Skigebiets-"Ehe" wird in Tirol zum Zankapfel

    22. Februar 2019, 14:37
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    Die Verbindung Kühtai-Hochoetz sorgt für Kontroversen. eine Onlinepetition verbucht über 14.000 Unterstützungen

    Tourismus/Umwelt/Naturschutz/Tirol – Eine geplante Skigebiets-"Ehe" sorgt für Kontroversen im Tiroler Oberland: Während die touristische Seite und die lokale Wirtschaft die Verbindung der Skigebiete Kühtai-Hochoetz befürworten und deren Realisierung auf Schiene bringen möchten, regt sich in der Bevölkerung der betroffenen Gemeinden Widerstand. Eine Onlinepetition verbuchte am Freitag mittlerweile über 14.000 Unterstützungen.

    "Wir wollen mit unserer Initiative die Zerstörung eines einmaligen Naturjuwels und wertvollen Naherholungsgebietes verhindern", sagte Gerd Estermann, Initiator der Onlinepetition, im Gespräch mit der APA. Bei den Feldringer Böden handle es sich um ein weitgehend naturbelassenes Hochplateau westlich von Kühtai in rund 2.000 Metern Höhe, so Estermann. Eine skitechnische Erschließung würde einen weiteren Sündenfall im zunehmenden Flächenverbrauch und der Zerstörung von Naturräumen in Tirol bedeuten. Mittlerweile habe die Initiative mit dem Alpenverein und den Naturfreunden starke Partner gefunden.

    "Für uns ist das Projekt immens wichtig", betonte hingegen der Oetzer Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der Bergbahnen Hochoetz, Hansjörg Falkner, der APA. Es würde regionalwirtschaftlich viel bringen und die wirtschaftliche Situation der involvierten Gemeinden wesentlich verbessern beziehungsweise langfristig absichern. Daher habe man im Gemeinderat von Oetz auch einen Grundsatzbeschluss gefällt. Demzufolge wolle die Gemeinde an dem Projekt festhalten. Zudem sollen die betroffenen Grundstücke, die sich im Besitz der Kommune befinden, zur Verfügung gestellt werden.

    Aufklärung

    Falkner wollte die Stimmung in der Bevölkerung dem Projekt gegenüber nicht beurteilen: "Ich merke aber, wenn man Aufklärungsarbeit leistet, dass viele, die vorher dagegen waren, dann dafür sind." Seitens der Initiative seien hingegen "viele Falschinformationen" verbreitet worden. Etwa seien die Feldringer Böden gar nicht von dem Projekt betroffen. Das kann wiederum der Initiator der Onlinepetition nicht nachvollziehen: "Auch wenn die Liftstützen nicht direkt in dem Gebiet der Feldringer Böden stehen, ist doch die Einheit, die dieses Naturjuwel mit dem Schafjoch bildet, wesentlich betroffen. Die Idylle zerstört." Denn man könne in das gesamte Gebiet einsehen, so Estermann: "Egal, wo die Lifte verlaufen. Sie stören das Gesamtbild."

    Mit dem Projekt sollen zusätzliche Pistenflächen erschlossen werden, erläuterte Falkner: "Rund 39 Hektar im Kühtai und am Schafjoch." Befragungen hätten gezeigt, dass für Urlauber die Pistenkilometer eine entscheidende Rolle spielen. Anders könnten sich die Skigebiete Hochoetz und Kühtai aus topografischen Gründen nicht weiter ausdehnen. Die lokale Wirtschaft steht überwiegend hinter dem Projekt. Beispielsweise sprachen sich Anfang des Jahres 37 Kühtaier Wirtschaftstreibende – ebenfalls in einer Petition – für die Skigebietserweiterung aus, mit der Begründung, dass das Projekt langfristig Unternehmen und Arbeitsplätze in der Region absichere.

    Varianten

    Die Betreiber der beiden Skigebiete spielen seit etlichen Jahren mit dem Gedanken der möglichen Verbindung der beiden Skigebiete. Seit rund zehn Jahren gibt es einen Ticketverbund. Im Jahr 2015 wurde eine Beratungsfirma engagiert, um die Möglichkeiten auszuloten. Aus insgesamt fünf Varianten habe sich schließlich eine herauskristallisiert, hieß es. Diese wurde dann im Mai 2017 bei der Behörde zur Vorprüfung eingereicht. Im April erhielt man die Stellungnahme, dass keine grundsätzlichen Ausschließungsgründe vorlägen. Erst dann habe man informelle Gespräche mit den Grundbesitzern gestartet. Auf Basis dieser wurde dann ein Umweltverträglichkeitskonzept erarbeitet, das im Rahmen einer Umweltverträglichkeitserklärung im vergangenen Dezember der Behörde vorgelegt wurde. Mit einer UVP-Einreichung sei erst in zwei Jahren zu rechnen, so die Schätzung der Projektverantwortlichen.

    Dass die Onlinepetition zu einem erklecklichen Teil von nicht aus der Region Stammenden unterfertigt wurde, wies Estermann zurück: "Beim Stand von 10.000 haben wir die Unterzeichner anhand ihrer Postleitzahl analysiert. Mit dem Ergebnis, dass 9.500 aus Österreich stammten, davon 7.500 aus Tirol." Ende Jänner gab es eine Infoveranstaltung der Projektbetreiber in Silz, einer weiteren beteiligten Gemeinde, so Estermann: "Obwohl diese das Gegenteil bewirken hätte sollen, können wir sie als großen Erfolg für uns verbuchen." Schließlich sei die Stimmung in der ansässigen Bevölkerung sehr kritisch gewesen. Daher habe man eine geplante Abstimmung im Silzer Gemeinderat auf unbestimmte Zeit verschoben. Offensichtlich fürchte man, dass sich eine Mehrheit der Mandatare gegen das Wunschprojekt der Gemeindeführung ausspricht, meinte Estermann. Die dritte involvierte Gemeinde, Haiming, will das Ergebnis der Abstimmung in Silz abwarten.

    Stärkung der Region

    Ganz Kühtai stehe hinter der neuen Verbindung, zeigte sich hingegen ÖVP-LAbg. Mario Gerber, selbst Hotelier im Kühtai, Ende Jänner überzeugt. Es bedeute eine langfristige Stärkung der gesamten Region. Die dort lebenden Menschen würden davon profitieren.

    Die Bergbahnen Kühtai hätten über 70 Aktionäre, betonte Estermann, darunter viele kleine. "Und ich weiß, dass da nicht alle für die Verbindung sind." Außerdem verfüge Tirol über 3.400 Pistenkilometer und rund 1.100 Aufstiegshilfen, so Estermann: "Irgendwann muss doch genug sein." (APA, 22.2.2019)

    • Die einen argumentieren mit wirtschaftlicher Stärkung, die anderen mit wertvoller Natur.
      foto: apa/maurer

      Die einen argumentieren mit wirtschaftlicher Stärkung, die anderen mit wertvoller Natur.

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