Zurückgezogen: "Kurier" meldete "Profil"-Kauf bei Wettbewerbsbehörde an

    22. Februar 2019, 16:31
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    Verhandlungen offenbar nicht abgeschlossen

    Wien – Die "Kurier"-Gruppe hat am Donnerstag bei der Wettbewerbsbehörde die Übernahme des "Profil" von der VGN Medienholding (früher: Verlagsgruppe News) beantragt, ist der Website der BWB zu entnehmen. Doch am selben Tag wurde der Antrag wieder zurückgezogen. Beide Seiten und die Behörde schweigen zu dem Vorgang. Die schon lange laufenden Verhandlungen über einen Rückkauf des "Profil" durch den "Kurier" dürften aber nach STANDARD-Infos zu keinem Ergebnis geführt haben.

    Die "Kurier"-Gruppe versucht seit 2016, als Geschäftsführer Horst Pirker die Mehrheitsanteile der Verlagsgruppe News vom deutschen Magazinkonzern Gruner + Jahr übernommen hat, ihr 2001 eingebrachtes "Profil" wieder herauszulösen.

    2018 haben Horst Pirker und die VGN-Gründerfamilie Fellner die Anteile des "Kurier" an der VGN übernommen. Sie zogen eine Option aus 2001, als der "Kurier" seine Magazingruppe samt "Profil" in die VGN einbrachte.

    Ende 2018 hat das Oberlandesgericht Wien als zweite Instanz die Übernahme der "Kurier"-Anteile an der VGN in zwei Entscheidungen bestätigt. Der "Kurier" hat gegen die beiden Urteile kein außerordentliches Rechtsmittel angemeldet, sie sind damit rechtskräftig.

    Die beiden Entscheidungen des Oberlandesgerichts stärken die Position von Pirker und Fellners in Verhandlungen mit dem "Kurier" über "Profil". Und diese Entscheidungen könnten auch die Bereitschaft mindern, "Profil" dem "Kurier" zu verkaufen.

    Geteiltes Magazin

    "Profil" gehört zwar wirtschaftlich seit dem Zusammenschluss von 2001 der VGN. Doch das Kartellgericht erlaubte die umstritttene Fusion der beiden Zeitschriftenmarktbeherrscher damals unter der Bedingung, dass die "Profil"-Redaktion in einer eigenen Redaktionsgesellschaft beim "Kurier" bleibt. Die "Kurier"-Gruppe bestimmt damit den Herausgeber und die inhaltliche Ausrichtung des Magazins, die VGN die verlagswirtschaftliche.

    Für die Lösung dieser verlegerischen Schizophrenie gäbe es nun im Prinzip zwei Varianten: Die VGN verkauft dem "Kurier" "Profil" ganz zurück – darüber wird nun seit Jahren verhandelt, bisher nach unbestätigten STANDARD-Infos ohne Ergebnis. Theoretisch könnte aber auch die VGN versuchen, dem "Kurier" die Redaktionsgesellschaft abzunehmen. Dafür gibt es bisher aber keine wahrnehmbaren Indizien.

    Die Profil Redaktionsgesellschaft im Besitz des "Kurier" meldete am Donnerstag bei der Wettbewerbsbehörde den "Erwerb jener Sachen, die im Rahmen des Betriebes der VGN Medien Holding GmbH und der Top Media Verlagsservice Gesellschaft m.b.H. (beide 1020 Wien) dem verlagswirtschaftlichen Bereich des Magazins "profil" zugeordnet sind," an.

    Weder "Kurier"-Management noch VGN-Führung beantworteten bisher STANDARD-Anfragen zu der binnen Stunden wieder zurückgezogenen Anmeldung der "Profil"-Übernahme durch den "Kurier". (fid, 22.2.2019)

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