Es war ja alles nicht so gemeint

    Kommentar25. Februar 2019, 12:20
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    Chelseas Goalie Arrizabalaga verweigerte seine Auswechslung. Und kam damit durch. Seine Entschuldigung ist noch unverschämter als sein Verhalten auf dem Platz. Eine Katastrophe, nicht nur für den Fußball

    Na klar. Im Nachhinein war es nur ein Missverständnis. Tormann Kepa Arrizabalaga tut der Eklat von Wembley leid. Nachdem der Keeper des FC Chelsea im Ligapokalfinale gegen Manchester City (3:4 i. E.) seine Auswechslung verweigert und sich gegen seinen Trainer Maurizio Sarri gestellt hatte, entschuldigte er sich auf Twitter.

    Das muss Arrizabalaga natürlich so machen. "Ich habe großen Respekt vor dem Coach und seiner Autorität." In Wahrheit wollte seine Ego nicht runter vom Rasen. Und Sarri muss diese dreiste Reaktion natürlich schlucken und herunterspielen. Nie waren Worthülsen leerer.

    Der Spanier hat seinen Trainer bloßgestellt. Das war eine Respektlosigkeit, die in einem Teamsport, und das ist Fußball trotz Milliarden-Monopoly-Spielgelds immer noch, nichts verloren hat. Mit so einer Aktion kannst du ein Mannschaftsgefüge kaputt machen. Als Vorbild für Millionen von eh schon egosüchtigen Kids der Instagram-Generation taugt er nicht.

    Die Mehrheit der Chelsea-Fans sieht das auch so. In den sozialen Medien ließen sie ihrem Frust über Arrizabalagas Verhalten freien Lauf: "Vielleicht sollte er nie wieder für uns spielen."

    Für Ersatzkeeper Willy Caballero war die Aktion eine Stereowatsche. Caballero hatte im Ligapokalfinale 2016 – damals noch im Tor von Manchester City – drei Elfmeter gehalten. Natürlich hatte Coach Sarri Hintergedanken bei dem Wechsel. Ein Elferkiller, der seine ehemaliger Mitspieler gut kennt, ein frisches Gesicht als Irritation für die Gegner. Vielleicht hätte er Caballero auch gebracht, wenn sich Arrizabalaga nicht als sterbender Schwan geriert hätte. Who knows?

    Nur eines ist klar: Maurizio Sarri kann man keinen Vorwurf machen. Der Chelsea-Trainer bleibt ein Sir in der Niederlage. Er hat sich zwar während des Spiels aus Wut fast seine Jacke zerrissen. Im Nachhinein lieferte er seinen Einsergoalie aber vor den Mikros nicht ans Messer. Er hätte Arrizabalaga verbal vernichten können, und niemand hätte es ihm übel nehmen können. Seine Autorität hat Sarri gegenüber der Mannschaft verloren. Die Einstellung seiner Spieler hatte er schon einmal infrage gestellt. Nach einer solchen Aktion könnte es sein, dass er hinschmeißt.

    Was für den 60-jährigen Italiener besonders bitter ist: Auch vom Schiedsrichter bekam er keine Hilfe. Die Weigerung des Goalies, vom Platz zu gehen, ist regelkonform. Eine Auswechslung ist ein interner Vorgang einer Mannschaft. Im Regelwerk ist nur die Anzahl der Wechsel festgelegt. Wenn sich ein Spieler der Auswechslung verweigert, kann der Schiedsrichter nicht sanktionieren.

    Bezeichnend war das Ende dieses demütigenden Schauspiels. Arrizabalaga kassierte ein Eiergoal im Elferschießen, als ihm ein schwach geschossener Ball von Agüero durch die Hände flutschte. Die Strafe für Selbstgefälligkeit folgt im Leben immer irgendwann. In diesem Fall recht prompt. (Florian Vetter, 25.2.2019)

    • Dreiste Aktion, dreiste Reaktion: Chelseas Goalie Arrizabalaga reagiert nicht auf die Schreie seines Trainers Maurizio Sarri.
      foto: reuters/john walton

      Dreiste Aktion, dreiste Reaktion: Chelseas Goalie Arrizabalaga reagiert nicht auf die Schreie seines Trainers Maurizio Sarri.

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