Naumans filmischem Porträt von sich radikalisierenden Jugendlichen der Post-Wende-Zeit kommt man auch an reichlich pädagogisch angehauchten Plädoyers für ein Miteinander nicht vorbei, darunter Verteidigung der Demokratie, für die Ausstellung aus Christine Eders gleichnamiger Politshow am Volkstheater gefiltert. Am anderen Ende des Spektrums thematisiert Negin Rezaie die Traumata von Identitätsverlust und Gewalterfahrung. (Ivona Jelcic, 27.2.2019)

    • Johanna Tinzls "Immer wieder die Waffen nieder" zitiert Gesänge in Fußballstadien und Bertha von Suttner.
      foto: : daniel jarosch

      Johanna Tinzls "Immer wieder die Waffen nieder" zitiert Gesänge in Fußballstadien und Bertha von Suttner.

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