Cybertrading-Betrug kostet Anleger in Europa hunderte Millionen

    26. Februar 2019, 12:13
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    Das Ausmaß in Österreich ist noch nicht absehbar. Anlegern wurde suggeriert, dass bei den Transaktionen kaum Risiko bestehe

    Wien – Eine nun zerschlagene Tätergruppe hat mehrere tausend Anleger in ganz Europa via Onlinetrading-Plattformen für binäre Optionen, Forex, Kryptowährungen und ähnliche Finanzprodukte um rund 100 Millionen Euro pro Jahr betrogen, berichtete das Bundeskriminalamt am Dienstag. Wie hoch der Schaden in Österreich ist und wie viele Betroffene es gibt, ist noch unklar.

    Das Büro für Finanzermittlungen des Bundeskriminalamts hatte bereits seit September 2017 zusammen mit dem Landeskriminalamt Niederösterreich unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Feldkirch ermittelt. Die internationale Gruppierung hatte die Opfer vor allem über soziale Netzwerke, Anrufe aus eigens geschaffenen Callcentern und Massenmails angeworben.

    Kaum Risiko

    Den Anlegern wurde suggeriert, dass bei den Transaktionen kaum Risiko bestehe und ab einem gewissen Investment Versicherungen gegen einen Kapitalverlust in Kraft treten würden. Nach den ersten Einzahlungen wuchs das virtuelle Depot auf der Plattform durch mehrere gewonnene Transaktionen rasant an. Den Kunden wurde jedoch eine Auszahlung der Rendite ausgeredet beziehungsweise wurden diese nach inszeniertem Totalverlust zu neuen Einzahlungen verleitet, um den erlittenen Verlust wieder auszugleichen.

    Ebenfalls verschwiegen wurde, dass sich das Geld zu diesem Zeitpunkt bereits in einem aus Tarn- und Scheinfirmen bestehenden Geldwäschenetzwerk befand. Guthaben wurden nicht ausbezahlt, sondern als Verlust ohne Legitimierung des Accountinhabers durchgeführt. All das führte unweigerlich zum Totalverlust des Kapitals. Hinweise auf Rücklagen für tatsächliche Auszahlungen konnten nicht gefunden werden.

    Software entwickelt

    Die Plattformen wurden mit einer Software betrieben, die nicht nur die Kundenverwaltung ermöglichte, sondern auch die Kurse im Sinn der Betrüger beeinflusste, erklärt das Bundeskriminalamt. Diese Programme wurden durch Firmen im Besitz der Täter entwickelt und sogar an weitere Interessenten für kriminelle Machenschaften weiterverkauft.

    Nachdem das Landeskriminalamt Niederösterreich die Spur aufgenommen hatte, kam es nach einem Abgleich mit dem Büro Finanzermittlungen des Bundeskriminalamts zu einer intensiven Zusammenarbeit mit dem deutschen Landespolizeipräsidium Saarland, die zur Gründung eines "Joint Investigation Team" (JIT) durch die zuständigen Staatsanwaltschaften Feldkirch und Saarbrücken führte. Dieses JIT wurde zudem durch die nationalen Vertreter bei Eurojust und Europol unterstützt. Über die österreichischen Verbindungsbeamten wurden Kontakte zu den Behörden in Bulgarien und Tschechien hergestellt, wo wesentliche Teile der Infrastruktur wie Callcenter, Softwareentwicklung und Firmenkonten angesiedelt waren.

    Millionen aus Österreich und Deutschland

    Schließlich schlugen die Ermittler in Abstimmung mit Deutschland zu: Diesem Teil der Gruppierung wird der Betrieb der Tradingplattformen X Trader FX, Optionstars, Optionstars Global, Goldenmarkets, Safe Markets, Cryptopoint und einiger weiterer zugerechnet. Allein über diese Seiten wurde ein Umsatz von zumindest 66 Millionen erwirtschaftet, wobei etwa elf Millionen auf Einzahlungen aus Deutschland und Österreich entfallen. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass sich diese Summen nach genauer Auswertung der sichergestellten Daten noch um ein Vielfaches erhöhen.

    Die europäischen Ermittlungsanordnungen wurden von 28. Jänner bis 1. Februar in Sofia vollzogen. Dabei wurden einige Terabyte Daten, Geschäftsunterlagen und ein sechsstelliger Geldbetrag sichergestellt. Die Räume von 21 Firmen sowie vier Privatadressen von Verdächtigen wurden durchsucht, außerdem 14 Konten sichergestellt und ein Hauptverdächtiger festgenommen. Dieser befindet sich in Auslieferungshaft nach Österreich.

    Konten sichergestellt

    Welcher Teil der Schadenssumme auf Österreich entfällt und wie viele Betroffene es hierzulande gibt, lässt sich vorerst nicht sagen, erklärte Bundeskriminalamtssprecher Vincenz Kriegs-Au der APA. Es wurden zwar mehrere Konten sichergestellt, doch die bisher blockierten hunderttausenden Euro seien "Peanuts" angesichts der enormen Schadenshöhe. Man hoffe jedoch, im Zuge der Ermittlungen noch weitere Gelder sicherstellen zu können.

    Binäre oder digitale Optionen sind laut Bundeskriminalamt hochriskante Termingeschäfte, die Merkmale einer Wette enthalten. Anleger spekulieren auf einen fallenden oder steigenden Kurs. Tritt der vom Anleger prognostizierte Fall ein, so gewinnt er und erhält einen vorher festgelegten Betrag, der typischerweise immer weniger als das Doppelte des eingesetzten Kapitals ausmacht. Tritt der vom Anleger prognostizierte Fall nicht ein, so verfällt die Option als wertlos, und der Anleger verliert sein gesamtes eingesetztes Kapital. In der Regel wird bei diesen Geschäftsmodellen mit außerbörslichen Produkten gehandelt. (APA, 26.2.2019)

    • Rund ein Jahr nach dem mutmaßlichen Bitcoin-Pyramidenspiel Optioment ist ein weiterer Millionenbetrug im Bereich von Online-Anlageplattformen aufgeflogen.
      foto: apa/dpa/oliver berg

      Rund ein Jahr nach dem mutmaßlichen Bitcoin-Pyramidenspiel Optioment ist ein weiterer Millionenbetrug im Bereich von Online-Anlageplattformen aufgeflogen.

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