Indien bombardierte "Terroristen" in Pakistan

    26. Februar 2019, 12:10
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    "Große Zahl" an Islamisten getötet – Pakistans Premier beruft Sondersitzung der Atomkontrollbehörde ein

    Neu-Delhi/Islamabad – Indien hat nach eigenen Angaben ein Terroristencamp in Pakistan angegriffen. Dabei sei in der Nacht "eine sehr große Anzahl" an Mitgliedern der islamistischen Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed (JEM) getötet worden, darunter auch einige Anführer, teilte das Außenministerium am Dienstag mit. Die Rede war von 200 bis 300 getöteten Terroristen.

    Die Anspannung in der Region ist groß, seit bei einem Selbstmordattentat am 14. Februar 46 indische Sicherheitskräfte getötet wurden. JEM beanspruchte die Tat für sich. Es habe "glaubwürdige Informationen" über geplante Selbstmordattentate in mehreren Landesteilen gegeben, sagte Indiens Außenstaatssekretär Vijay Gokhale. Ein Präventivangriff sei "absolut notwendig" gewesen. Landwirtschaftsminister Gajendra Singh Shekhawat schrieb auf Twitter, ein "Terrorcamp" jenseits der Demarkationslinie in der Kaschmir-Region sei "vollständig zerstört" worden.

    Die indische Nachrichtenagentur Asian News International zitierte eine nicht näher bestimmte Quelle der indischen Luftwaffe, die von einem Angriff von zwölf Mirage-2000-Jets und einer Bombardierung mit insgesamt 1.000 Kilogramm Sprengstoff sprach.

    Unklarheit über Angriffsziel

    Zunächst war unklar, wo genau die indischen Luftangriffen erfolgt sind. Indiens Außenministerium nannte Balakot in der nordwestlichen pakistanischen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa als Angriffsziel – eine Stadt außerhalb des teilautonomen pakistanischen Gebiets Kaschmirs. Von pakistanischer Seite hieß es, der Angriff sei innerhalb dieser Zone erfolgt. Die pakistanische Luftwaffe habe die indischen Flugzeuge vertrieben, diese hätten daraufhin ihre Ladung über unbewohntem Gebiet abgeworfen. Augenzeugen berichteten jedoch von Explosionen und zerstörten Gebäuden bei Balakot.

    Pakistan meldete Luftraumverletzung

    Pakistan hatte zuvor eine Verletzung der "Line of Control" gemeldet. Indische Kriegsflugzeuge seien in pakistanischen Luftraum eingedrungen, twitterte ein Armeesprecher. Es habe aber keine Schäden oder Todesopfer gegeben. Er kündigte eine "rasche und wirksame Antwort" der pakistanischen Luftwaffe an.

    Pakistans Ministerpräsident Imran Khan hat seine Streitkräfte und Landsleute dazu aufgerufen, auf alle Möglichkeiten vorbereitet zu sein. Laut einer Mitteilung des Büros des Premiers kam das Nationale Sicherheitskomitee am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung zu dem Schluss, dass Indien eine ungerechtfertigte Aggression begangen habe. Darauf wolle man zu einem Zeitpunkt und Ort seiner Wahl reagieren, heißt es in der Erklärung.

    Sondersitzung der nuklearen Kontrollbehörde

    Pakistan wies in der Mitteilung die Angaben Indiens zurück, es habe ein Terroristenlager angegriffen und den Islamisten schwere Verluste zugefügt. Die indische Regierung habe sich "wieder einmal einer eigennützigen, verwegenen und fiktiven Behauptung" bedient. Um die Nation hinter sich zu versammeln, werde die Regierung eine gemeinsame Sitzung beider Parlamentskammern einberufen. Khan habe zudem eine Sondersitzung der Atomkontrollbehörde für Mittwoch angesetzt.

    grafik: standard

    In beiden Ländern wird Stimmung für eine Eskalation des Konflikts gemacht. In Indien kam es zu Kundgebungen, bei denen die Luftangriffe gefeiert wurden. Auf pakistanischer Seite wurden bei Protesten indische Fahnen angezündet. Ein im Internet verbreitetes Video zeigte ein schwerbewaffnetes Mädchen, das erklärte, es werde Indiens Regierungschef Narendra Modi mit zwei Kugeln töten.

    foto: ap photo/rajanish kakade
    Auch in Indien kamen Kinder für Propagandazwecke zum Einsatz, wie hier in Mumbai.

    Ein Angriff auf pakistanisches Hoheitsgebiet jenseits der Demarkationslinie würde eine bedeutende Eskalation zwischen den Erzfeinden bedeuten, sagte ein Experte. Indien hatte zuletzt während des indisch-pakistanischen Krieges 1971 Luftangriffe auf Pakistan geflogen.

    Seit einem Krieg 1947 ist die Region zwischen den beiden Atommächten geteilt, wird aber bis heute von beiden zur Gänze beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere muslimische Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss an Pakistan. (red, APA, 26.2.2019)

    • Indische Mirage-Kampfjets, hier bei einer Übung 2012.
      foto: ap photo/saurabh das, file

      Indische Mirage-Kampfjets, hier bei einer Übung 2012.

    • Modi-Anhänger feiern den indischen Regierungschef auf Plakaten und füttern ihn mit Süßigkeiten.
      foto: apa/afp/hussain

      Modi-Anhänger feiern den indischen Regierungschef auf Plakaten und füttern ihn mit Süßigkeiten.

    • In Ahmedabad wird eine Pakistan-Puppe angezündet, ...
      foto: reuters/amit dave

      In Ahmedabad wird eine Pakistan-Puppe angezündet, ...

    • ... in Peshawar hingegen eine indische Flagge.
      foto: ap photo/muhammad sajjad

      ... in Peshawar hingegen eine indische Flagge.

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