RAT 8+ im Test: Die modulare "Transformers"-Gamingmaus

    9. März 2019, 10:00
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    Kurios anmutendes Steuergerät bietet viel Anpassbarkeit, aber auch unsignierte Treibersoftware

    Madcatz ist wieder da. Lange ein fixer Bestandteil der Branche für Gaming-Accessoires, musste das Unternehmen 2017 nach rund 28 Jahren Insolvenz anmelden. Jetzt kehrt man unter neuem Management zurück. Das einst amerikanische Unternehmen existiert zwar nicht mehr, eine gleichnamige Nachfolgefirma mit Sitz in Hongkong besitzt nun aber die Rechte.

    Gleich mit einer Reihe von Mäusen der bekannten "RAT"-Reihe sowie diversen anderen Accessoires will man sich wieder gegen Größen wie Logitech oder Razer ins Feld wagen. Der STANDARD hat die RAT 8+ getestet, die mit einem flotten Sensor, vor allem aber auch mit dem bekannten modularen Konzept punkten soll.

    foto: standard/pichler

    Unverwechselbar modular

    Man muss dem Hersteller zugestehen, dass die Mäuse dieser Reihe nach wie vor unverwechselbar aussehen. Der Vergleich mit Transformers-Kampfrobotern liegt nicht weit. In ein völlig anderes Gerät lässt sich die S8+ zwar nicht verwandeln, aber sie bietet insgesamt vier mechanische Anpassungsoptionen.

    Auf beiden Seiten können unterschiedliche Seitenteile befestigt werden, darunter auch Auflagen, auf denen der Daumen bzw. der kleine Finger ruhen können. Aufgrund der asymmetrischen Tastenkonfiguration ist die Maus übrigens nur für Rechtshänder geeignet. Ebenfalls ändern kann man die Ausstattung mit Zusatzgewichten. In beiden Fällen dient ein in der Maus integrierter Sechskantschlüssel für Austausch und Befestigung der Teile.

    Wechseln und nach ergonomischem Bedürfnis verschieben lässt sich auch die Ballenauflage. Hier reicht aber die Betätigung eines kleinen Hebels auf der Seite, um diese in mehreren Stufen einrichten zu können: gerade für größere Hände ein durchaus sinnvolles Feature.

    foto: standard/pichler

    Keine Ersatzgleiter

    In Sachen Verarbeitung macht die Maus einen guten Eindruck, einzig oberhalb der linken Maustaste gibt das Gehäuse stärker nach, als es sollte, was im Betrieb aber nicht weiter störend auffällt. Einen wertigen Eindruck hinterlässt auch das textilumwobene USB-Kabel, das nur geringe Friktion am Untergrund erzeugt und folglich bei der Verwendung der Maus nicht störend auffällt.

    Auf der Unterseite dienen mehrere Teflonpads dazu, den Nager gleiten zu lassen. Während verschiedene Auflagen und Seitenteile beigelegt sind, findet sich für sie kein Ersatz im Lieferumfang. Wie bei praktisch allen Mäusen üblich, sammelt sich am Rand dieser Pads mit der Zeit Staub an, der nur etwas mühselig wieder zu entfernen ist.

    foto: standard/pichler

    Gute Ergonomie für größere Hände

    Ein ästhetisches Problem gibt es mit den gummierten Auflagen, die dabei sind. Diese sind bequem und rutschfest, neigen in der weißen Variante aber zu nicht behebbaren Verfärbungen, die schlicht mit der Zeit durch den Kontakt zur Haut entstehen. Wer dieses Problem umgehen will, sollte eher die schwarze Ausgabe der RAT S8+ ins Auge fassen.

    Alle Buttons lassen sich gut erreichen. Das Mausrad bietet ein gutes Profil, hat aber einen subjektiv wahrgenommen zu festen Druckpunkt. Insgesamt erweist sich die Anpassbarkeit der Maus jedenfalls als großes Plus, auch wenn man sich an die generell eher "üppige" Größe gewöhnen muss. Wer kleinere Steuergeräte bevorzugt, ist hier an der falschen Adresse.

    foto: derstandard.at/pichler
    Die Treibersoftware wirkt altertümlich, ist aber funktional – jedoch auch unsigniert.

    Unsignierte Treibersoftware

    Ein Kuriosum ist definitiv die Treibersoftware. Im Vergleich mit den oft hunderte Megabytes großen Ungetümen anderer Hersteller macht sich das 16 MB große Tool recht schlank aus. Bisher hat es der Hersteller aber noch nicht geschafft, sie signieren zu lassen. Dementsprechend wird man bei der Installation mit einer Warnung des Windows-Smartscreen konfrontiert. Apropos: Für andere Systeme gibt es noch keine Treiber, auch wenn die Maus selbst ganz normal als USB-Eingabegerät erkannt werden sollte.

    Die Oberfläche der Konfigurationssoftware sieht veraltet aus, ist aber funktional. Man findet recht schnell, was man konfigurieren möchte. Die Tasten lassen sich einzeln belegen, neben der Standardausstattung (links, rechts, Mausradtaste, vor, zurück) gibt es einen zusätzlichen "Scope"-Button für Shooterfreunde, die eine Sondereinstellung für genaues Zielen brauchen. Mit einem weiteren Knopf lassen sich die konfigurierten Abtastraten (bis zu 16.000 DPI sind möglich) durchschalten.

    foto: standard/pichler

    Bis zu vier verschiedene Profile lassen sich speichern und bei Bedarf auf die Maus schicken. Auch die im Vergleich zu vielen anderen Gamingmäusen dezente LED-Beleuchtung ist konfigurierbar.

    Der Sensor der RAT S8+, der Pixart PMW 3389, gilt als einer der aktuell besten und enttäuscht im Test nicht. Egal ob ausufernde Bewegungen mit langsamer Abtastrate oder knappe Bewegungen mit hoher DPI-Einstellung: Die Maus reagiert genau und zuverlässig. Auch erkennt sie gut, wenn man sie zur Neupositionierung von ihrer Unterlage abhebt.

    Egal ob "PUBG", "League of Legends" oder andere Games, die schnelle Reaktionen und präzise Klicks verlangen – am Equipment scheitert man hier nicht.

    foto: standard/pichler

    Fazit

    Für knapp 100 Euro liefert das neue Madcatz mit der RAT 8+ eine weitestgehend überzeugende Gamingmaus für Rechtshänder mit etwas größeren Pranken. Sie bietet einen Umfang an ergonomischer Anpassbarkeit, der sie klar von der Konkurrenz abhebt, und einen genauen, zuverlässigen Sensor.

    Schade ist allerdings, dass sich die gummierten Teile der weißen Ausgabe schnell sichtbar und irreversibel verfärben. Etwas Arbeit benötigt auch noch die Treibersoftware, insbesondere die fehlende digitale Signatur sollte man – schon allein aus Sicherheitsgründen – flott nachholen. (Georg Pichler, 9.3.2019)

    Hinweis im Sinne der Leitlinien: Das Testgerät wurde von Madcatz bereitgestellt.

    Links

    RAT S8+

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