20 Jobs weniger: Die Automatisierung der ORF-Nachrichten

    25. Februar 2019, 16:41
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    Eine Software namens James steuert im Fernsehen künftig Bild, Ton, Licht und Grafik

    Wien – James nimmt in diesen Tagen im ORF seine Tätigkeit auf. James ist der Projektname für eine Software, die Nachrichten- und Magazinsendungen des ORF automatisieren soll. Die Pilotphase für "Zeit im Bild" und Co beginnt gerade, mit Juli sollen die Sendungen mit deutlich weniger Personal auskommen.

    Eine Früh-"ZiB" sollen dann drei statt bisher neun Menschen abwickeln, sagt ein ORF-Kenner mit Einblick in die Vorgänge. Regieassistenten soll es nicht mehr geben, Bildmeister übernehmen zusätzliche Aufgaben, Moderatorinnen und Moderatoren stecken sich das Knopfmikro selbst ans Revers.

    James wird eine Reihe angestellter und angemieteter Fachkräfte ersetzen – DER STANDARD berichtete über das Projekt und seine Konsequenzen. Der ORF beziffert die Kürzungen am Montag auf Anfrage mit "rund 20", die über 50-Jährigen unter ihnen habe man "entsprechend der Rechtslage beim AMS angemeldet".

    Sozialplan und ORF-Gesetz

    Den Betroffenen biete der ORF an, die Dienstverhältnisse einvernehmlich zu lösen; er verspricht "zusätzliche Leistungen" im Rahme eines Sozialplans. Heikel an dem Projekt neben interner Aufregung über neue Aufgaben und mögliche Risiken der Abwicklung: Nicht angestellte Betroffene könnten überlegen, rückwirkend auf Anstellung zu klagen.

    James ist nicht allein auf der Suche nach Spar- und Optimierungspotenzial im ORF, einer nicht ganz neuen Suche: Schon 2013 war die zentrale Planung von Personalressourcen Thema im Stiftungsrat; 2017 wünschte sie sich ORF-Chef Alexander Wrabetz in einer Managementklausur. Nun dürfte es mit der Personalplanung in Technik (Kameraleute, Schnittplätze) und Programm ernst werden. Bei den TV-Magazinen soll es erste Tests geben.

    Grundlegendere Einschnitte vor allem in der ORF-Technik sind vom ORF-Gesetz zu erwarten, an dem Gernot Blümels (ÖVP) Medienministerium im Kanzleramt und die FPÖ arbeiten. Eine Technikdirektion wie bisher ist in den Überlegungen für einen türkis-blauen ORF schwer auszumachen.

    Rote Technik

    Die ORF-Technik ist traditionell eine rote Bastion, zugleich gewichtigster Bereich im Zentralbetriebsrat des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und der Zentralbetriebsrat stellt fünf ORF-Stiftungsräte, die mit den übrigen 30 das Management bestellen. Auch diese gleichberechtigte Position dürfte das ORF-Gesetz beenden.

    Die nächste Betriebsratswahl in der ORF-Technik dürfte sich aber noch ausgehen: Im Herbst, voraussichtlich Oktober, stimmen sie über ihre Personalvertretung ab. (fid, 25.2.2019)

    • Martin Thür, beinah allein im Haus: Die Präsentation der "ZiBs" und ORF-Magazinsendungen wird ab sofort weitgehend automatisiert.
      foto: orf/thomas ramstorfer

      Martin Thür, beinah allein im Haus: Die Präsentation der "ZiBs" und ORF-Magazinsendungen wird ab sofort weitgehend automatisiert.

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